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Brunners würziger WortWechsel

16.März 2021

Frühlingsgefühle international.

Verdammt, schon wieder Frühling. Da tummeln sich geschlechterübergreifend aufgeregt die Hormone, sensible Typen werden dabei verrückt, andere wiederum unglaublich müde.

„Die Bäume fahren im Frühling aus der Haut.“ Wilhelm Busch, der geistige Vater von Max und Moritz war’s, der das beobachtet hat und das schöne, das neue Grün gemeint hat. Er konnte aber nicht ahnen, wie dumm so mancher Mitbürger ist und deswegen nun am Steyrer Wieserfeldplatz ein Baum, willkürlich geschält, ums nackte Überleben kämpft. Der Biber war’s nicht, da kriechen mit den ansteigenden Temperaturen leider die feigen Ratten wieder aus ihren Löchern. Sagt der Volksmund. Ja, es ist zum „Aus-der-Haut-fahren“, wenn man solche Typen irgendwo unter sich hat, und der Frühling, der kann da am allerwenigsten dafür, da geht's eher um den Intellekt. Doch widmen wir uns lieber den schönen Dingen, lasst uns Spaß haben und Unfug machen, das befreit den Geist und gibt uns Kraft.

Franz Brunner
Franz Brunner

Was haben wir nicht schon für tolle Frühlinge erlebt. Früher. Warum schaffen wir’s heute nicht mehr? Gut, Corona ist ein wirklich mieser Spielverderber, aber daran alleine liegt‘s nicht. Woran denken Sie, wenn der Frühling kommt? An Blumen und Vögel, an Garten und Kreuzweh, an Urlaub, der nicht stattfinden kann? Oder vielleicht an schicke Autos? Nun, das wird heuer nichts, der Autofrühling ist abgesagt, jammern zwecklos. Geschichtlich und wissenschaftlich betrachtet hat der Frühling ohnehin weniger mit Autos zu tun, schon mehr mit dem Stand der Sonne und dem Erwachen der Natur. Ja, da haben sich die Prioritäten mit den Jahrzehnten deutlich zu Gunsten der stinkenden Karre verschoben. Man(n) möchte was über Pferdestärken, Beschleunigung und Schiebedach wissen, die Sonne macht ihre Sache zuverlässig selbst, da ist unser Einfluss minimal. Nicht nur, was den Frühling betrifft, sind die Interessen eben unterschiedlich, selbst unter den Wissenschaftlern. Die sind sich nicht einmal einig, wann der Lenz tatsächlich beginnt.

Für die einen, die Astronomen, beginnt der Frühling mit dem Zeitpunkt, an dem die Sonne den Äquator Richtung Norden überschreitet, üblicherweise am 20. März, Änderungen vorbehalten. Die anderen, die Metereologen, die teilen die Jahreszeiten völlig fantasielos nach den Kalendermonaten. Für die ist dann einfach von 1. März bis 31. Mai Frühling. Ist so. Basta.

Wissenschaft hin, Fantasie her, einerlei, überall auf der Welt wird der Beginn des Frühlings gefeiert. Nicht überall zur selben Zeit und natürlich nicht auf die gleiche Weise, doch stets haben sich dabei seltsame Bräuche entwickelt. So zum Beispiel bei unseren Mitmenschen jenseits des großen Teichs. Gut, auch wir Österreicher haben eigenartige Bräuche und machen Dinge, die ebenfalls nicht nach jedermanns Geschmack sind, man denke an Rahmsuppe mit viel Kümmel drin oder ans Jodeln. Aber die Amis sind, was Freudenfeiern betrifft, quasi Vorreiter. Sie feiern das Ende der kalten Jahreszeit, indem sie sich zunächst einen Frühlings-Burger gönnen, also einen, bei dem die extradicken Fleisch- und Käseschichten unter extragroßen Salatblättern versteckt werden. Derart mit Energie vollgepumpt beginnen sie dann, im Kollektiv ausgelassen zu springen, daher auch die Bezeichnung „Springtime“ für die nun kommende schöne Zeit. Und was haben sie davon? In erster Linie natürlich einen Heidenspaß, aber in der Folge zudem Wüste, sehr viel Wüste. Binnen kürzester Zeit werden unzählige zarte Pflänzchen niedergetrampelt und dahingerafft. Man stelle sich das vor, wenn Millionen und Abermillionen von US-Bürgern, laut Statistik zu 70% deutlich übergewichtig, abheben und dann so gar nicht erschütterungsfrei wieder landen. Das setzt ordentlich viel Energie frei und außerdem der Natur, voran der Pflanzenwelt, gewaltig zu. Und der Frühling hat dann alle Hände voll zu tun, wieder alles in Ordnung zu bringen. Deshalb lieben und loben die Amis ihren Frühling, den Spring, ganz besonders und ehren ihn durch den alten Brauch des Springens.

Oops, bitte verzeihen Sie mir. Ich glaube, da ist jetzt euphoriebedingt die Fantasie mit mir durchgegangen. Schlechtes Gewissen habe ich dabei keines, allerdings das tolle Gefühl, dass mir das unheimlich gut tut. Los, denken oder machen Sie ebenfalls was Verrücktes, haben Sie Corona zum Trotz viel Spaß und berichten Sie mir.

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