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Wels

Ein Joker für Jugendliche beim Einstieg in den Job

Von Michaela Krenn-Aichinger 15. Februar 2019 16:22 Uhr

Ein Joker für Jugendliche beim Einstieg in den Job
Kurze Pause beim OÖNachrichten-Besuch für ein Gruppenfoto mit einem Teil der betreuten Jugendlichen und Joker-Mitarbeitern.

TOLLET. Der Joker Hof Tollet feiert 25-Jahr-Jubiläum: Junge Menschen mit Förderbedarf bekommen hier eine Chance.

Nicole und Ivana bereiten Gemüse für das Mittagessen vor. Der 16-jährige Marcel schleift in der Industriewerkstätte Luftkanäle, im ersten Stock sind die Tischler am Werk, die Hochbetten, Stühle und Holzbänke herstellen. Um 7.30 Uhr beginnt am Joker Hof Tollet und dem Standort in Taufkirchen/Pram der Arbeitstag. 83 Jugendliche mit Förderbedarf werden in den Einrichtungen des OÖ. Zivilinvalidenverbandes auf ihr späteres Arbeitsleben vorbereitet. Und das mit sehr guten Erfolgen.

"Im Vorjahr lag die Vermittlungsquote auf den ersten Arbeitsmarkt bei 45 Prozent", sagt Thorsten Hoffmann. Der 37-jährige Andorfer leitet seit November die beiden Einrichtungen. Gegenüber seines Büros im Hof Tollet hängen die Fotos von jenen jungen Menschen, die den Jobeinstieg im Vorjahr geschafft haben. Das sind die messbaren großen Erfolge, aber es gibt auch die täglichen kleinen Erfolgserlebnisse. Die Mädchen und Burschen, die großteils auch am Joker-Hof oder teilbetreuten WGs in Nachbarorten wohnen, lernen, zu kochen, einen Haushalt zu führen und natürlich alles, was im Berufsleben gefordert ist, wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, sorgfältiges und eigenständiges Arbeiten. Auch der Umgang mit Geld muss gelernt werden. Die Jugendlichen bekommen rund 300 Euro netto im Monat. Viele legen davon etwas zur Seite, etwa für den Moped- und Autoführerschein.

Ein Joker für Jugendliche beim Einstieg in den Job
Thorsten Hoffmann, leitet den Joker Hof Tollet und Taufkirchen/Pram

Thorsten Hoffmann, leitet den Joker Hof Tollet und Taufkirchen/Pram

Arbeiten und Wohnen am Hof

Drei Jahre lang können die Jugendlichen am Joker-Hof bleiben. Sie arbeiten in den Werkstätten am Hof in der Lohnfertigung, in der Betriebskantine beim Grieskirchner Leitbetrieb Fröling oder der Kantine der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen/Eferding. Die Jugendlichen können Praktika in Unternehmen machen und werden in der Einschulungsphase auch von Joker-Mitarbeitern begleitet. Wer den Jobeinstieg in der freien Wirtschaft nicht schafft, kommt auf den zweiten Arbeitsmarkt, etwa in geschützten Werkstätten, unter.

Leiter Thorsten Hoffmann nennt als eines seiner Ziele, Lobbying für die Jugendlichen zu betreiben und gegenüber der Wirtschaft nicht nur als Bittsteller aufzutreten. "Auch wenn die Jugendlichen Teilleistungsschwächen haben, haben sie Stärken, die am Arbeitsplatz gut einsetzbar sind. Diese jungen Menschen sind auch sehr zuverlässige und loyale Mitarbeiter und tragen die Firmenkultur mit", betont Hoffmann. Als Beispiel nennt er einen ehemaligen Schützling, der nun in seinem Job beim Grieskirchner Landmaschinenhersteller Pöttinger ganz aufgeht und mit großem Stolz die Arbeitskleidung mit Firmenlogo trägt.

Derzeit sind 83 Mitarbeiter bei Joker beschäftigt, viele davon bereits seit mehr als 20 Jahren, was eher unüblich für den Sozialbereich ist und für die Einrichtung spricht. "Es herrscht eine große Wertschätzung und ein freundlicher, familiärer Umgang", sagt Hoffmann, der vor seiner Leitertätigkeit bereits mehr als zehn Jahre beruflich im Jugendbereich engagiert war. Verstärktes Augenmerk will er auch im Bereich betrieblicher Gesundheitsvorsorge legen.

Ein Joker für Jugendliche beim Einstieg in den Job
Marcel stellt Luftkanäle her, im Hintergrund Mitarbeiter Martin Mittermair

Marcel stellt Luftkanäle her, im Hintergrund Mitarbeiter Martin Mittermair

Besser als in der Schule

Der 16-jährige Marcel ist froh, dass er die Schule hinter sich hat, bei Joker ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld vorfindet und sein handwerkliches Können verbessern kann. "Am besten gefallen hat es mir bisher in der Tischlerei und in der Industriewerkstatt", sagt er. Später würde Marcel gerne auf einem Bauernhof, auf dem es viele Tiere gibt, arbeiten.

Ivana (17) gefällt die Arbeit in der Küche. "Am liebsten mache ich Gerichte mit Fleisch und freue mich, wenn es den Leuten dann auch schmeckt", sagt die junge Frau. Ihre berufliche Zukunft sieht sie aber dennoch nicht in der Gastronomie, sondern in einem Metallberuf.

Ein Joker für Jugendliche beim Einstieg in den Job
Nicole (16) und Ivana (17) arbeiten derzeit in der Küche am Joker Hof Tollet mit, in der für die Jugendlichen und das Personal täglich Menüs gekocht werden.

Nicole (16) und Ivana (17) arbeiten derzeit in der Küche am Joker Hof Tollet mit, in der für die Jugendlichen und das Personal täglich Menüs gekocht werden.

In Kürze

Die Joker-Höfe Tollet und Taufkirchen/Pram sind eine Einrichtung des OÖ. Zivil-Invalidenverbandes. 83 Jugendliche aus ganz Oberösterreich mit erhöhtem Förderbedarf werden in verschiedenen Arbeitsbereichen auf die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes vorbereitet und in ihrer persönlichen Entwicklung und Selbstständigkeit gefördert. Aktuell sind 83 Mitarbeiter, vorwiegend Sozialpädagogen, beschäftigt.

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