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Franz Prieler: „Früher hätte ich die Medaille abgelehnt“

NEUKIRCHEN/L. Franz Prieler, Urgestein der freien Kulturszene Oberösterreichs, spricht über die ihm nun verliehene Kulturmedaille, seine Erfolge und die Freude am Leben.

„Früher hätte ich die Medaille abgelehnt“

K.u.K – Kochshow und Kabarett: Franz Prieler und Erwin Steinhauer bei der Landesausstellung „Mahlzeit“ 2009 in Schlierbach. Bild: privat

OÖN: Welche Kulturmedaille haben Sie erhalten?

Prieler: Es gibt nur die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, Verdienstzeichen sind abgestuft in Gold, Silber und Bronze.

OÖN: Wo befindet sich die Medaille nun?

Prieler: Sie liegt bei mir zu Hause, weil sie meine Frau Renate aufhebt, damit ich sie einmal beim Opernball tragen kann.

OÖN: Ist diese Auszeichnung eine Ehre oder ein Zeichen des Alters?

Prieler: Es ehrt mein Alter: Ehrlich gesagt, es freut mich und ist natürlich eine Alterserscheinung. Früher, vor 30 Jahren, hätte ich sie noch abgelehnt. Damals war ich noch gegen das Establishment.

OÖN: Wofür erhielten Sie die Kulturmedaille?

Prieler: Das war mein Engagement als Hobbykoch bei der Landesausstellung „Mahlzeit“ 2009 in Schlierbach. Und weil ich im Energie-AG-Konzern Kunst- und Kulturbeauftragter bin.

OÖN: Wie ist Ihr Verhältnis zu Kulturreferent Josef Pühringer?

Prieler: Ein gutes, ein kritisches, aber ein absolut positives. Das war immer so. Ich war im „Beirat für regionale Kulturinitiativen“ des Bundeskanzleramtes sechs Jahre und habe erkannt, welche gute Förderung es in Oberösterreich für die alternative Kulturszene gab und gibt.

OÖN: Vom Kulturveranstalter zum Kabarettisten, Autor, Kunst- und Kulturvermittler bis zum Koch? Was ist/war Ihre liebste außerberufliche Profession?

Prieler: Eigentlich ist es das Kochen. Das ist für mich Alterssport, nachdem ich nicht Golf spiele.

OÖN: Wissen Sie, dass die Lambacher Kulturgruppe O2 heuer ihren 40. Geburtstag feiert?

Prieler: Das war mir nicht bewusst: Es gefällt mir aber, wie sich die Kulturinitiative entwickelt hat. In der Zwischenzeit sind es ja fast zwei Generationen nach mir. Ich bin fallweise noch Gast und schaue es mir aus der Loge an.

OÖN: Was war Ihr schönster Erfolg?

Prieler: Es gibt sicher Einzelerfolge: Das Schönste war aber, dass es mir gelungen ist, internationale Jazzgrößen wie Lester Bowie, Dave Brubeck, Archie Shepp oder Chet Baker zur Gruppe O2 zu holen. Ich habe auch die ganz Großen des Kabaretts, wie Josef Hader, Hanns-Dieter Hüsch, Dieter Hildebrandt, Helmut Qualtinger, Otto Grünmandl geholt, also absolute Weltklasse in die Provinz gebracht. Meilensteine setzte ich mit der Gründung der Kupf (Kulturplattform, Anm.) und dem „Festival der Regionen“. Gut ist, dass ich überall abbrechen kann und nicht hineingescheitln muss. Ich bin nicht wie der Kreisky auf Mallorca. Ich interessiere mich dafür, es freut mich, wenn sich was bewegt. Aber ich sehe alles aus der Distanz.

OÖN: Erlebten Sie auch künstlerischen Misserfolg?

Prieler: Aus der Verklärung der Vergangenheit fällt mir keiner ein. Natürlich gibt es immer wieder einzelne Rückschläge, die vergisst man und benützt sie, um wieder zu kämpfen.

OÖN: In Zeiten wie diesen werden auch Kulturbudgets gekürzt: Haben Sie Verständnis?

Prieler: Nein, noch immer nicht, weil ich glaube, dass für viel zu viel anderen Schwachsinn zu viel Geld ausgegeben wird.

OÖN: Befürchten Sie angesichts des TV-Angebotes und der Medienlandschaft, dass unsere Gesellschaft dümmer wird?

Prieler: Ich bin mir nicht sicher, ob es noch möglich ist, nachdem Thomas Bernhard schon schrieb, dass wir ziemlich verblödet sind.

OÖN: Wenn Sie in Ihrem Leben neu starten könnten: Was würden Sie anders machen?

Prieler: Es geht mir so wahnsinnig gut. Ich freue mich über jeden Tag, den ich da bin: Ich glaube also nicht, dass ich etwas verändern würde. Ich bin auch unheimlich gern alt.

 

Franz Prieler, der „Vater“ der freien Kulturszene

Prieler (62) ist verheiratet, hat zwei Söhne und zwei Enkel. Der Geschäftsführer des Kundenservices der Energie AG lebt in Neukirchen/L. und ist bei dem EVU auch Kurator für Kunst und Kultur. 1971 zählte Prieler zu den Gründern der Kulturinitiative O2 in Lambach, war deren Obmann und stand selbst auf der Kabarettbühne. Nun ist er leidenschaftlicher Hobbykoch, schreibt aber immer noch satirische Texte. Prieler war Mitinitiator der Kulturplattform Oberösterreich (Kupf), eines Zusammenschlusses freier Kulturinitiativen und Geburtshelfer des „Festivals der Regionen“.

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Artikel Friedrich M. Müller 18. März 2011 - 00:04 Uhr
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