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"Eine Verwechslung der Urne ist ausgeschlossen"

SANKT MARIENKIRCHEN. Peter Schauer, Betriebsleiter des ersten privaten Krematoriums, über Ängste von Angehörigen und den letzten Weg.

"Eine Verwechslung der Urne ist ausgeschlossen"

Peter Schauer hat an der Wirtschaftsuniversität studiert, das Thema Tod hat ihn als Sohn eines Friedhofsverwalters schon von Kindheit an begleitet. Bild: krai

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung. Der Friedhof als letzte Ruhestätte ist zwar noch immer die Regel, zunehmend wünschen sich Menschen aber alternative Bestattungsorte, etwa im eigenen Garten oder an einem Ort, wo sie sich zu Lebzeiten am wohlsten gefühlt haben. Möglich ist das nur nach einer Einäscherung. Die Oberösterreichischen Nachrichten sprachen mit Peter Schauer, Betriebsleiter der am Dienstag eröffneten ersten privaten Feuerbestattung Oberösterreichs.

 

Am Nationalfeiertag haben Sie zum Tag der offenen Tür geladen. Die meisten Menschen schieben den Tod ja weit von sich, wie groß war das Interesse?

Peter Schauer: Wir hatten selbst nicht mit dem großen Andrang gerechnet. Wir hatten an die 1500 Besucher. Uns ist wichtig, zu zeigen und zu erklären, wie die Einäscherung abläuft. Viele sind gekommen, weil sich einfach wissen wollten, wie der Ofen aussieht, wie der Sarg in den Ofen transportiert wird und wer hier arbeitet. Die am häufigsten gestellte Frage war, ob immer nur ein Verstorbener eingeäschert wird und wie gewährleistet wird, dass die sterblichen Überreste in die richtige Urne kommen.

Und wie wird das 100-prozentig sicher gestellt?

Auf einem feuerfesten Schamottstein steht die Einäscherungsnummer des Verstorbenen. Der Stein kommt auf den Sarg und dann mit der Asche in die Urne. Auch die Anlagensteuerung läuft mit dieser Nummer, auch rein technisch ist eine Verwechslung nicht möglich.

Wie lange dauert eine Kremation?

Durchschnittlich zweieinhalb Stunden bei einer Temperatur von 800 bis 1000 Grad. Die Dauer hängt vom Gewicht einer Person ab und es stimmt tatsächlich, dass der Prozess bei Verstorbenen, die eine Chemotherapie bekommen haben, aufgrund der Säuren und des Gifts im Körper länger dauert. Wenn die Asche abgekühlt ist, werden auf einem Sortiertisch Sargnägel oder beispielsweise künstliche Hüften aussortiert. Das geht dann an eine Metallabscheideanstalt, den Erlös spenden wir an das mobile Hospiz in Eferding.

Viele geben ihren Verstorbenen auf ihrem letzten Weg geliebte Dinge mit. Ist alles erlaubt?

Mitnehmen können wir alle organischen Materialien, aber nichts aus Glas, weil das den Ofen beschädigen könnte und Steine, die im Ofen zerspringen.

Sie haben Sozioökonomie studiert. Wie sind die Reaktionen, wenn Sie erzählen, was Sie nun beruflich machen?

Meistens dreht sich dann die ersten 15 Minuten alles um das Thema Tod. Das ist auch in meiner Familie präsent. Ich bin neben einem Friedhof aufgewachsen, mein Onkel war Totengräber, mein Vater Friedhofsverwalter. Zuletzt habe ich an der Uni gearbeitet. Als Peter Tappler, der Geschäftsführer der Feuerbestattung, gefragt hat, ob ich den Job machen will, habe ich mich dafür entschieden. Ich habe zuvor bereits in seinem Büro für Umweltanlytik in Wien gearbeitet.

Sie sind täglich mit dem Tod konfrontiert, belastet Sie das?

Ich habe Praktika bei Bestattern gemacht, ich habe schon viel gesehen, aber nichts, was mich im Schlaf verfolgen würde. Verstorbene sehen oft sehr friedlich aus. Ich habe auch in einem Pflegeheim gearbeitet, die Menschen leiden zu sehen, war emotional belastender. Auch das Unverständnis und die Sinnsuche bei den Angehörigen ist emotional fordernder.

Lebt man bewusster, wenn man den Tod immer vor Augen hat?

Das ist ein fundamentales Thema, man hat nur ein Leben, und sicher fragt man sich noch häufiger, was man aus seinem Leben machen und hinterlassen will.

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Artikel Michaela Krenn-Aichinger 30. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
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