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Was tun gegen die Lockdown-Lethargie?

Von Barbara Rohrhofer, Valerie Hader   27.Januar 2021

Raus aus der Lethargie!

Die Corona-Krise ist zu einem Dauerzustand geworden, Lockdown-Lethargie macht sich breit. Die Tatsache, dass man nicht genau weiß, wann wir unser altes Leben zurückbekommen, zehrt an Nerven und Geduld. Es ist fast, als würde man in einem Wartezimmer sitzen und wochenlang nicht aufgerufen werden. Das, was uns ablenken würde, ist gesperrt, soziale Kontakte sind kaum möglich. Dazu kommen Angst vor einer eventuellen Ansteckung und die wirtschaftliche Ungewissheit, wie es denn weitergehen wird. "Mut macht mir, wenn ich an den Frühling denke. Und den hol ich mir jetzt schon ins Haus, wenn ich auf der Fensterbank in Saatschalen Chilisamen aussäe", sagt Biogärtner Karl Ploberger. OÖN-Doktor Johannes Neuhofer hat sich bei einem Online-Sprachkurs angemeldet und tut alles, "um nur nicht zu versumpern". Wirtin und Lehrerin Sabine Gründling macht ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Hund und bekocht ihre Kinder. Und Kabarettist Günther Lainer meint, dass man wirklich daran arbeiten muss, um sich die Lebensfreude zu erhalten.

Chili aussäen und Reisen planen...

Karl Ploberger, OÖNachrichten-Biogärtner

"Für Gartenfreunde heißt es noch ein bisschen warten. Aber es gibt natürlich Dinge, die man im Winter machen kann: Die ersten Pflanzen, die nun auf der Fensterbank vorgezogen werden, sind die Chilis. In Saatschalen mit Bodenwärme aussäen und gleichmäßig feucht halten. Sind die Samen gekeimt, kühler stellen und mit viel Licht versorgen, damit die Sämlinge kompakt bleiben! Was mir auch abgeht, sind meine Gartenreisen nach England, Deutschland und in den Rest der Welt. Weil das jetzt noch nicht geht, schmökere ich in Reisekatalogen und hab unzählige Reisepläne für die Zeit nach Corona."

plobergers gartengeschichten
Karl Ploberger

Singen und ein Stückchen Schokolade

Barbara Lanzerstorfer- Holzner, Telefonseelsorge OÖ

"Meine Kinder sind fünf und zwei, und mit denen muss ich täglich raus in die frische Luft. Das tut auch mir unglaublich gut. Ansonsten gönne ich mir jeden Nachmittag eine gute Tasse Kaffee und ein Stückerl Schokolade dazu. Noch etwas hilft mir in Zeiten wie diesen: Ich singe wahnsinnig gern mit den Kindern – aber auch allein. Und dann am liebsten zu südamerikanischen Rhythmen wie Salsa oder Samba, das weckt die Lebensfreude."

Singen und ein Stückchen Schokolade
Barbara Lanzerstorfer-Holzner

Frisch Luft und gutes Essen kochen

Sabine Gründling, Pädagogin, 4-fache Mutter und Wirtin Keller.Kulinarik in Katsdorf

"Was mir hilft, wenn ich nicht gut drauf bin, ist ganz viel frische Luft. Die genieße ich bei langen Spaziergängen allein mit meinem Hund – und das ist dann gleich auch meine kinderfreie Zeit am Tag. Neben meiner Arbeit für die Schule bin ich natürlich viel für meine Kinder da und koche. Zufriedene Gesichter nach einem guten Essen ( zum Beispiel die Mohntorte, Rezept siehe unten) machen mich glücklich. Ein Lächeln ins Gesicht zaubern mir alte Fotos und Kinderfilme, die ich gemeinsam mit dem Nachwuchs anschaue. Befreiend wirkt, wenn man Dinge ausmustert, die man nicht mehr braucht."

Frisch Luft und gutes Essen kochen
Sabine Gründling

Bewusst positiv bleiben

Günther Lainer, Kabarettist aus Linz

"Momentan gibt es nur eines: positiv bleiben bei der Einstellung, negativ bei Corona. Das ist mein Motto. Aber das passiert nicht automatisch, die Lebensfreude muss man sich schon bewusst erhalten. Ich plane mir jeden Tag schöne Dinge ein, auf die ich mich freuen kann – was Gutes kochen, zum Beispiel. Außerdem hab ich das Schreiben entdeckt, arbeite an einem Soloprogramm und plane ein Buch. Schreiben hilft mir extrem, weil ich mich in eine andere Welt hineinversetzen kann. Und ich stecke meine Energie dabei in etwas Kreatives, statt sie damit zu verschwenden, mich aufzuregen."

Bewusst positiv bleiben
Günther Lainer

Farbe bringt Abwechslung ins Leben

Astrid Jorda, Psychologin

"Ein geregelter Tagesablauf, das ist meiner Erfahrung nach das Wichtigste in Zeiten wie diesen. Und: es sich selbst schön zu machen, denn es ist nicht egal, wenn wir den ganzen Tag im Pyjama herumlaufen, weil eh keiner auf Besuch kommt. Im Gegenteil: Es ist Teil der Wertschätzung uns selbst gegenüber, dass wir uns anziehen und eine gesunde Tagesroutine schaffen. Da fühlen wir uns gleich viel besser. Das gilt auch für die Gestaltung der Wohnung. Farben können viel dazu beitragen, denn sie wirken stimmungsaufhellend und bringen Abwechslung in unsere vier Wände. Das gelingt schon mit wenig Aufwand – etwa indem man ein buntes Tischtuch auflegt oder sich einen Strauß Frühlingsblumen gönnt."

Farbe bringt Abwechslung ins Leben
Astrid Jorda

"Nur nicht versumpern!"

Johannes Neuhofer, Dermatologe und OÖN-Doktor

"Meine Strategie gegen den Corona-Blues? Ich lerne eine neue Sprache und zwar Französisch. Das ist ein Onlinekurs und funktioniert perfekt. Ich muss zugeben: Es ist eine Herausforderung – aber es hält mich geistig fit. Das Schlimmste wäre, jetzt nur auf der Couch zu sitzen und zu sinnieren. Darum schaue ich auch, dass ich Bewegung bekomme – beim Wandern oder Spazierengehen. Oder ich mache einfach ein paar Übungen zu Hause, damit ich nicht versumpere, wie wir auf gut Mühlviertlerisch sagen."

"Nur nicht versumpern!"
Johannes Neuhofer

 

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15. April 2021