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"Man sollte Leistungsträger ordentlich behandeln"

WELS. Horst Felbermayr zieht 70-jährig Bilanz: Er schuf ein Firmenimperium und überlebte einen schweren Rennunfall.

"Man sollte Leistungsträger ordentlich behandeln"

Vom kleinen Lkw-Mechaniker zum Global Player. "Ohne meine Frau Gisela hätte ich das nie geschafft", sagt Horst Felbermayr. Bild: Hartwig Zoegl

Mit 70 legt der Unternehmer und Hobby-Rennfahrer Horst Felbermayr den Retourgang ein. Sein Imperium will er nun schrittweise an die nächste Generation übergeben. Im Interview mit der Welser Zeitung zieht Felbermayr eine Lebensbilanz. Und rechnet ab.

Im aktuellen Trend-Ranking belegte Ihr Unternehmen Platz 183. In Oberösterreich sind nur 27 Firmen größer als Felbermayr.

Horst Felbermayr: Ich verfolge das nicht. Ich weiß natürlich, dass wir aktuell bei 550 Millionen Euro Umsatz liegen und europaweit 2800 Leute beschäftigen. Wir begleiten unseren Kunden auf ihren Wegen. Für Siemens sind wir bis nach Nigeria gegangen.

Wird Ihnen da nicht schummrig, bei dem Gedanken, für so viele Menschen Verantwortung zu tragen?

Schummrig wird mir aus anderen Gründen. Ich war immer ein positiv denkender Mensch. Jetzt habe ich Sorge, was rundherum passiert. Als wir zur EU kamen, wurde das bejubelt. Jetzt sind wir drauf und dran, eine Riesenchance zu vergeben. Europa hat den Faden verloren. Jeden Tag kommen neue Gesetze. Wir schleppen eine gewaltige Bürokratie mit uns. Und Politiker sagen, sie würden Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft entfesseln. Passieren tut aber etwas anderes.

Das ist auch eine Anspielung auf den Brachvogel, der Ihnen die Übersiedlung auf den Welser Flugplatz vermasselt hat.

Ich bin zutiefst enttäuscht. Wir haben schon Pläne entwickelt – mit Zentralgebäude und Werkstätten, mit einem Park, einem Kindergarten und vielem mehr. Der Brachvogel brütet überall. Die gibt es millionenfach. In Nord- und Südeuropa ist er Jagdwild, während wir hier für die Aufzucht verantwortlich sind. Die Stadtpolitik hat uns toll unterstützt. Aber wissen Sie, was mir Leute aus der Landesregierung gesagt haben? Herr Felbermayr, wir sind entsetzt, aber wir können Ihnen nicht helfen. Gegen den Umweltanwalt und seine Aktivisten können sie nichts ausrichten. Ist das nicht absurd?

Sie hatten 2011 einen schweren Rennunfall und wären beinahe ums Leben gekommen.

Rennfahren ist mein Hobby. Ich war schon in jungen Jahren begeisterter Motorsportler. Der Unfall in Le Mans war schlimm. Ich hatte 1000 Schutzengel. Mein Becken hat ausgesehen wie ein Glasscherbenhaufen. Ich hatte einen Genickbruch, kaum eine Rippe war noch ganz. Ich bin 18 Wochen gelegen, davon sechs Wochen auf der Intensivstation. Der menschliche Körper ist ein Wunder. Jetzt gehe ich und habe keine Schmerzen.

Wird es mit 70 nicht Zeit, leiser- zutreten?

Angesichts der Größe des Unternehmens ist ein schneller Rückzug nicht möglich. Meine Frau und ich werden die operative Führung deshalb schrittweise abgeben. Unsere Jugend ist ganz toll. Die Schwiegertochter macht in der Finanzverwaltung einen großartigen Job. Mein Sohn Horst ist schon seit 15 Jahren im Haus und setzte in dieser Zeit wichtige Akzente. Er ist mir sehr ähnlich, das erzeugt auch Reibung.

Wie definieren Sie das Wort Reichtum?

Schauen Sie, ich habe weder Konten in Vaduz noch in der Schweiz. Unser Kapital steckt in der Firma und in unseren Mitarbeitern. Das Wort Reichtum erzeugt nur Neid. Man sollte Leistungsträger ordentlich behandeln. Damit meine ich nicht nur Unternehmer, sondern alle, die hart arbeiten. Wenn ich für einen Mitarbeiter Abgaben von 4500 Euro leiste und er am Ende 1500 Euro netto herausbekommt, ist das beschämend. Um dieses Geld kann man keine Familie ernähren. Was passiert? Die Partnerin muss arbeiten, das Fehlen der Mutter wird durch Krippen, Kindergärten und Horte ersetzt. Als ich jung war, richtete sich der Steuersatz nach der Anzahl der Kinder. Heute werden Beihilfen gewährt. Schon das Wort ist diskriminierend, wenn jemand Vollzeit arbeitet.

Haben Sie im Leben etwas versäumt?

Ich hätte gerne noch erlebt, wie die Firma Felbermayr auf dem Welser Flugplatz ein neues Zuhause findet. Das empfinde ich als mein größtes Versäumnis.

Haben Sie jemals daran gedacht, Ihr Unternehmen zu verkaufen?

Wissen Sie, was ich dann wäre? Ein armes Schwein, weil ich es nicht geschafft hätte, das weiterzugeben, was wir uns mit den Mitarbeitern aufgebaut haben.

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Artikel Erik Famler 17. Juli 2015 - 00:04 Uhr
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