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Von „machbar“ bis „schwer“: Gemischte Matura-Bilanz

Von Herbert Schorn   09.Mai 2019

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Vorbei! Leonhard Flick (l.) und Paul Langer vom Linzer Akademischen Gymnasium nach getaner Arbeit

Kontrovers fielen gestern die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler nach der Zentralmatura in Mathematik aus. „Die Matura war nicht besonders schwierig“, sagte etwa Tobias Pausch aus Puchenau, nachdem er die viereinhalbstündige Prüfung im Festsaal des Akademischen Gymnasiums in Linz hinter sich gebracht hatte. „Die Prüfung war auf keinen Fall leichter als in den vergangenen Jahren“, zog dagegen Michael Gillesberger, Landesschulsprecher für die Gymnasien, eine erste Bilanz.

Heuer neue Regeln

Die Matura wurde heuer mit besonders großer Spannung erwartet. Nachdem im Vorjahr mehr als ein Fünftel der Kandidaten im ersten Durchgang durchgefallen war, hatte Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) Änderungen angekündigt: Die Angaben sollten leichter verständlich sein. Beide Maturateile wurden gleichzeitig ausgegeben, die Benotung geändert. Seither müssen für ein Genügend aus beiden Teilen 24 von 48 Punkten erreicht werden. Bisher galt die Regelung, dass im ersten Teil mindestens 16 von 24 Punkten geschafft werden mussten. „Bei der Verständlichkeit der Angaben ist sicher noch Luft nach oben“, sagte der Landesschulsprecher gestern. „Aber wegen der neuen Benotungsregeln wird es wohl mehr Vierer geben.“

Die OÖNachrichten fragten Maturanten im ganzen Land nach ihrer Einschätzung der Mathe-Matura. Der Tenor: Der erste Teil sei gut zu bewältigen gewesen, aber Block zwei hatte es in sich. Einige Beispiele seien derart schwierig gewesen, dass sie selbst gute Schüler nicht lösen konnten. Zu hören war auch, dass an manchen Schulen selbst Lehrer einige Beispiele nicht auf Anhieb zustande brachten.

„Unaufgeregt abgelaufen“

Das ist für Gottfried Gurtner nicht nachvollziehbar. Er ist Chef der Arbeitsgemeinschaft für AHS-Mathematiklehrer in Oberösterreich. „Der Schwierigkeitsgrad war ähnlich wie im Vorjahr. Es gab heuer mehr sehr leichte Aufgaben“, sagt er. Sprachliche Hürden habe er bei dieser Matura nicht gefunden. Nachsatz: „Das war aber meiner Einschätzung nach auch im Vorjahr so.“

In der Bildungsdirektion meldeten die Schulen keine Probleme, sagt Herwig Kerschbaumer, Büroleiter des Bildungsdirektors: „Alles dürfte unaufgeregt abgelaufen sein.“

 

 

Matura mit 14: "Es hat mir großen Spaß gemacht"

Was für viele die größte Strafe wäre, tut sich Paul freiwillig an: Der 14-jährige Viertklassler schrieb gestern im Linzer Europa-Gymnasium Auhof die Mathe-Matura mit. Die OÖN berichteten.

„Der erste Teil war ziemlich einfach. Den hatte ich in einer dreiviertel Stunde fertig“, erzählt er. Teil zwei fiel dem Mathematik-Genie, das bereits Vorlesungen an der Kepler-Uni besucht, dagegen nicht so leicht: „Da bekam ich kurzfristig Stress.“ Er fürchtete, nicht rechtzeitig fertig zu werden. „Ich hatte dann aber genügend Zeit, um mir alles durchzulesen.“ Die Beispiele selbst seien nicht so schwierig gewesen: „Aber es wurden viele Themen abgefragt, da muss man sich überall auskennen.“ Dennoch will er seine Matura-Erfahrung nicht missen: „Es hat Spaß gemacht.“

Seit der dritten Klasse verschlingt Paul alles, was mit Mathematik zu tun hat. Er erhält Förderunterricht und arbeitete bereits die Mathematikbücher bis zur achten Klasse durch. Daneben spielt er Klavier, Horn und Trompete.

Stress kennt Paul nicht. Gestern trat er nicht nur bei der Matura an – zuvor schrieb er eine Schularbeit, dann standen ein Zahnarzttermin und eine Konzertprobe an. Dazwischen kam er zum OÖN-Interview. Auch das ist mittlerweile Routine. Seit dem OÖN-Bericht gab es Medienanfragen aus ganz Österreich: „Das alles hätte ich mir vor einem Jahr nie träumen lassen.“ 

 

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