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Welser Straßen

Die Straße entlang der römischen Stadtbefestigung

Von Friedrich M. Müller, Erik Famler, Michaela Krenn-Aichinger und Klaus Buttinger   27. März 2015 00:04 Uhr

In der Welser Schubertstraße
Schubertstraße   

Wichtige West-Ost-Route: In der Schubertstraße rollen mehr als 12.300 Autos pro Tag - die Tendenz ist seit Jahren gleichbleibend.

  • Wichtige West-Ost-Route: In der Schubertstraße rollen mehr als 12.300 Autos pro Tag - die Tendenz ist seit Jahren gleichbleibend. 
  • Hürde Westbahn: Bereits 1910 diskutierten Politiker die Idee, von der Schubertstraße eine Unterführung in die Neustadt zu bauen.

Schubertstraße

In der parallel zur Westbahn verlaufenden Straße rollen täglich etwa 12.300 Fahrzeuge, davon sind etwa 350 Lkw (Zählung: 19. März 2015). 2003 waren es 12.500 Kfz, gleich viel wie im Jahr 2010.

Die Schubertstraße ist eine wichtige West-Ost-Verbindungen in der Einkaufsstadt. Mit dem im März 2006 von VP-Stadtrat Roland Strassl präsentierten Verkehrskonzept des Experten Joachim Kleiner sollte die Route aufgewertet werden: durch eine zweispurige Straße von der Sauna-Kreuzung nach Norden. Auch der Kreisverkehr Vogelweider Straße hätte zweispurig werden sollen. Die großzügigen Pläne sind längst in den Schubladen der Politiker und Stadtplaner verschwunden.

Nicht realisierte Pläne dürften typisch für die Straße sein: "Als sie 1907 den Namen des Komponisten erhielt, war sie um einen halben Häuserblock weiter im Süden geplant", weiß Stadtarchivleiter Michael Kitzmantel aufgrund eines Stadtplanes aus 1909.

Vermutlich wird die Schubertstraße wegen des Baus der "Karlsbrücke" über die Westbahn nördlicher realisiert. Der Brückenschlag beginnt 1913, ab 1915 helfen auch viele Kriesgefangene mit. Bereits 1910 rät ein Gemeindemandatar zum Bau einer "Unterfahrung". Der Vorsitzende bezweifelt aber die Machbarkeit.

Die Neustadt-Unterführung wird erst 1960 eröffnet, ab 1953 ist die Karlsbrücke wegen massiver Rostschäden nur noch eingeschränkt benützbar.

Wo heute die Schubertstraße verläuft, bauten die Römer ihre Stadtbefestigung. 1917 wird der Rest eines Stadtmauerturms freigelegt, 1952 entdecken Archäologen die Stadtbefestigung.

Wissenswertes über die Schubertstraße:

  • 1960: Nach zweijähriger Bauzeit wird am 29. Juli die Neustadt-Unterführung beim Römerwall offiziell eröffnet. Die erste Idee einer „Unterfahrung“ der Westbahn wurde bereits 1910 im Gemeinderat diskutiert.
  • 20: Diese Hausnummer gehört Hubert Köllensperger, der mit Wolfgang Stockinger im schönsten Objekt in der Schubertstraße eine Anwaltskanzlei betreibt. Köllensperger schätzt die Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt.

Wirt zum Lagerhaus

Ernste Einkehr beim Wirt des Vertrauens

Das Lagerhaus ist dem Wirt zum Lagerhaus schon vor vielen Jahren abhanden gekommen, der Name geblieben. Wer dort, an der Schubertstraße 22, regelmäßig einkehrt, nennt das Gasthaus liebevoll "Wirt des Vertrauens" oder schlicht LH, sprich "El-Ha", was nichts mit unserem Landesfürsten zu tun hat. Hier residiert Günter Foschum (56) in zweiter Wirtegeneration. Mutter Annemarie (76) und Vater Günther (†) haben den Lagerhauswirt 1983 von der Baumgartner Brauerei gepachtet. Geändert hat sich seither nicht viel – und das ist gut so. Sehr gut sogar.

Man müsste schon hinaus aufs hügelige Land fahren, um noch ein derart erdiges Wirtshaus zu finden. Altes Holz, prima abgewohnt, eine Schank, wie man sie kaum noch sieht, auf den wenigen Regalen an den nikotingelben Wänden steht eine Sammlung internationaler Bierflaschen und -dosen. Will heißen: Hier wird noch in aller Ernsthaftigkeit Bier getrunken und Tabak geraucht. Kein Firlefanz, keine Musikbesudelung, kein Fernseher – außer der im Hinterzimmer. Der wird aber nur bei wirklich wichtigen Fußballspielen eingeschaltet. Der LH ist eine proseccofreie Zone.

Etliche Stammtische genießen den Ausflug in die alte Welt, wo an den stabilen Tischen noch lebhaft dischkeriert wird statt aufs Handy gestarrt, wo g’red’t wird, und zwar zuweilen Klartext.

Im Sommer sitzt man draußen unter Kastanien und genießt eine Jause, im Winter sitzt man drinnen und stärkt sich an ordentlicher Hausmannskost. Die Karte weiß der Wirt auswendig, sie ist schlank, aber es wird frisch gekocht. Zu Mittag hat der LH leider nicht mehr offen, sondern nun noch von 16 bis 23 Uhr unter der Woche. Tut’s eh.

Man kennt sich beim LH, man grüßt ordentlich beim Betreten der Gaststube, lobt den Wirt ob seiner aufopferungsvollen Tätigkeit, tadelt ihn wegen der vorsintflutlichen Lüftung und bestellt noch ein Bier. Ist ja hier kein Luftkurort.

Interview

markus nöttling, kulturzentrum nöfa in wels
Nöttling

Interview mit Markus Nöttling 

Der geschäftsführende Gesellschafter der „Nöttling-Familien-KG“ („Nöfa“) ist verheiratet, Vater von vier Söhnen, begeisterter Bergsteiger und spielt Klavier und Gitarre.

  1. Was ist die „Nöfa“?

    Ein Kunst-, Kultur- und Dienstleistungszentrum, das sich nach Auslagerung der Bilderleisten-Produktion 1997 ins tschechische Krumau ergeben hat. Auf 4700 Quadratmetern sind 48 Künstler und Organisationen vertreten. Die Jüngsten sind die Nachhaltigkeitsleute: Denn zur Kultur zählt auch, wie ich lebe, wie ich esse, wie ich mit mir, mit anderen Menschen und mit der Erde umgehe.
  2. Welche Pläne haben Sie mit der „Nöfa“?


    Wir sind glücklicherweise fast ausgebucht. Es gibt aber Ideen, die ich jedoch noch nicht verraten will. Es geht Richtung Akzente für ein besseres gesellschaftspolitisches Miteinander in Wels. Unsere Familie war und ist bei keiner Partei, wir sind unabhängig und können daher auch sagen, was wir denken.
  3. Was wünschen Sie sich von den Stadtpolitikern und den Welsern?


    Dass die Politiker mehr gemeinsam für die Stadt und nicht so sehr für die eigene Partei arbeiten. Dazu gehören auch ein Zuhören, ein gutes Miteinander und Fairness. Der Stadt fehlt derzeit ein Koordinator. Es gibt in Wels viele Menschen mit großen Begabungen: Wenn aber die Gabe der Koordination fehlt, können sich die einzelnen Begabungen nicht so gut entwickeln.
"Uns geht es um das gemeinsame Lernen und nicht um Wettbewerb"
Der Garten der Franziskusschulen dient auch als "grünes Lernzimmer". ´

„Uns geht es um das gemeinsame Lernen und nicht um Wettbewerb“

Im Jahr 2012 haben die Franziskanerinnen den Um- und Ausbau ihrer Bildungseinrichtungen in der Schubertstraße abgeschlossen. Hier befinden sich neben dem Wirtschaftskundlichen Realgymnasium (WRG) und dem Oberstufenrealgymnasium (ORG) mit 650 Schülerinnen und Schülern und 70 Lehrkräften auch die Neue Mittelschule mit 270 Schülern, ein Kindergarten sowie ein kleiner Konvent, in dem drei Klosterschwestern leben. Schwester Felicia gilt als die gute Seele des Hauses. Die beiden anderen Franziskanerinnen arbeiten im Krankenhaus.

„Derzeit beschäftigt uns natürlich die Umsetzung der Reifeprüfung und der vorwissenschaftlichen Arbeiten“, sagt WRG/ORG-Direktor Georg König im Gespräch mit den OÖNachrichten. Seit Jahren werden die Jugendlichen konsequent auf die Zentralmatura vorbereitet, die ab heuer ja verpflichtend für alle AHS stattfinden wird. Nach den Osterferien werden die Maturanten ihre schriftlichen Arbeiten präsentieren. „Ich freue mich darauf, denn ich kenne schon einige dieser vorwissenschaftlichen Arbeiten, sie sind sehr gut geworden“, so König.

Mit dem Umbau wurde am Gymnasium auch die Zahl der Klassen erhöht, im Herbst beginnen wieder vier erste Klassen. Der Anteil der Buben liegt bei rund einem Drittel, früher war die Schule eine Mädchenschule.
Dem franziskanischen Geist entsprechend, wird in der katholischen Privatschule großer Wert auf einen bewussten Umgang mit den Ressourcen im Unterricht und Alltag gelegt. Der Schulgarten wird auch von Schülern gepflegt und dient als „grünes Lernzimmer“.

„Ganz wesentlich geht es uns um das gemeinsame Erlernen von Kompetenzen, wir sagen Ja zur individuellen Leistung, aber Kooperation kommt vor Wettbewerb“, sagt König. Auch offen zu sein für Spiritualität, sei ein Kennzeichen des Hauses.

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