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Welser Straßen

Ein Ort, der reichlich Gesprächsstoff liefert

Von Friedrich M. Müller, Erik Famler und Michaela Krenn-Aichinger   06. Februar 2015 00:04 Uhr

Busse und Hochhaus dominieren.  

Der „K. J.“ lässt niemanden kalt. In der Dimension ähnlich groß wie der Stadtplatz ist er öfter in den Schlagzeilen.

Kaiser-Josef-Platz

Der „K. J.“ lässt niemanden kalt. In der Dimension ähnlich groß wie der Stadtplatz ist er öfter in den Schlagzeilen: Weil es hier Wettbüros, Handy-Shops und Geschäfte gibt, die manche weniger gerne sehen. Aber: Ohne Kunden würden sie nicht überleben.

Auch Suchtkranke sind dort anzutreffen; es wird gedealt. Nach Protesten verstärkten Polizei und Ordnungswache die Kontrolle, die Szene wurde großteils vertrieben.

Seit dem Bau der Tiefgarage und dem Aussperren des Durchzugsverkehrs ist der K.J. „Dauerbaustelle“. Die Busdrehscheibe steht im Kreuzfeuer – viele glauben, der Ostteil sei zu wertvoll, um im 15-Minuten-Takt Parkplatz für Linienbusse zu sein. Nun dürfen Autos wieder Richtung Westen fahren – in Schrittgeschwindigkeit.

Die Realität in der seit Juli 2013 gültigen Begegnungszone sieht oft anders aus.

Wie Politiker künftig die vielen verschiedenen Nutzungen des K.J. unter einen neuen Hut bringen wollen, steht in den Sternen.

Gesichert ist, dass der Platz mit der Anlage der „Neustadt“ um 1300 errichtet wurde. 1626 setzten bayerische und kaiserliche Truppen im Bauernkrieg Teile des Platzes in Brand. Ab 1834 rollten Eisenbahn-Waggons über den Platz: anfangs von Pferden, dann von Dampfloks gezogen. Der Verkehr wurde 1859 eingestellt – nachdem die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn gebaut worden war.

Bäume schmückten den Platz ab 1895. Drei Jahre später erhielt der Vorstadtplatz seinen neuen Namen – nach dem vom oö. Bauernverein aufgestellten Denkmal für Kaiser Joseph II. auf dem Ostende des Platzes, das 1938 entfernt wurde. Erst 1995 wechselte der Namenspatron von der Burg wieder auf den K.J. – zum Tiefgaragen-Abgang Bäckergasse.

Frischemarkt

Frischemarkt: Kunden schätzen Qualität

Ob Fische aus dem Mühlviertel, Schweine- und Rindfleisch aus Weißkirchen/Traun oder Spezialitäten aus dem Backofen von Bäckermeister Rudolf Stranzinger aus der Innviertler Gemeinde Altheim: Es gibt diese und noch viel mehr gute Gründe, Freitag zwischen 8 und 12 Uhr den Frischemarkt auf dem K.J. zu besuchen.

Seit Ostern 2007 bieten dort Direktvermarkter Lebensmittel feil. „Die Produkte sind willkommene Abwechslung auf dem Einkaufsplan, sie sind aus der Region und ich vertraue darauf, dass sie frisch sind“, lobt Erna Reschauer aus der Gartenstadt. „Ich schätze die Qualität der Lebensmittel.“

Solches Lob bekommen die Frischemarkt-Beschicker vielfach zu hören. Aus gutem Grund: „Ich habe in meinem Sortiment mit frischem Apfel-, Topfenstrudel, gebackenen Mäusen oder Pofesen Dinge, die es sonst kaum zu kaufen gibt“, sagt Bäcker Stranzinger. „90 Prozent meiner Backwaren sind biologisch“, sagt der Innviertler, während Rosemarie Gruber ergänzt: „Ich fahre extra von Lichtenegg auf den K.J., weil es sonst nirgendwo so gutes Gebäck gibt wie hier.“

Karin Friedl vom Weißkirchner Brunnbauer-Hof hat Freitagvormittag kaum Zeit zum Verschnaufen: Sie bietet Schweine- und Rindfleisch vom eigenen Hof an: Woche für Woche stehen Kunden Schlange vor ihrem Verkaufsstand. Das Warten zahlt sich aus, die Qualität stimmt.

Irmgard Grabmair unterstützt ihren Sohn Leopold vom Buchkirchner Demlgut beim Verkauf von selbst gemachtem Brot und Gebäck. Sie weiß aus fast achtjähriger Erfahrung: „Viel Kunden schätzen den Freitag-Frischemarkt, weil es nicht so ein Gedränge gibt wie in der Markthalle am Samstag.“

Dort und auf dem K.J. verkauft Josef Kinzlhofer aus Unterweißenbach Fische aus dem Mühlviertel – auch in Bioqualität. Er lobt die Welser als sehr treue Kunden: „Am beliebtesten sind meine Saiblinge.“

Imageproblem

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K.J.

Interview mit Günter Stadlberger

Er kämpft für den Kaiser-Josef-Platz und sein Image: Der Direktor der Welser Raiffeisenbank will dem K. J. mit Veranstaltungen und Projekten jenen Stellenwert zurückgeben, den er einmal hatte. Sein Geldinstitut residiert auf Hausnummer 58.

  1. Sie waren maßgeblich beteiligt an den Plänen für ein Innenstadtkaufhaus am K.J. Das Projekt wurde aber nie verwirklicht.

    Das von Luger & Maul gestaltete Projekt scheiterte nicht so sehr an der Auslastung durch Geschäfte. Da waren wir schon relativ weit. Das größte Hindernis waren die Eigentumsverhältnisse. Jetzt ist erneut was im Gespräch. Ein Dienstleistungszentrum für die Bürger von Wels. Ich unterstütze jede Idee, die den Platz aufwertet.
  2. Wie steht’s um die Sicherheit auf dem K.J.?

    Ich halte den Kaiser-Josef-Platz für einen sicheren Platz. Banken haben einen empfindlichen Seismografen für dieses Thema. Dass es auf dem K.J. vermehrt zu Straftaten kommt, ist durch keine Statistik bewiesen. Was ich bekrittle, ist der Mangel an Sauberkeit. Da gilt mein Appell den vielen Jugendlichen, die den Platz bevölkern.
  3. Wohin soll sich der Platz entwickeln?


    Der K.J. darf nicht verwechselt werden mit dem Stadtplatz oder der Ringstraße. Eine dritte große Einkaufsstraße verträgt die Stadt nicht. Ich sehe ihn vielmehr als Dienstleistungs- und Handwerksplatz. Er eignet sich aber genauso zum Wohnen.

 

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