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Wer das Bordell im Ort hat, hat den meisten Spott

SIERNING. Beim Sierninger Rudenkirtag wurde Schiedlbergs Bürgermeister Johann Singer besonders häufig angesungen.

Wer das Bordell im Ort hat, hat den meisten Spott

Die Waldneukirchner Aufblattler hatten auch ein volkstümliches Facebook-Lied fürs Publikum parat. Bild: Daucher

Beim Sierninger Rudenkirtag angesungen und damit öffentlich durch den Kakao gezogen zu werden, gilt als Ehre, und üblicherweise stellt man sich dafür mit einer Geld- oder Getränke-Spende bei der jeweiligen Rud ein. Nationalratsabgeordneter Johann Singer, der der Sierninger Nachbargemeinde Schiedlberg als Bürgermeister vorsteht, dürfte sich vorsorglich seine Brieftasche etwas dicker befüllt haben gestern. Tatsächlich zeigte er sich gleich mehrfach spendabel, und das vor allem aus einem Grund – dem Bordell nämlich, dass es seit kurzem in Schiedlberg gibt.

Der Chef der "schwarzen Gemeinde" würde gar nicht rot sehen angesichts des neuen Etablissements, taten etwa die Waldneukirchner Aufblattler kund. Das Rotlichtmilieu sei ihm deutlich lieber als eine starke SPÖ. Noch deutlicher war die Volkstanzgruppe Micheldorf geworden. Schiedlberg habe sich angesichts des neuen Dienstleistungsbetriebes und der Gäste, die ihn nutzen, in "Schniedelberg" umzubenennen: "Wos wird daun vom Wappen hänga? Des kennt’s eich sicha denga!"

Freilich war auch die angekündigte Abgang von Landeshauptmann Josef Pühringer eines der großen Themen bei der Veranstaltung, die vor kurzem auch in den Katalog des UNESCO-Kulturerbes aufgenommen wurde. Er möge sich künftig als Rudenobmann betätigen, bekam er etwa zu hören. Noch viel schlimmer erwischte es Niederösterreichs Noch-Landeshauptmann Erwin Pröll (der gestern freilich nicht in Sierning zugegen war): Er wurde wegen anhaltend hoher Fruchtbarkeit angesungen: "Gott, sei Dank is er jetzt gaunga, sunst würd’ die Mikl-Leitner a nu schwaunga."

Premiere für den Rudensaal

Der Rudentanz war gestern erstmals im renovierten ehemaligen Pfarrsaal über die Bühne gegangen. Das neue Veranstaltungszentrum trägt den Namen "Rudensaal" und wird offiziell erst im Herbst in Betrieb genommen. Schon bei der Begrüßung präsentierte sich die Politprominenz in bester Faschingsdienstagslaune. Passt gut auf den neuen Saal auf und schaut, dass ihr regelmäßig den Strom bezahlt", meinte etwa Siernings Bürgermeister Manfred Kalchmair in Richtung Rudenkomitee-Obmann Franz Bräuer. Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) lobte Kalchmair (SPÖ) für dessen Engagement um den neuen Rudensaal. "Du hast deine politische Zugehörigkeit, aber das sind nicht deine geistigen Grenzen", sagte er. Landeshauptmann Pühringer wiederum strich die jugendliche Frische von Bad Halls Bürgermeister Bernhard Ruf (mit dem er schon frühmorgens einer Besprechung beigewohnt hatte) hervor: "Die Glatzerten und die Barterten kann man dem Alter nach schlecht schätzen."

Insgesamt haben heuer elf Ruden am Rudentanz teilgenommen. Als zweiter Veranstaltungsort neben dem neuen Rudensaal diente das Landhotel Forsthof.

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Artikel Kurt Daucher 01. März 2017 - 00:04 Uhr
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