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Steyr

Astrid Miglar: Die irre Sache mit de Wahrnehmung

09. Oktober 2020 19:22 Uhr

Astrid Miglar
Astrid Miglar aus Reichraming (privat)

REICHRAMING. Astrid Miglar spannt rechtzeitig vor dem Wochenende den Bogen von Hänsel & Gretel über MAN bis hin zu übermäßigem Zuckerkonsum. Oder so ähnlich zumindest. Lesen Sie selbst.

Die irre Sache mit der Wahrnehmung!

Ich vermute, dass Sie das Grimm’sche Märchen von „Hänsel und Gretel“ kennen. Wenn nicht, eine rasante Zusammenfassung, um die Erinnerung aufzufrischen. Die Stiefmutter empfiehlt dem Vater der Geschwister, sich von selbigen zu trennen, sie im Wald auszusetzen. Hänsel belauscht diesen Vorschlag, wappnet sich, legt Steine aus, um sich einen Weg nach Hause zu sichern. Dies gelingt. Elternplan blöd gelaufen. Wiederholung. Beim zweiten Mal Aussetzung erfolgt die Wegmarkierung mit Brotkrumen, die von Vögeln aufgepickt werden. Der Weg zurück aus dem Waldgebiet bleibt verwehrt. Was dann geschieht? Es macht nicht „Klick“ bei Ihnen?

In Stichworten: Lebkuchenhaus. Hexe mästet Hänsel, will ihn aufessen. Gretel erledigt Haushaltsdienste. Eine Unachtsamkeit später, schlechte Hexen-Augen inklusive, wird die Hexe von Gretel in den Ofen befördert. Sie verbrennt. Ende.

Ich bin unzufrieden. Sie auch? Zweifellos waren die Gebrüder Grimm begnadete Geschichtenerzähler, aber hauptsächlich auf monetären Erfolg bedacht, dafür gingen sie über Leichen. Warum mir jetzt der Vertrag zur MAN-Standortsicherung einfällt, ist mir ein Rätsel?

Zurück zu Hänsel und Gretel: Die gesamte Geschichte beruht auf kindlicher Wahrnehmung. Kinder, die vermutlich niemals die Schule besuchten, ungebildet waren, … mit denen kann man machen, was man will?

Die ungeschönte Wahrheit, die Hintergründe eines deutschen Märchens aus heutiger Sicht: Deutschland. 19. Jahrhundert. Die Lebenserwartung von Männern liegt bei 35 Jahren, Frauen werden 38 Jahre alt. Die Lebenserwartung von Verträgen lag damals deutlich höher als es heute der Fall ist. Ein kolossaler Vertragsbruch hätte für mächtig Ärger gesorgt. Vielleicht auch jenen der handgreiflichen Art, denn die Zeiten waren wilder. Aber ich schweife ab. Entschuldigung!

Hänsel und Gretel wurden von ihrem Vater im Wald ausgesetzt. Die beiden waren in der Darstellung zwischen vier und sechs Jahre alt. Wie weit gehen vier- bis sechsjährige Kinder, bis sie erschöpft zusammenbrechen. Auf jeden Fall weiter als ich. Ich weiß das genau, mein kleiner Neffe (3) legt sechs Kilometer relativ locker zurück. Wir brauchen etwa vier Stunden dafür, was daran liegt, dass ich zu langsam bin. Wie alt ist die Kunststofflackieranlage in der MAN. Ach ja, etwa 4 Jahre alt. War sicher teuer und für längere Nutzung vorgesehen. Oder?

Astrid, Konzentration! Die Geschwister verirren sich im Wald. Kommen an ein Haus aus Lebkuchen.

Wahnsinn! In Deutschland. Mitte des 19. Jahrhunderts. Woher sollen diese Mengen an Eiern, Honig, Gewürzen, Mehl, Zucker, Salz kommen? Wer konnte die Lieferungen von rauen Mengen an Grundmaterialien gewährleisten, die für den Bau dieses Hauses benötigt wurden? Wie wurden diese Massen angeliefert? Wie lange hielt so ein Bauwerk den Widrigkeiten der Jahreszeiten stand? Warum baut man 2016 noch eine Kunststofflackiererei in der MAN Steyr, die einen Haufen Geld kostet, und warum kommt mir das genau jetzt in den Sinn?

Nicht ablenken lassen, weiterschreiben!

Auf jeden Fall ist Frau Hexe, ihren Vornamen kennen wir nicht, froh über ihre Besucher. Nicht so froh ist sie über den Vandalismus, den die beiden Kinder an ihrem Häuschen anrichten, das gutgehende Werk durcheinanderbringen. Auf die Frage nach ihrem Tun wird Frau Hexe mit der Antwort „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind“ belogen. Wenn man in diesem Zusammenhang als Hexe ein wenig überreagiert, ist das verständlich. Ich würde ja die höchste Chefetage einsperren und mästen. Also nein, den Hänsel natürlich. Der Hänsel wird selbstverständlich eingesperrt und gemästet. Endlich mal eine Speiseplanänderung. Der kleine Kerl ist ein echtes Frischfleisch-Leckerli. Das Mädchen darf unterdessen Haushaltspflichten erledigen, ... Lebkuchenlackieranlage putzen vielleicht.

Doch was ging in der Hexe vor? Könnte sie aus heutiger Sicht für ihre Handlungen überhaupt zur Verantwortung gezogen werden (psychische Probleme)? Wir müssen uns fragen: Was passiert, wenn Hexe im Laufe ihres langen Lebens, bei einer Lebenserwartung von 38 Jahren, dauerhaft Zucker in Form von Lebkuchen zu sich nimmt?

Zu viel Zucker verursacht Hunger nach mehr Zucker, man bekommt trockene Haut, ist häufig durstig. Womit wurde dieser Durst gelöscht? Mit Alkohol, süßen Getränken? Ein unguter Kreislauf. Hexe musste womöglich ständig aus Klo, war launisch (Mist, das bin ich auch!). Zu viel Zucker fördert Krankheiten. Diabetes, Pilzinfektionen. Konzentrationsstörungen. Ganz sicher auch Impotenz, was der Hexe eher egal war. „Die“ Hexe. Alles klar!?

Außerdem litt Hexe womöglich unter ständiger Müdigkeit, sah unscharf. Dies erklärt, warum es Hänsel gelang, ihr ein Knöchelchen als seinen Finger zu verkaufen. Apropos „verkaufen“: Kann es sein, dass uns die deutschen Gebrüder Grimm für dumm verkaufen? Ähhh, nein, Vergangenheit. Es muss heißen „verkauften“, … also noch einmal, … dass uns die Gebrüder Grimm für dumm verkauften. Ein Ende mit Schubs in den Ofen erdachten, denn die Hexe war ohnehin am Ende ihres Lebens angelangt? Sterbenskrank? War’s Erlösung?

Es war unterlassene Hilfeleistung. Die Kinder hätten der Hexe ärztliche Hilfe zuteilwerden lassen müssen. Sie nicht verheizen sollen. Es war eine von Hänsel und Gretel geplante Tat. Vorsätzlicher Mord also.

Mir reicht’s. Die Geschichte beinhaltet alles, was unwürdig ist. Gewalt, Drogen (Lebkuchengewürze sind durchaus bedenklich!), Betrügereien, falsche Versprechungen, Vandalismus, Diebstahl, denn am Ende brachten die Kinder auch noch den Besitz der ermordeten Frau an sich. Im Kreis der Entscheidungsträger nennt sich dies „willkommener, außerordentlicher Bonus“ … oder so?

Sieht so ein „Happy End“ aus? Mir graust!

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