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Es wird heller um das Werk Reidingers

Pfarrer Anton Reidinger, geboren in Krenglbach, starb am 25. Dezember vor 100 Jahren in Obernberg am Inn. Ihm verdankt Oberösterreich das schönste Mundart-Weihnachtslied "Es wird scho glei dumpa".

Es wird heller um das Werk Reidingers

Anton Reidinger: »Lustigö Gsangln, dö san hold mei Freid, dö dicht i zan liaban, daß lachn mögn d' Leut.« Bild: Archiv

Die Todesnachricht in der Zeitung löste in weiten Teilen des Innviertels tiefes Bedauern aus: „In der heiligen Weihnacht ist der hochwürdige Herr Anton Reidinger, Ehrendomherr, emeritierter Dechant und Pfarrer in Obernberg, nach langer Krankheit, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, und wiederholt gestärkt durch die hl. Krankenkommunion, aus dem Leben geschieden. Zwei Minuten nach 12 Uhr nachts vom 24. auf den 25. Dezember, also gerade zu Beginn des hl. Christnachtsamtes.“

Geboren als Sohn eines Lehrerehepaars in Krenglbach starb hier 1912 einer, der sein Leben Gott – und den Menschen – geweiht hatte. Der hochangesehene wie beliebte Hochwürden war sein Lebtag, wie man heute sagen würde, „bei de Leit“. Von ihm, dem Dichters des „Krippllieds“, bekannt als „Es wird scho glei dumpa“ (siehe Seite 1), sind zahlreiche Gedichte mit kirchlichem Inhalt, aber auch etliche profane „Gsangln“ überliefert.

Sein wohl erstaunlichstes Gedicht trägt den Titel „Da glücklö Möttengang“, also „Der glückliche Mettengang“, und schildert den Tod einer alten Frau in der Kirche just während der Christmette. Fast so als würde er, der Herzkranke, den Zeitpunkt seines eigenen Ablebens voraussehen, dichtete Reidinger:

 

Und d’Ahnl dö kniat nu ban Kripperl alloan,

Sie bet um a bsundanö Gnad, wia i moan. –

Af oamal wird ‘s dunkat und sinkat af d’ Erd,

Mi ziemt, ös hat ‘s Christkind sein Bittn dahert.

Ja d’Ahnl is gstorbn ban Christkindl da,

Oes kemant schon d’Engerln vom Himmel danah.

 

Es war kein Wunder, dass Reidinger beliebt war. Seine leutselige Art und sein Einsatz für die jeweilige Kirchengemeinde scharte viele Freunde um ihn. „Eine so großartige Leichenfeier, wie sie Sonntag den 28. Dezember in Obernberg anlässlich der Beerdigung des Pfarrers Anton Reidinger stattgefunden, hat Obernberg seit langem nicht gesehen“, stand in der Zeitung zu lesen, und: „Es war eine großartige Kundgebung der Anhänglichkeit der Bevölkerung an den verstorbenen Ehrenkanonikus ...“

Der junge Anton sollte die juristische Laufbahn einschlagen. Doch nach drei Semestern an der Universität Wien schrieb er seinen Eltern im November 1860 aus Linz: „O schwerer Schritt!“ Indeß habe ich denselben reiflich überlegt, und nach allen Seiten hin geprüft. ... In mir erwachte der mächtige Gedanke, die Welt zu verlassen. ... Ich bin im bischöflichen Priesterseminar in Linz. Am 1. November vertauschte ich mein Layengewand mit dem Talar. Die Herrn haben ein grosse Freude mit mir.“ Und im Postskriptum bat er praxisorientiert: „Herr Vater, Sie haben gewiss ein überflüssiges Rasiermesser für mich; schicken Sie es mir.“

Das kreative Potenzial des geigenkundigen ehemaligen Sängerknaben Reidinger erkannte der Ischler Pfarrer Ferdinand Auböck sofort. Er beauftragte seinen jungen Kooperator mit der Organisation des seit 1654 bekannten Ischler Weihnachtsspiels. Die Aufführungen 1864 gelangen gleich bravourös. Der Krenglbacher Heimatforscher Alfred Herrmüller (s. u.) verweist auf den Beginn einer Hirtenszene im Gedicht „S’ Weihnachtsspiel z’ Ischl“, in dem Reidinger seine Erinnerungen an die Aufführungen schildert. Darin heißt es: „S’ wird dumpa, ‘s wird finsta; da hör i wen schrein.“ Herrmüller vermutet, Reidinger habe das „Krippllied“ schon zu seiner Ischler Zeit verfasst, „da er sich an keinem anderen Ort seines späteren Wirkens dem Thema Weihnachten so eingehend widmen konnte“.

Erstmals veröffentlicht wurde das Lied 1884 von Siegmund Fellöcker in Linz. So viel ist sicher; und dass die Oberösterreicher ihr Weihnachtslied nicht mehr hergeben werden.

 

Unser oberösterreichisches Weihnachtslied

Nicht allein der Text, auch die Melodie stammt von Anton Reidinger, weist Krenglbacher Heimatforscher Herrmüller nach.
Heimatforscher brauchen einen langen Atem und dürfen sich vor Archivstaub nicht fürchten. In Sachen des Weihnachtsliedes „Es wird scho glei dumpa“ gebührt dem Krenglbacher Lehrer und Heimatforscher Rudolf Schrempf der Verdienst, es nach Oberösterreich zurückgeholt zu haben. Zuvor war von einem Südtiroler Volksliedforscher behauptet worden, es handle sich um ein altes Tiroler Volkslied, aus dem Brixental gar. Schrempf grub das Original aus, betitelt mit „Krippllied“, getextet von „Anton Reidinger, Pfarrer zu Riedau im Hauruckkreise, geb. zu Krenglbach 28. April 1839“ (siehe Seite 1).
Bei der Musik handle es sich um eine alte Volksweise, hieß es lange. Der Krenglbacher Heimatforscher Alfred Hermüller wies nun nach, dass auch die Melodie von Anton Reidinger stammt. Er hielt sich in der Komposition eng an ein altes Kirchenlied zu Ehren Marias. „Reidinger hat es leicht abgeändert und eine neue zweite Stimme hinzugefügt“, sagt Herrmüller, der mit der „Initiative für Krenglbach“ dem „Sänger der Weihnacht“ ein würdiges Gedenken setzt.

„Es wird scho glei dumpa“, Alfred Herrmüller, Eigenverlag, erhältlich u. a. bei Friedhuber in Wels. Nähere Infos: alfred.herrmüller@aon.at


 

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Artikel Klaus Buttinger 22. Dezember 2012 - 03:24 Uhr
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