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Steyr

Astrid Miglar: Verwegene Brückensprünge

16. Oktober 2020 10:31 Uhr

Würzige Wortwechsel: Zwei Autoren schreiben ab heute online
Astrid Miglar aus Reichraming (privat)

REICHRAMING. Heute versucht sich Astrid Miglar als verwegene Brückenspringerin in ihrem geliebten Ennstal und schwelgt in Erinnerungen.

Verwegene Brückensprünge?

„Ich springe! Zur Seite, … aus dem Weg!“

In Reichraming gibt es Brücken, was klug ist, denn Brücken verbinden, z. B. ein Ennsufer mit dem anderen, die eine Seite des Reichramingbachs mit der gegenüberliegenden. Reichraming ist brückenreich. Manche darunter sind echte Besonderheiten. „Ahhh, jetzt gibt sie nur an“, denken Sie? „Niemals!“

Können Sie sich an den Aufschrei erinnern, der vor einigen Jahren durch die Medien polterte, als die Linzer Eisenbahnbrücke abgerissen wurde? Zuvor wurde protestiert. Ideen wurden gesucht, was mit der alten Stahlbrücke anzustellen wäre, … am Schluss jedoch wurde sie demontiert. Ein wunderbares Werk der Technik existiert nicht mehr, hatte am Ende nur Materialwert.

Nun kommt’s! In Reichraming gibt es drei alte Stahlbrücken mit Trapez-, Parallel- und Gitterträgern. Oder wie immer man diese metallenen Meisterstücke korrekt benennt. Gewiss ist, sie sind Unikate. Eine quert die Enns in Richtung Rohrbachgraben. Eine andere passieren Sie auf dem Weg ins Ortszentrum. Eine weitere wurde für die Eisenbahn errichtet, sie findet hohen Anklang. Häufig positionieren sich Fotografen, denn an dieser besonderen Stelle fließt der Reichramingbach in die Enns. Im Hintergrund thront der Schieferstein über dem Szenario. Geduldig warten Enthusiasten darauf, dass endlich eine Eisenbahn die Eisenbahnbrücke passieren möge. Wunderbaren Fotos folgen Seufzer der Zufriedenheit.

Zugegeben, keine einzige unserer Brücken ist derart lang, wie jene in Linz es war. Aber sie sind schön. Und, sie stehen noch. Außerdem sind diese Brücken nicht nur nützlich, sie dienen auch dem Vergnügen. Es wird gesprungen. Gott sei Dank selten mit dem Auto, was auch schon vorkam. Meist mit dem Körper ins Wasser. Es ist dreifach eingesprungenes Recht. Bereits seit Generationen. Ich weiß genau, wie es ist, wenn man die Badehose nicht, das Bikini-Oberteil aber gut festhalten muss. Ich weiß, dass es einfacher ist mit einem Badeanzug zu springen. Und eines weiß ich außerdem: Nicht springen, ist feig!

Die ortsmittige Bachbrücke dient als ultracoole Einstiegsdroge. Hier gilt es, abhängig vom Wasserstand, Berechnungen zur optimalen Landung anzustellen. Sonst passiert’s, dass die Zehennägel Dellen in steinigen Untergrund scharren. Besonderen Spaß macht es, sich vor einem Sprung im Dreck zu wälzen. Nach dem Auftauchen erfolgt eine Sauberkeitsprüfung der Haut. Dieses Prozedere lässt sich beliebig wiederholen. Resümee: Es sind zahlreiche Sprünge nötig, schließlich müssen Coolness, Haltung und Fleckenfreiheit jedes Mal neu bewertet werden. Manchmal sitze ich im nahen Kaffeehaus. Beobachte die Tollkühnen. Unsere Jugend hüpft. Was das Zeug hält. Solange sich Wasser im Bachbett befindet. Und: Sprünge für Fortgeschrittene finden nicht von der Bachbrücke, sondern von der zuvor erwähnten Eisenbahnbrücke statt. Es braucht mehr Gewicht auf den Rippen und eine vernünftige Portion Schwerkraft, um auf dem Boden des Bachbetts anzukommen.

Doch dann kommt der Herbst. Verwegenes Brückenspringen wird eingestellt. Die Wassertemperaturen sinken. Der Drang nach Abkühlung lässt nach. Meinen Sie Falsch gedacht!

Am Altjahrstag bewegen sich Verwegene in Richtung Bachbrücke, prüfen die Wassertemperatur und stellen fest: „Perfekte +4 °C. Angenehme Badetemperatur.“ Dann springen sie. Mehrmals hintereinander. Bis mir kalt wird.

Beim Zusehen.

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