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Oberösterreich

Traumjob Hausarzt: So will die Kammer Mediziner begeistern

15. Mai 2019 00:04 Uhr

Traumjob Hausarzt: So will die Kammer Mediziner begeistern
Das Podium bei der Diskussion in der Ärztekammer: Viktoria Nader, Harald Mayer, Wolfgang Ziegler, Peter Niedermoser, Erwin Rebhandl und David Köpf

LINZ. Die Zahl der Allgemeinmediziner nimmt ab, 23 Stellen im Land sind nicht besetzt. Die Ärztekammer Oberösterreich hat eine Informationskampagne gestartet.

Hohes Ansehen, guter Verdienst und längst nicht mehr so viele Nachtdienste wie in der Vergangenheit: Oberösterreichs Ärztekammer startet eine Imagekampagne, um junge Ärzte für die Arbeit des Allgemeinmediziners zu begeistern. Der Auftakt dazu erfolgte am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion in Linz.

Die Ausgangsposition ist OÖN-Lesern bekannt: Bei den Hausärzten steht eine Pensionierungswelle bevor, schon jetzt sind mehr als 20 Stellen unbesetzt (siehe Grafik nebenan). Betroffen sind vor allem ländliche Regionen, aber auch Städte wie Braunau und Wels.

Unter dem Titel "Traumjob Allgemeinmediziner(in) – ein Beruf mit Perspektive?" standen nun Experten zu Themen der Allgemeinmedizin, vom Medizinstudium bis zum Antritt einer Vertragsarztstelle, Interessierten Rede und Antwort.

Noch sei die Versorgung mit Hausärzten vertretbar, sagt Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser. Aber: "Die Herausforderung wird größer." Junge Leute wollen nicht mehr viel Geld in eine Ordination investieren und damit einen Betrieb gründen, sondern im gesicherten Umfeld eines Krankenhauses arbeiten. "Wir haben ein Image-Problem, und das gilt es gemeinsam zu lösen", betonte Niedermoser, wie wichtig die Kampagne der Ärztekammer sei.

"Der Weg ist steil, doch er führt in die Sonne." Mit diesen Worten rührte Wolfgang Ziegler, Obmann der Sektion Allgemeinmedizin, die Werbetrommel für sein Fach. Als langjähriger Hausarzt (31 Jahre) weiß er ganz genau über die Licht- und Schattenseiten seines Berufs Bescheid. "Oft kennt man mehrere Generationen einer Familie, diese Nähe zum Patienten ist etwas Besonderes", sagte Ziegler. Dazu komme, dass Hausärzte hohes Ansehen in den Gemeinden hätten, lebenslange Flexibilität, Entfaltungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten. Selbstständigkeit, das Führen eines Kleinunternehmens sowie das variable Einkommen würden aber Medizinstudenten vom Job des Allgemeinmediziners abhalten. Das Mentoring-Programm sei bestens geeignet, um den Jungmedizinern auch in diesem Bereich das nötige Know-how zu vermitteln.

Erwin Rebhandl ist ebenfalls ein Allgemeinmediziner mit viel Erfahrung: "Ich habe meine Entscheidung keinen Tag bereut", sagte er.

Offen präsentierte Wolfgang Ziegler die Verdienstmöglichkeiten. Hausärzte hätten im Durchschnitt jährlich einen Umsatz von rund 300.000 Euro, wobei abzüglich der Personal- und Praxiskosten rund 120.000 bis 150.000 Euro brutto übrig bleiben.

"Miteinander der Medizin"

"Das Miteinander der Medizin ist unser Ziel", sagte Harald Mayer, Kurienobmann der angestellten Ärzte, an diesem Abend. Und: Eine vernünftige und respektvolle Kommunikation zwischen Facharzt und Allgemeinmediziner müsse stattfinden.

Was junge Menschen an dem Beruf des Allgemeinmediziners fasziniere? "Als Hausarzt wird man mit vielen Patienten und Krankheitsbildern konfrontiert. Er ist damit eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Patienten und dem Krankenhaus", sagte der angehende Allgemeinmediziner Yannik Streibl. Thomas Fiedler, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, sagte: "Ich kann sie nur ermutigen, diese Ausbildung zu machen. Sie werden es nicht bereuen."

„Es ist die Abwechslung, die mich an der Arbeit reizt“

„Man darf nicht beleidigt sein, wenn sich langjährige Patienten einmal für den jüngeren Kollegen entscheiden. Das gehört zur Lehrpraxis dazu.“

Erwin Rebhandl sagte diese Worte am Montagabend mit einem Augenzwinkern. Seit 37 Jahren ist Rebhandl Allgemeinmediziner, in Haslach an der Mühl arbeitet er Hand in Hand mit anderen Medizinern in einem Primärversorgungszentrum (PVZ). Mit dem jüngeren Kollegen meinte er unter anderem David Köpf. Der Jungmediziner schloss im August vor vier Jahren sein Studium am Kepler Universitätsklinikum ab, seit Anfang dieses Jahres ist er in der Lehrpraxis von Rebhandl tätig – und das mit voller Kraft.

„Die Arbeit als Allgemeinmediziner ist abwechslungsreich, die Tätigkeit greift über in viele andere medizinische Bereiche“, erzählte Köpf am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Ärztekammer Oberösterreich angehenden Allgemeinmedizinern. Und noch etwas strich der Arzt ganz besonders hervor: „Als Hausarzt hat man einen sehr intensiven Kontakt zu den Patienten, und das oft über viele Jahre hinweg.“ Das kann auch Rebhandl nur bestätigen: „Oft kennst du mehrere Generationen von Familien.“

Das Primärversorgungszentrum

Köpf entschied sich nach seiner Zeit als Turnusarzt am Kepler-Klinikum für Rebhandls Lehrpraxis im Gesundheitszentrum Haslach.

Erwin Rebhandl arbeitet mit zwei Ärzten in einem Primärversorgungszentrum zusammen und gibt als Mentor sein Wissen an angehende Allgemeinmediziner weiter. „An der Arbeit mit Jungmedizinern in einer einem Primärversorgungszentrum schätze ich den Austausch zwischen Jung und Alt. Im Team diskutieren wir medizinische Fälle, geben uns gegenseitig Inputs und arbeiten an gemeinsamen Zielen“, hält Rebhandl seine Erfahrungen in der Lehrpraxis fest.

Das Phasenmodell

Die jungen Allgemeinmediziner durchlaufen in der Ordination mehrere Phasen. „Beginnend mit der Beobachtungsphase bekommt man kontinuierlich mehr Kompetenzen und unterstützt die Allgemeinmediziner“, sagt Köpf. Der Jungmediziner sammelt organisatorische Informationen und bekommt im Gesundheitszentrum Haslach das Rüstzeug zur Gründung einer eigenen Praxis mit.

In der Ärztekammer

„Traumjob Allgemeinmediziner(in) – ein Beruf mit Perspektive“: Unter diesem Titel fand am Montagabend in der Ärztekammer Oberösterreich eine Podiumsdiskussion statt. Den Fragen stellten sich Gastgeber Peter Niedermoser (Präsident der Ärztekammer OÖ), Harald Mayer (Vizepräsident der Ärztekammer, Kurienobmann angestellte Ärzte), Viktoria Nader (Kurienobmann-Stellvertreterin angestellte Ärzte, Obfrau Sektion Turnusärzte), Wolfgang Ziegler (Kurienobmann-Stellvertreter niedergelassene Ärzte, Obmann Sektion Allgemeinmedizin und approbierte Ärzte) und Erwin Rebhandl (Allgemeinmediziner in einem Primärversorgungszentrum und Lehrpraxisinhaber).

Für Interessierte: Bei der Ärztekammer Oberösterreich liegt ein Handbuch unter dem Titel „Traumberuf Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin – Eine Standortbestimmung“ auf (Verlagshaus der Ärzte).

Der Allgemeinmediziner hat nicht nur die Möglichkeit, eine Praxis ins Leben zu rufen und als Hausarzt zu arbeiten. Die möglichen Tätigkeitsfelder umfassen auch die Arbeit als Polizei- oder Amtsarzt, Schulmediziner oder in exotischen Fällen auch Schiffsarzt. Allgemeinmediziner können auch jederzeit im Krankenhaus als Stationsärzte Anstellung finden.

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