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Schlampiger Umgang mit NS-Vergangenheit

ASCHACH/WAIZENKIRCHEN. Der Hartkirchner Clemens Gruber zeigt zweifelhafte Erinnerungskultur in Aschach und Waizenkirchen auf.

Die Gedenkstätte in Stillfüssing für 13 SS-Angehörige, jahrelang gab es Gedenkfeiern der rechten „Kameradschaft Vier“. Bild: privat

„Vor allem im ländlichen Bereich ist von der NS-Zeit vieles noch nicht aufgearbeitet, viele Leute wollen auch gar nichts mehr davon hören“, sagt Clemens Gruber. Bei seinen Recherchen über zweifelhafte Erinnerungskultur in Waizenkirchen und Aschach im Rahmen seiner Diplomarbeit in Geschichte ist er auf wenig Verständnis gestoßen. Der Hartkirchner zeigt darin auf, dass das Kriegerdenkmal in Aschach wesentliche Gestaltungselemente des Nationalsozialismus aufweist. „Besonders ins Auge fällt das in Runenschrift gehaltene Zitat ,Ewig ist der Toten Tatenruhm´, ein Satz mit dem die Gefallenen zu Helden hochstilisiert wurden und die Vernichtungs- und Expansionskriege des NS-Regimes positiv besetzt und legitimiert werden sollten“, sagt Gruber. Das 1942 errichtete Denkmal wurde zwar 1951 umgestaltet, die Runenschrift der Nazis blieb jedoch erhalten, sinnbildich für die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Zeit.

In seiner einjährigen Forschungsarbeit hat sich Gruber auch mit der Gedenkstätte in der Ortschaft Stillfüssing (Gemeinde Waizenkirchen) auseinandergesetzt. Dort lieferte sich am 4. Mai 1945 eine Einheit der durch zahlreiche Kriegsverbrechen bekanntgewordenen 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ ein letztes Gefecht mit den US-Truppen. Dreizehn SS-Angehörige im Alter zwischen 17 und 42 Jahren fanden den Tod und wurden dort begraben. In der Nachkriegszeit wurde eine Gedenkstätte errichtet, die jahrelang (gesichert bis 2015) zu einer Pilgerstätte einer Abordnung des rechtsextremen SS-Kameradschaftsvereins „Kameradschaft Vier“ wurde.

Dem Hartkirchner geht es um eine sachliche Auseinandersetzung. „Die Zeitzeugen-Generation stirbt weg, umso wichtiger ist es sich damit zu befassen, wie man mit der Erinnerung umgeht.“

Netzwerk gegen Rechts

Für einen „gedenkpolitischen und demokratiepolitischen Skandal“ hält Robert Eiter, Sprecher des Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus, die beiden Denkmäler. „Sie sind typisch für den schlampigen Umgang mit der NS-Vergangenheit. Die beiden Bürgermeister und Gemeinderäte sind gefordert, endlich eine Veränderung herbeizuführen.“

Wolfgang Degeneve, Bürgermeister von Waizenkirchen (VP), sieht allerdings keinen Handlungsbedarf. „Ich bin kein Historiker, aber soviel ich weiß, sind dort auch junge Männer ums Leben gekommen, die vom NS-Regime verführt und geblendet worden sind. Auf die Schuldfrage will ich mich nicht einlassen“. Er habe sich mit diesem Thema auch bisher nicht auseinandergesetzt. Um die Gedenkstätte kümmere sich der örtliche Kameradschaftsbund.

 

 

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Artikel Michaela Krenn-Aichinger 22. Mai 2017 - 05:25 Uhr
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