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Oberösterreich

"Und dann schlagen die Plünderer blitzschnell zu"

Von Michael Schäfl  03. Juni 2020 00:04 Uhr

Protesters rally against the death in Minneapolis police custody of George Floyd, in Portland

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Bild 1/37 Bildergalerie: Nach Floyd-Mord: Ausschreitungen in US-Städten gehen weiter

LINZ, WASHINGTON. Ausnahmezustand in den USA: Die OÖN sprachen mit Oberösterreichern in den USA und US-Auswanderern.

"Black lives matter", hallt es durch die Straßen von Los Angeles. Tausende haben sich versammelt, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Ein ohrenbetäubender Knall: Vermummte krachen mit einem Auto in die Glasfassade einer Apotheke, plündern, was ihnen in die Finger kommt. "Erst wird lange Zeit friedlich demonstriert, und dann schlagen die Plünderer blitzschnell zu", sagt Bibi Channer – die 54-Jährige aus Puchenau wohnt nur unweit dieser Apotheke.

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen Polizisten steckt Amerika mitten in einer Doppelkrise: zwischen unkontrollierter Corona-Pandemie und gewaltsamen Unruhen.

 

Polizei meist zu langsam

"Auf die Proteste antwortet die Polizei meist mit Schlagstöcken und Tränengas, doch die Plünderer sind zu diesem Zeitpunkt dann schon lange weg. Opfer der Gewalt sind die Demonstranten. Die Plünderer und Anarchisten kommen meist davon, denn für die ist die Polizei zu langsam", sagt Channer. Die 54-Jährige aus Puchenau lebt seit 1990 in Los Angeles.

Anfangs seien die Demonstrationen noch ruhig verlaufen, doch vergangenen Samstag sei die Lage dann eskaliert. "Die Anarchisten sind der Polizei einen Schritt voraus, sie planen ihre Aktionen haargenau, stimmen sich in den sozialen Medien ab und schlagen im Schutz der Demonstration rasch zu. Die wichtige Botschaft der Protestierenden geht dann natürlich unter", sagt Channer. An den Unruhen würde auch die verhängte Ausgangssperre von 17 bis 6 Uhr nichts ändern. Zudem würden Helikopter unentwegt über den Straßen kreisen.

"Was ist denn bei euch los?"

"Täglich zeigen mir Freunde Fotos und Videos von Angriffen auf Demonstranten und fragen mich: Seid ihr Amis verrückt, was ist denn bitte bei euch los?’" sagt John Uribe. Der 29-Jährige aus Kalifornien spielt für die Steelsharks Traun American Football. "Was da in Amerika passiert, kann man sich hier in Österreich überhaupt nicht vorstellen. Doch in den Staaten ist das nichts Neues. Dass Minoritäten Opfer von Polizeigewalt werden, ist leider Normalität, daran hat man sich als Angehöriger einer Minderheit fast gewöhnt. George Floyd ist leider nur einer von vielen", sagt Uribe, der selbst mexikanische Wurzeln hat.

Es sei selbstverständlich, dass die Leute auf die Straße gehen und gegen diese Ungerechtigkeit demonstrieren. Die Proteste würden erst dann nachlassen, wenn der Polizist, der Floyd getötet hat, vor Gericht gestellt und verurteilt werde, sagt Uribe. Ohne Demos gäbe es dann auch weniger Plünderungen.

Jason Tillery aus New York sieht das ähnlich: "Wegen der Coronakrise sind die Menschen frustriert, sie haben ihre Jobs verloren und meist auch nur wenig Ersparnisse. Da brechen Konflikte, die schon ewig unter der Oberfläche brodeln, natürlich noch leichter und schneller auf", sagt der 32-Jährige, der in Linz wohnt und als Coach der Steelsharks arbeitet. "Auf dem Papier haben Weiße und Afroamerikaner die gleichen Rechte, doch in der Realität schaut das anders aus." Zusätzlich zur Coronakrise gießt auch Präsident Donald Trump ordentlich Öl ins Feuer. Er droht den Demonstranten mit "bissigen Hunden" und "überwältigender Waffengewalt". "Der Präsident ist unfähig, die Menschen zu vereinen", sagt Keith Sealund. Der Kalifornier lebt in der Nähe von Wels. "Statt sie zu unterstützen oder zumindest klare Anweisungen zu geben, spaltet er die Leute bloß für seine eigenen politischen Zwecke."

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