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Welldorado-Prozess muss in die Verlängerung

WELS. Zeugenbefragungen dauerten länger als geplant. Kommende Woche wird es doch noch kein Urteil geben.

Tag vier im Welldorado-Prozess im Welser Landesgericht Bild:

Liveticker-Nachlese: Tag vier im Welldorado-Prozess

Es war wohl eine Mischung aus schwüler Hitze und unerwartet verworrenen Zeugenaussagen, die den Prozess rund um die Veruntreuungsaffäre im Welldorado ins Stocken brachte. Am 3. und 4. Verhandlungstag standen vor allem die Einvernahmen der Kassiererinnen des Bades im Mittelpunkt.

Viel zur Aufklärung konnten sie aber nicht beitragen. Im Gegenteil: Die Angaben einer Kollegin und Freundin der Hauptangeklagten Regina Sch. waren derart verworren, dass Richterin Birgit Dunzendorfer mehrere Stunden für die Befragung aufwenden musste. Mehrfach revidierte die Zeugin ihre früheren Aussagen aus den Einvernahmen der Polizei und Staatsanwaltschaft. Nur knapp entging sie einer Strafe wegen Falschaussagen, waren sich Prozessbeobachter einig. Brauchbare Hinweise gab es von der Zeugin, die im Welldorado 14 Jahre lang an der Kasse saß, jedoch zu den Kontrollen im Welldorado. Kein einziges Mal sei sie von ihrem Vorgesetzten, Alfred W., überprüft worden:. „Ich habe Herrn W. sogar gebeten, bei mir eine Kontrolle durchzuführen, um Gewissheit zu haben, dass alles stimmt. Er hat es aber nicht gemacht.“

Im Vergleich zu den anderen Zeugen umfassend informiert, zeigte sich der Leiter des Rechnungswesens des Welser Magistrats, Johann E. Die Fragen der Richterin beantwortete er schnell, über die Abläufe in seinem Verantwortungsbereich, wusste er – im Gegensatz zu anderen Beamten, die bisher im Prozess befragt wurden – bestens Bescheid. Fachexperte für Wirtschaftskriminalität, Matthias Kopetzky, erläuterte gestern am Nachmittag sein Gutachten. Viele Zuhörer im Saal hatten merkbare Schwierigkeiten, den komplexen Ausführungen des Experten zu folgen. Eine Schadenssumme von 335.596 Euro ordnete er in seinem Gutachten der Hauptangeklagten zu. Den Verbleib von etwas mehr als 50.000 Euro sieht Kopetzky als „unsicher“ an.

Während der Fachmann seine ausufernden Tabellen erklärte, zehrten die schwülen Temperaturen im Verhandlungssaal an der Kondition der Angeklagten. Abteilungsleiter Josef H., der an den bisherigen Verhandlungstagen besonders auf sein Erscheinungsbild Wert gelegt hatte, zog zum ersten Mal im Laufe des Prozess sein Sakko aus. Ein älterer Herr im Zuschauerraum wurde kurz vom Schlaf übermannt. Seine Gattin weckte ihn unsanft mit einem Ellenbogenstoß in die Rippen.

Wohl nicht zuletzt aufgrund der Witterung vertagte Dunzendorfer den Prozess gestern bereits um 15 Uhr. Am kommenden Dienstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Ein Urteil wird es dann – wie ursprünglich vorgesehen – aber wohl noch nicht geben.

Die Welldorado-Affäre wird in die Verlängerung müssen.

Der Fall Welldorado

Im August 2014 entdeckte ein junger Welldorado-Mitarbeiter, dass etwas mit der Abrechnung nicht stimmte. Umgehend informierte er seinen Vorgesetzten Alfred W. Dieser hielt Nachschau in den Unterlagen von Regina Sch. und kam zum Ergebnis, dass rund 48.000 Euro fehlten. Bei einer Prüfung der Bankbelege kam dann ein viel größeres Schadensausmaß zum Vorschein. 416.540,65 Euro sind laut Anklage aus den Kassen verschwunden.

 

 

 

 

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Artikel Philipp Hirsch 22. Juni 2016 - 18:33 Uhr
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