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Oberösterreich

Warum die wilden Bienen unsere Hilfe brauchen

Von Alfons Krieglsteiner  01. März 2021 00:04 Uhr

Warum die wilden Bienen unsere Hilfe brauchen
Kleine Harzbiene saugt Nektar aus Hornkleeblüte. Harzbienen bauen ihre Brutzellen aus Harz, daher der Name.

LINZ. 2021 ist das "Jahr der Wildbienen" – Verlust von Lebensraum macht ihnen zu schaffen.

"Unwahrscheinlich, wie stark sie zurückgegangen sind." Seit 40 Jahren befasst sich Heinrich Metz, Bienenbeauftragter der Stadt Gmunden, mit den Wildbienen. 450 Arten gibt es in Oberösterreich, darunter Sandbienen, Furchen- und Schmalbienen, Mauer- und Blattschneiderbienen, Seidenbienen und 35 Hummelarten. Nicht zu vergessen: die "Kuckucksbienen", die keine eigenen Nestgänge bauen, sondern ihre Eier anderen Arten unterschieben.

"Mindestens 30 Prozent der Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht", sagt Fritz Gusenleitner, der frühere Leiter des Linzer Biologiezentrums. Grund genug, dass die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen heuer das "Jahr der Wildbienen" ausgerufen hat.

Hauptziel ist die Erfassung der Bestände und die Erstellung einer "Roten Liste". Aufgaben, die die Experten des Österreichischen Wildbienenrates mit dem Naturschutzbund übernommen haben. Gusenleitner ist eines von fünf oberösterreichischen Mitgliedern des 36-köpfigen Wildbienenrates, der vor einem Jahr gegründet wurde. Derzeit trifft man sich unter dem Vorsitz von "Hummelpapst" Hans Neumayer einmal im Monat zur Videokonferenz.

Warum die wilden Bienen unsere Hilfe brauchen
Weiden-Sandbiene

Sie fliegen auf Weide und Krokus

Schon 2012 hat Gusenleitner eine Checkliste der Wildbienen Österreichs publiziert. Aktuell "bearbeitet" er die zu den Sandbienen zählende Art "Andrena transitoria".

Erstmals 1942 im östlichen Niederösterreich nachgewiesen, ist sie seit 50 Jahren verschollen. Jetzt macht er sich auf die Suche. Dabei hilft die Kenntnis der Futterpflanzen. Denn jede dritte Art ist auf Blüten und Pollen bestimmter Gewächse spezialisiert, ohne die sie nicht überleben kann.

Zur Identifizierung eines gefundenen Exemplars verwendet man im Biologiezentrum die Stacking-Fotografie, eine Kombination aus fotografischen Aufnahmen und digitaler Bildbearbeitung. Die gewonnenen Schichtaufnahmen vermitteln eine dreidimensionale Vorstellung. "So erhält man ein minutiöses Bild des Insekts und kann es anhand vorliegender Beschreibungstabellen und Typenkataloge identifizieren", sagt Gusenleitner.

Wildbienen führen ein Single-Dasein oder leben, wie im Fall der Hummeln, in kleinen Familienverbänden. Das ist der Hauptunterschied zu den hoch sozialen Honigbienen, bei denen bis zu 70.000 Exemplare ein Volk bilden. Während Honigbienen von Natur aus in hohlen Bäumen nisten, verrichten die meisten Wildbienen ihr Brutgeschäft im Boden. "Bis zu einem Meter tief graben die Weibchen im Frühling ihre Gänge, in denen sie hintereinander in abgeschlossenen Zellen jeweils ein Ei legen, dem sie als Proviant ein dickes Polster aus Nektar und Pollen mitgeben", sagt Metz, der beim Kraftwerk Lambach einen Wildbienenlehrpfad angelegt hat.

Warum die wilden Bienen unsere Hilfe brauchen
Glockenblumen-Scherenbiene

In diesen Zellen vollzieht sich die Umwandlung zur Raupe und zum fertigen Insekt. Dieses überwintert im Boden, und im Frühjahr kommt die neue Generation zum Vorschein. Bald findet man sie an Salweide, Huflattich, Frühlingskrokus. Auch "wilde" Gärten bieten ihnen Lebensraum – mit Glockenblumen, Bocksbart, Margeriten. Ein kleines Wasserbiotop gehört auch dazu.

Der Stich einer Wildbiene ist harmlos. Im Unterschied zur Honigbiene hat ihr Stachel keinen Widerhaken, deshalb kann sie ihn unbeschadet herausziehen, Auch Wildbienen erzeugen Honig, aber nur in ganz geringen Mengen. Für den Menschen ist er ungenießbar.

Insektenhotels werden nur von ein paar Wildbienenarten angenommen. Man kann sie selbst machen: Man schneide Moderholz (am besten von Obstbäumen) in Scheiben, in die man fünf bis zehn Zentimeter tiefe Löcher bohrt. Auch Stroh, Schilf- und Hollerstängel mit Knoten eignen sich. Westseitig platzieren, überdachen, fertig.

Warum die wilden Bienen unsere Hilfe brauchen
Blutbiene, eine „Kuckucksbiene“

Schuld am drastischen Rückgang ist der Lebensraumverlust. Es gibt kaum noch unbefestigte Böden, alles wird asphaltiert oder gedüngt. Hinzu kommt die häufige Wiesenmahd: "Schon am 5. Mai ist alles im Silo, die Pflanzen können nicht mehr blühen", sagt Metz.

Während Honigbienen bis zu sieben Kilometer weit fliegen, "schaffen" Wildbienen höchstens einen Kilometer. Dort müssen sie das passende Futter finden. Ein weiteres Problem: die zunehmende Isolierung der Bestände. Die Habitate können sich nicht vernetzen, der Gen-Austausch bleibt aus. Umso wichtiger wäre die Vernetzung bienenfreundlicher Gärten. Sie bringt auch den Gärtnern was, denn "die Bestäubungsleistung der Wildbienen ist noch effektiver als die der Honigbienen", sagt Gusenleitner.

Honig- oder Wildbienen: Neun Honigbienenarten gibt es weltweit, acht davon leben in Asien. Wildbienenarten gibt es um ein Vielfaches mehr. Alleine in Europa sind mehr als 2500 Arten heimisch. Während Honigbienen zu Zehntausenden in ihren Stöcken leben, bevorzugen Wildbienen das Einsiedlerleben. Ihre Nistplätze liegen meist unter der Erde, wobei sie auch Gänge anderer Insekten nutzen. Wildbienen beginnen außerdem viel früher mit ihren Flügen. Wenn es Honigbienen noch zu kalt ist, sind ihre „wilden Verwandten“ schon von Blüte zu Blüte unterwegs.

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Alfons Krieglsteiner

Redakteur Land und Leute

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