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Oberösterreich

Stichprobe: Corona-Fälle im "Promillebereich"

Von Gabriel Egger und Alexander Zens  07. April 2020 00:04 Uhr

Stichprobe: Corona-Fälle im "Promillebereich"
JKU-Rektor Meinhard Lukas (l. u.) im Livegespräch mit Experten Niki Popper (l. o.), Andreas Qatember (r. o.) und Gerald Pruckner (r. u.)

WIEN / LINZ. Ergebnis soll heute vorliegen – Experten warnen vor Rückfall

Wie hoch ist die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen? Die Antwort auf diese wichtige Frage soll, wie berichtet, eine repräsentative Stichprobentestung mit gut 2000 Personen in Österreich liefern. Das Ergebnis wird für heute, Dienstag, erwartet.

Gestern sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) unter Berufung auf Zwischenergebnisse, dass sich die Corona-Erkrankungen "im Promillebereich" abspielten. Die Durchseuchung liegt demnach bei höchstens rund einem Prozent.

Bestätigt waren am Montag 12.206 Infektionen (Stand 15 Uhr). Bei einer tatsächlichen Durchseuchung von annähernd einem Prozent würde das bedeuten, dass es in Österreich knapp 90.000 mit dem Virus infizierte Personen gibt.

 

 

Von einer Spannweite zwischen 45.000 und 110.000 infizierten Personen geht auch Andreas Quatember vom Institut für angewandte Statistik der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) aus.

Er war gestern Nachmittag einer von drei Gästen von JKU-Rektor Meinhard Lukas in einem virtuellen Livegespräch. Von Montag bis Freitag analysieren Wissenschafter darin die Folgen des Virus.

Quatember ging dabei von einer ähnlichen Stichprobentestung in Island aus. Dort waren 0,84 Prozent der 2200 getesteten Personen mit dem Coronavirus infiziert. "Wenn das Ergebnis von Island annähernd auch bei uns zutrifft, müsste man in Österreich hochgerechnet von rund 75.000 Infizierten ausgehen", sagt der Statistiker.

Auch zur Datenbasis in der Corona-Krise äußerte sich Quatember. Vor allem die Zahl der "leider Verstorbenen" sei eine Definitionsfrage. Am oder mit dem Coronavirus verstorbene Patienten werden in der Statistik vermengt. Ein Ländervergleich bei den Todeszahlen sei "sehr schwierig".

 

Zweite Epidemiewelle verhindern

Von der Stichprobenstudie verspricht sich auch Niki Popper, Simulationsexperte der Technischen Universität Wien, einiges. "Wenn wir die Dunkelziffern bekommen, können wir die Dynamik besser einschätzen und können das in die Modelle einpflegen", sagte er. Popper warnte davor, die positive Tendenz der vergangenen Tage auf die leichte Schulter zu nehmen: "Wir erleben jetzt, dass die Zahlen langsam zurückgehen. Aber nur weil die Teilnahme an der Kontaktreduktion so groß war. Wir haben keine Grundimmunisierung. Und damit ist die große Gefahr, dass wir wieder zurück an den Startpunkt gelangen." Die Zahl der Kontakte wirke sich sehr schnell aus. "Im Positiven, aber auch im Negativen", so Popper.

Dass an den Krankenhäusern "ordentlich Kapazitäten für Covid-19-Patienten freigemacht" wurden, war für Gerald Pruckner von der Abteilung für Gesundheitsökonomie des Instituts für Volkswirtschaftslehre der Uni Linz "alternativlos". Gelingt es nun, eine zweite Epidemiewelle abzuwenden, gebe es hoffentlich bald wieder mehr Kapazitäten für andere Patienten, die etwa auf Operationen oder Untersuchungen warten.

  • Video: Das JKU-Corona-Update von 6. April:

 

 

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