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Ein Urgestein des Welser Sportjournalismus tritt nun leiser

Willi Reizelsdorfers Büro für „Jugend, Sport und Zukunft“ beim Magistrat wirkt öd. Keine Bilder an der Wand, keine Bücher im Regal, nur noch Telefon, Bildschirm und übliche Büroausstattung stehen auf dem Schreibtisch.

Willi Reizelsdorfer (müf) Bild: (müf)

Ein prächtig blühender Flamingo-Blumenstock ist Lichtblick: „Er hat, seit ich vor sechs Jahren hier eingezogen bin, ununterbrochen geblüht“, erinnerte sich Reizelsdorfer am Freitag.

Der 62-jährige räumte schon Tage zuvor sein Büro, Freitag war letzter Arbeitstag, mit Monatsende tritt der Sportjournalist und spätere Referent für Sport-Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Wels in den wohlverdienten Ruhestand.

In seiner Heimat hat sich Reizelsdorfer über Jahrzehnte als Sportredakteur der Welser Zeitung einen Namen gemacht. Ohne ihn hätte Judo in Wels nur eine untergeordnete Bedeutung. Der dreifache Vater – Mark ist 23, Tom 21 und Nesthäkchen Lilli vier Jahre alt – hat die Gabe, auch im reiferen Alter einen ausgezeichneten Draht zu Kindern zu haben. „Etwa 4000 Buben und Mädchen habe ich über die Jahre beim Judo-Training in Wels betreut“, sagt Reizelsdorfer.

Unter seinen Fittichen standen Colop-Chef Ernst Faber, Peter Fronius, Franz Joseph Doppler (Turm-öl) oder Grün-Gemeinderat Walter Teubl auf der Matte. Als er ein Mädchen namens Sabrina Filzmoser trainierte, entdeckte er sofort das Talent und förderte es gezielt – was daraus wurde, ist bekannt.

1974 eroberte Reizelsdorfer in Tel Aviv den Vizeeuropameistertitel bei den Junioren, wurde drei Jahre später Staatsmeister mit ATSV Eudora Wels und erkämpfte in den verschiedenen Wertungsklassen sechs österreichische Meistertitel. Sein Leitspruch: „Mit Bescheidenheit siegen, mit Anstand verlieren.“

Der Facebook-Verweigerer wird nun in Conrad Trdys „Welser Legendenstammtisch“ aufgenommen, will künftig mit Ehefrau Karin viel in der Natur sein und in Einfachheit und Bescheidenheit das Leben genießen: „Wer viel Reichtum anhäuft, wird zum Sklaven seines Besitzes.“

Der Hobby-Fotograf und Mineralien-Sammler will der Nachwelt etwas hinterlassen. Als begeisterter Bewohner des Ortsteils Roithen in Puchberg schreibt er nun eine Ortschronik. Um Kinder und Jugendliche wird er sich weiterhin im Judoverein und bei der schulischen Nachmittagsbetreuung kümmern: „Ich möchte ihnen Judo und vor allem Werte vermitteln.“ (müf))

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Artikel 11. August 2017 - 22:04 Uhr
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