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Oberösterreich

Von Elefant getötet: Innviertler starb in namibischer Wüste

Von Thomas Streif  und  Egger Gabriel 09. November 2019 00:04 Uhr

Symbolbild

EBERSCHWANG. Das Tier attackierte den Eberschwanger beim Campen in Afrika – die Ehefrau und vier Begleiter des 59-Jährigen blieben unverletzt.

Die Vorfreude war groß. Seit Wochen hatten Günter Z. und seine Freunde vom "Allrad Motorsport Club Ried" über nichts anderes mehr gesprochen: eine Reise nach Namibia, mit dem Camper über die Straßen Südwestafrikas steuern, vier Wochen lang Entspannung zwischen wilder Tierwelt und trockener Wüste. Doch aus dem Traumurlaub sollte ein Albtraum werden.

Zunächst verlief alles nach Wunsch: Mitte Oktober brachen die sechs Freunde auf, stiegen in Namibia vom Flugzeug auf die reservierten Campingwagen um. Erst am 15. November wollten sie wieder nach Österreich zurückkehren. In der Nähe von Okahandja, 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhuk, bezogen die Innviertler ihr erstes Nachtlager.

> Video: Oberösterreicher von Elefanten getötet

Auf den Zelten, in denen sie am Dach des Campingwagens schliefen, hingen die österreichische und die namibische Fahne dicht nebeneinander. Es war ein Ausdruck der Liebe zu Afrika. Besonders Günter Z. fühlte sich Landschaft und Menschen verbunden, sagt Eberschwangs Bürgermeister Josef Bleckenwegner (SP).

Beim Campen attackiert

Die Reise war aufregend, machte den Freunden großen Spaß und verlief ohne Komplikationen – bis die Gruppe diese Woche die Region Kunene ansteuerte.

In der Nähe des Flusses "Huab" stellten sie ihre Camper ab und bezogen ihr Lager. Das Gebiet ist bekannt für Wüstenelefanten, akut bedrohte Tiere, von denen es weltweit nur noch zwei Populationen geben soll. Eine Begegnung mit einem dieser Wüstenelefanten endete für den Eberschwanger Günter Z. tödlich. Offenbar beim Verrichten der Notdurft wurde der 59-Jährige von einem Elefanten überrascht, attackiert und zu Tode getrampelt. Seine Ehefrau Silke und die vier Begleiter des Eberschwangers blieben unverletzt.

Laut Außenministerium ereignete sich der tragische Unfall am vergangenen Mittwoch, 6. November. Auch das namibische Tourismusministerium bestätigte in einer Aussendung den Tod des 59-Jährigen. "Wir bedauern den Unfall sehr und möchten den Angehörigen unser Mitgefühl aussprechen. Der Bereich, in dem die Gruppe ihr Lager aufgeschlagen hat, ist keine ausgewiesene Campingzone und auch nicht dafür geeignet", hieß es in der Stellungnahme. Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen.

Es soll auch geklärt werden, ob die Innviertler mit einem Touristenführer unterwegs waren. Das Ministerium warnte "die jederzeit willkommenen Touristen", vorsichtig zu sein und sich an die Regeln, die zu ihrer Sicherheit beitragen, zu halten.

"Sie waren so begeistert"

Günter Z., der in der Produktion einer Firma für Sanierungssysteme arbeitete, war in Eberschwang vor allem für seine Begeisterung für Allradwagen bekannt. Im "Allrad Motorsport Club Ried" war er stellvertretender Obmann, organisierte Bewerbe und Feierlichkeiten. Der Großteil des Vorstands des Motorsportclubs war mit ihm gemeinsam nach Afrika gereist. Die Gruppe ist nun auf dem Weg zurück in Namibias Hauptstadt Windhuk. "Ich hatte kurzen telefonischen Kontakt. Sie sind alle am Boden zerstört, der Schock sitzt tief. Auch in Eberschwang ist die Bestürzung über den tragischen Unfall groß", sagt Bürgermeister Bleckenwegner. Er habe mitbekommen, dass die Freunde sich "wahnsinnig" auf diese Reise gefreut hatten. Es seien in Namibia nun leider noch viele administrative Dinge zu erledigen, bevor die Gruppe zurück ins Innviertel reisen könne.

Die Attacke auf den Innviertler ist der dritte dokumentierte tödliche Zwischenfall mit einem Elefanten in Afrika im Jahr 2019.

Unglücke mit Elefanten: Die unberechenbaren „sanften Riesen“

In Afrika kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen zwischen Touristen und Elefanten.

Die Tiere gelten zwar gemeinhin als „sanfte Riesen“, „sie sind aber gefährlich, stark, unbarmherzig und unberechenbar, wenn wir die unsichtbare Linie zwischen ihnen und uns überschreiten“, warnt etwa der Tourismus-Anbieter „gondwana-collection“ online.

Um grundsätzlich Zwischenfälle zu vermeiden, sollte ein Abstand von mindestens 50 Metern zu den Tieren gehalten werden. Auch laute Geräusche sind zu unterlassen. „Elefanten dürfen nicht gefüttert werden, ebenso wie alle anderen wilden Tiere“, warnte der Naturschutz- und Unterkunftsbetrieb.

Auch für das Campen hat „gondwana-collection“ Ratschläge auf seiner Webseite: So sollte niemals an Wasserstellen gecampt werden, denn diese ziehen die Tiere an.

Bestenfalls sollte das Nachtlager am Fuße eines Berges, an einer Uferböschung oder an Felsen aufgeschlagen werden. „So kann man nicht von hinten überrascht werden und kann sich notfalls dort in Sicherheit bringen“, hieß es. In der Nähe von Elefantenpfaden sollte generell nicht gecampt werden.

Keine Lebensmittel liegen lassen

Vor dem Schlafengehen sollte man sicher gehen, dass keine Nahrungsmittel offen liegen gelassen wurden, die die Tiere anlocken könnten. Wenn Elefanten dennoch auf einen Campingplatz kommen, sollte man sich ruhig verhalten und keinesfalls Licht anschalten.

In Asien, wo die kräftigen Tiere als Arbeitskräfte dienen, sind schwere Unfälle an der Tagesordnung. 2001 legte die indische Regierung eine – wohl unvollständige – Statistik vor, wonach zwischen 1980 und 2000 mindestens 250 Unfälle sogar tödlich verliefen.

Auch in Zoos zählen Elefanten zu den gefährlichsten Bewohnern. Immer wieder kommt es zu tödlichen Zwischenfällen mit Tierpflegern. Seit 1982 starben bei 90 bekannt gewordenen Angriffen in Zoos mindestens 40 Menschen.

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