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Welser Straßen

Ein Ort der Reinigung und Heilung für die Welser

Von Friedrich M. Müller, Erik Famler und Michaela Krenn-Aichinger   12. Februar 2015 18:38 Uhr

Sein Lächeln gilt allen in der Bäckergasse
Bei jedem Wetter steht Kupfermuckn-Verkäufer Ali Rafaqat in der Bäckergasse.

Handwerkerstraße: Bereits im 15. Jahrhundert gab es in der Welser Vorstadt eine voll verbaute Handwerkerstraße. Nach dem Vorbild Schmidtgasse wird die Bäckergasse heuer umgebaut. Der Unterschied: Bäume werden gepflanzt.

Bäckergasse

Freuen Sie sich! Die Bäckergasse wird ab Herbst in neuem Glanz erstrahlen. Ähnlich wie die Schmidtgasse wird die Einkaufsmeile in ein neues Kleid gehüllt. Und zur Freude vieler Welser werden einige Bäume gepflanzt.

Die jüngste Sanierung war im Sommer 2006, die Gasse erhielt auch neue Möbel. Ein Jahr danach stand das Stadtmarketing im Kreuzfeuer der Kritik: Um knapp 100.000 Euro wurde eine Info-Insel in Höhe der Hartlauer-Filiale errichtet – die weder von wissbegierigen Einheimischen noch von Besuchern reichlich beansprucht worden ist. Im März werden es zwei Jahre, dass das rote Ungetüm wieder abgerissen wurde.

Schon im 15. Jahrhundert war die Bäckergasse in der Vorstadt eine voll verbaute Handwerkerstraße: Die Häuser Nr. 9, 10 und 12 (Höhe Almgasse) wurden 1428 erstmals urkundlich erwähnt. 35 Jahre später wird von einem "Grabenbad" berichtet; im Spätmittelalter gab es drei Badstuben, die zur sanitären Versorgung dienten. Auch Wundärzte gingen bis Ende des 19. Jahrhunderts hier ihrem Gewerbe nach.

Die Vorstadt brannte während des Bauernkriegs 1626 nieder. Ein Großteil der Häuser wird erst Ende des 17. Jahrhunderts aufgebaut, weil wegen der Gegenreformation viele Kaufleute und Handwerker Wels den Rücken gekehrt hatten.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben viele historische Fassaden, die jüngste Vernichtung fand allerdings erst im Frühjahr 2013 beim Haus Bäckergasse 1A (Deichmann-Schuhe) statt.

„Doktor Ali“

Sein Lächeln gilt allen in der Bäckergasse

Den Menschen in der Bäckergasse begegnet Ali Rafaqat, egal bei welchem Wetter, stets mit einem Lächeln. Der Verkäufer der Obdachlosen-Zeitung Kupfermuckn wird von vielen nur Doktor Ali genannt. Der 55-jährige Pakistani mit österreichischem Pass ist eigentlich homöpathischer Arzt nach indisch-pakistanischem Recht und arbeitet einige Stunden pro Monat in einer Arbeitsgemeinschaft für körperliche und seelische Gesundheit. „Davon alleine könnte ich nicht leben, deshalb verkaufe ich seit drei Jahren die Kupfermuckn“, sagt Ali Rafaqat.

Vor 32 Jahren ist seine Familie nach Europa emigriert, er ist als Einziger in Österreich geblieben, weil ihm das Land gefällt und er gleich Arbeit in einem Kunststoffwerk in Braunau fand.

Der Weg in die Armut begann für Ali Rafaqat, der seit 25 Jahren in Wels lebt, mit der Scheidung von seiner Frau. Sie ist mit den zwei Söhnen und der Tochter nach London gezogen. Manchmal geht er in ein Internet-Café, um mit seinen Kindern zu skypen. Er will den Kontakt aufrechterhalten. „Sie stehen noch nicht auf eigenen Füßen, aber wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind, gehe ich vielleicht eines Tages auch nach England“, sagt der Welser, der in einer bescheidenen Einzimmerwohnung lebt.

Vom Verkauf der Kupfermuckn, die er mit seinem netten Lächeln den Welsern anpreist, bleiben ihm im Schnitt fünf bis zehn Euro pro Tag. „Die Menschen sind sehr freundlich und höflich zu mir, manche geben mir auch mehr als die zwei Euro für die Kupfermuckn, manchmal bekomme ich auch Kleidung geschenkt, die ich auch an Obdachlose in der Wärmestube weitergebe.“ Er nimmt sich dort auch der Probleme vor allem älterer Obdachloser an. „Ich erfahre ihre Probleme und sie meine. Das nimmt den psychischen Druck ein wenig weg. Auch das Lächeln hilft mir, ich kann über mich selbst lachen.“

Umbau als Chance

Interview
Sophie Schick

Interview mit Sophie Schick

Sie beherbergt über 10.000 Gäste im Jahr: Sophie Schick, geschäftsführende Gesellschafterin des Boutiquehotel Hauser, sieht den Umbau der Bäckergasse als große Chance.

  1. Welche Vorteile hat für Sie der Standort Bäckergasse?


    Wir sind das einzige Hotel in der Welser FUZO. Das gibt den Gästen Orientierung. Sie verbinden damit Ruhe vom Verkehrslärm und Nähe zum historischen Zentrum.
  2. Heuer ist die Erneuerung des Pflasters und die Bepflanzung mit Bäumen geplant. Wie stehen Sie zu den Umbaumaßnahmen?

    Für uns ist der Umbau ein Segen. Wir selbst haben zuletzt 100.000 Euro in die Fassadengestaltung investiert und ernten seither viel Zustimmung. Ich hoffe, dass wir ein gutes Beispiel für andere Hausbesitzer abgeben. Denn bei manchen Objekten gibt es erheblichen Erneuerungsbedarf. Die Stadt hat uns sehr unterstützt. Die entsprechenden Förderungen liegen bereit und müssen nur abgeholt werden.
  3. Was würden Sie haben wollen, wenn Sie als Hotelchefin einen Wunsch frei hätten?

    Ich wünsche mir eine schöne Aussicht, wenn ich von unserem Frühstücksraum auf die Bäckergasse blicke. Darauf sprechen uns nämlich viele Gäste an. ,Ihr habt so ein tolles Hotel, und wenn man hinaus sieht, ist es hässlich.‘ Die grauslichen Leuchtreklamen und der 1-Euro-Shop tun richtig weh.

 

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