Lade Inhalte...
  • NEWSLETTER
  • ABO / EPAPER
  • Lade Login-Box ...
    Anmeldung
    Bitte E-Mail-Adresse eingeben
    Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse oder Ihren nachrichten.at Benutzernamen ein.

gemerkt
merken
teilen

Seit 75 Jahren beste Freundinnen: Golden Girls der Handelsschule Wels

Von Erik Famler, 21. Juni 2024, 08:07 Uhr
Seit 75 Jahren beste Freundinnen: Die "Golden Girls" der Handelsschule Wels
Dieses Bild entstand beim jüngsten Ausflug des Frauenstammtisches zur Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura.

WELS. Einmal im Monat treffen sich neun Absolventinnen des Jahrgangs 1951 zum Stammtisch

 Man schrieb das Jahr 1949, als an einem nebelverhangenen Septembertag an die 40 junge Mädchen nach Wels in die Mädchenhandelsschule pilgerten, um dort ihre Ausbildung zu beginnen. "Die Geschlechter waren noch strikt getrennt. Burschen, die sich in unseren Schultrakt wagten, wurden bestraft", erinnert sich Gerti Koppler. Sie ist die Obfrau jener neun Damen, die sich jeden dritten Donnerstag im Monat beim Knödelwirt zum gemeinsamen Stammtisch treffen. Inzwischen sind die "Golden Girls" der Handelsschule Wels reife Damen. Alle haben sie den Neunziger schon überschritten. Bis auf Trude Puschmann, die es mit dem Gehwerk hat, als Wortführerin und Schmähschwester aber weiter ihre Dienste verrichtet, präsentiert sich der weibliche Stammtisch als gesund und putzmunter.

Verbindung riss nie ab

Worüber wird nach so langer Zeit gesprochen? "Das geht quer durch – von den Kindern und Enkelkindern über Reisen und Konzerte bis hin zur Politik", antwortet die Obfrau. Drei der anfangs zwölf Absolventinnen, die den engsten Kreis ihres Jahrgangs bildeten, sind bereits verstorben.

Die Verbindung riss nach der Handelsschule nie wirklich ab. Bis die Kinder kamen, traf man sich regelmäßig. Seit nunmehr 30 Jahren sind die "Golden Girls" absolut unzertrennlich. Den monatlichen Stammtisch lässt sich keine der neun Damen entgehen.

Zwei der Stammtisch-Mitglieder machten Karriere: "Ich habe es bis zur Chefsekretärin bei der Brau Union gebracht", betont Trude Gott nicht ohne Stolz. "Ich war Chefsekretärin bei Epple-Buxbaum", will Edeltraud Leithner nicht nachstehen. Gerti Koppler baute mit ihrem Mann eine Fleischhauerei in Lambach auf. Jede der neun Damen hat eine Geschichte zu erzählen. Sie alle kommen aus jener Frauengeneration, die dem Patriarchat erstmals die Stirn bot: "Wir waren die ersten, die den Führerschein machten. Das war zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit", erinnert sich Trude Puschmann, die in der Dachdeckerei ihres Mannes im Büro aushalf.

Die Mädchen von damals träumten von Nylonstrümpfen, hübschen Kleidern und feschen Burschen: "Die trafen wir beim Tanzkurs. Die Eltern haben aber aufgepasst und sind gleich dagestanden, als der Kurs zu Ende war", schildert Puschmann. Sie war es auch, die von den jungen Männern ihres Jahrgangs wegen ihrer attraktiven Erscheinung am intensivsten angehimmelt wurde: "Bei der Trude hatten die alle keine Chance. Sie schwärmte nämlich für Ältere", verrät die Obfrau.

Trotz zarter Ansätze einer beginnenden Gleichberechtigung habe das Los der Frauen vorrangig darin bestanden, Kinder in die Welt zu setzen: "So sind wir auch erzogen worden. Wir hatten dafür zu sorgen, dass in der Familie Frieden herrscht. Wir waren deswegen aber nicht unglücklich."

Es versteht sich von selbst, dass Frauen ab 90 auch über ihre Wehwehchen sprechen. "Wenn es dann zu viel wird, drücke ich die Stopptaste", sagt die First Lady der "Golden Girls". Die Bezeichnung Obfrau mag sie übrigens gar nicht: "Das ist eine Erfindung der anderen", sagt die resolute Mutter und Oma. Gertis Sohn Werner, auch er schon in der Pension, verfolgt das Gespräch mit stillem Interesse. "Warum hast du ihn immer versteckt vor uns?", stichelt Trude Puschmann. Die Damen am Tisch lächeln entzückt.

Im Austausch von Erinnerungen sind jetzt die Lehrer dran. "Vom feschen Fredi haben wir alle geschwärmt." Arg streng sei der Direktor aus "Wean" gewesen, ein Mann namens Homolka. Mit rüden Sprüchen habe er die Mädchen zum Lernen genötigt: "Zu mir hat er einmal gesagt: ,Ich spieß dich auf wie an Kohlweißling‘", schildert Puschmann. Wie lange der Stammtisch noch bestehen soll? "Solange wir können und wollen", lautet die knappe Antwort.

mehr aus Wels

Welser Wirt rechnet mit Rückkehr von früheren Mitarbeitern aus der Industrie

Brot und Spiele: Warum sich Wels als Eventhauptstadt etablieren will

25. Welser Innenstadtkriterium mit Spaß für die ganze Familie

Mutter und 2 Kinder (7, 9) bei Unfall in Thalheim verletzt

Autor
Erik Famler
Lokalredakteur Wels
Erik Famler
Lädt

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

0  Kommentare
0  Kommentare
Die Kommentarfunktion steht von 22 bis 6 Uhr nicht zur Verfügung.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.
Neueste zuerst Älteste zuerst Beste Bewertung
Aktuelle Meldungen