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Steyr

Der Freitag, an dem Terroristen einen Mollner Pfarrer hinrichten wollten

26. Januar 2020 12:20 Uhr

Franz Windischhofer beim Marienfest in Callalli, Peru.

MOLLN, CHAVÍN DE HUÁNTAR. Franz Windischhofer wird den 26. Jänner 1990 niemals vergessen: Gefesselt stand er im Pfarrsaal von Chavín de Huántar vor dem „Volksgericht“, das ihn zum Tod verurteilen sollte.

Das große religiöse Interesse der Leute, das Engagement der Katechisten und die vielen erfolgreichen sozialen Projekte: Franz Windischhofer, später Aushilfspriester in Molln, war rundum glücklich als Missionar in Peru.

Der aus Königswiesen stammende Priester leitete bereits zehn Jahre Pfarren in Peru, damals Chavín de Huántar und Huántar, als Mitglieder der Terrorgruppe „Sendero Luminoso“ (Anm.: Leuchtender Pfad) bei ihm auftauchten. Der 26. Jänner 1990 war ein Freitag. Windischhofer war mit einer Frauengruppe zusammen, als um 20 Uhr – auch das weiß er noch genau – eine Gruppe von Terroristen in den Pfarrsaal stürmte. Zuerst verlangten die Männer einmal alles Geld, das im Pfarrhof war, danach fesselten ihn die Terroristen und der Anführer stellte Winidischhofer schließlich vor das „Volksgericht“.

Um den Prozess in die richtige Richtung zu lenken, gab der Anführer eine Schimpftirade zum Besten. Religion war für die marxistischen Terroristen „Opium“, und die Arbeit des Pfarrers galt als „Einschläfern“. Dann war das „Volk“ am Wort.

„Nach einer beklemmenden Stille hat sich eine Frau gemeldet“, erzählt Windischhofer. Sie habe den Anführer respektvoll mit „Señor Terrorista“, mit „Herr Terrorist“, angesprochen und dann erklärt: „Der Pfarrer hat uns nicht eingeschläfert, sondern aufgeweckt.“ Sie lebten jetzt besser als zuvor, sie hätten Gemüse und Hühner, so die Frau. „Plötzlich begannen mich mehrere zu verteidigen“, sagt Windischhofer.

Sinnloses Töten

Der Anführer bekam einen Wutanfall, denn der Prozess lief gar nicht in seinem Sinne. Er ging daher zum Schuldirektor und ehemaligen Bürgermeister Hermogenes Montoro über. Ihn wagte niemand zu verteidigen. Nur Schweigen. Das war sein Todesurteil.

Pfarrer und Bürgermeister wurden in Fesseln durch das Dorf getrieben. Windischhofer: „Es war eine stockdunkle, gespenstische Nacht.“ Unter einem Eukalyptusbaum auf dem Dorfplatz wurde Montoro erschossen – von einem seiner ehemaligen Schüler. Der Pfarrer stand direkt daneben: „Ich war wie gelähmt. Ich hätte nie gelaubt, dass sie dazu fähig sind.“

So schnell die Terroristen gekommen waren, waren sie wieder weg. Davor hatten sie noch das Gemeindeamt gesprengt und den Pfarrhof in Brand gesteckt. Windischhofer rief die Bevölkerung über Lautsprecher zum Löschen auf. Die Kirche konnte so gerettet werden.

Nach diesem Vorfall verließ Windischhofer das Land für ein Jahr, war dann in Molln als Priester tätig und kehrte 1991 zurück. Er wollte wieder in seine alte Pfarre gehen, aber das war leider nicht möglich. Seither ist er in einer anderen Gegend, in Callalli, Pfarrer. Der Rückblick auf die Ereignisse von 1990 lässt Windischhofer erschaudern: „Es war derartig sinnlos, so sinnlos.“ An die 70.000 Menschen in Peru kostete der Kampf des „Sendero Luminoso“ und der gegen ihn das Leben.

Der Pfarrer hat nach wie vor Kontakt in seiner ehemaligen Pfarre, erst vor wenigen Tagen besuchte er wieder die Witwe des Bürgermeisters, die allein mit sechs Kindern zurückgeblieben ist. Obwohl 30 Jahre vergangen sind, ist eine Traumatisierung im Dorf spürbar. Es herrscht Misstrauen, weil auch ehemalige Terroristen wieder in ihr Dorf zurückgekehrt sind. Zwei von ihnen haben sich bei Windischhofer sogar entschuldigt. Das Problem sei aber, dass es für das ganze Land keine Instrumente der Versöhnung gab und auch jetzt nicht gibt.

Der ehemalige Mollner Priester ist froh, dass das Land zumindest im Gesamten einen wirtschaftlichen Aufschwung nimmt – wenn auch seine Freude nicht ungetrübt ist: „War früher der Terrorismus die große Herausforderung, ist es heute die Korruption.“ Wegen dieser fielen noch immer zu viele durch das soziale Netz.

Engagierte Jugend

Aber er sieht viele Lichtblicke. Dank der Unterstützung aus Oberösterreich kann eine Reihe junger Menschen studieren. Aus den Worten des 69-jährigen Pfarrers spürt man ungebrochenen pastoralen Elan: „Wir haben so tolle Jugendliche, die haben Visionen.“

Nicht zu verdenken ist Windischhofer, dass er sich über den Werdegang eines von ihnen, den von Timoteo Solórzana Rojas, besonders freut. Als Pfarrer in Chavín de Huántar hat er dem jungen Burschen Timoteo den Eintritt in den Orden der Herz-Jesu-Missionare ermöglicht. Seit November 2018 ist Timoteo Weihbischof. „Er macht das ausgezeichnet“, sagt Windischhofer, und man hört ein bisschen Stolz über seinen ehemaligen Schützling mitschwingen.

Das Gespräch mit Franz Windischhofer, der nach wie vor in Peru wirkt und sich besonders für die Ausspeisungen für alte Leute in Peru engagiert, führte Kirchenzeitung-Redakteur Josef Wallner.

Spenden sind bei der Missionsstelle der Diözese Linz möglich.
Kennwort: Ausspeisung Peru
IBAN: AT71 5400000000383117
BIC: OBLAAT2L

Franz Windischhofer,
Missionar in Peru und ehemaliger Aushilfspriester in Molln

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