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"Was heute Hitzewelle heißt, werden wir bald einfach 'Sommer' nennen"

AMSTETTEN. Harvard-Ökonom und Klimaexperte Gernot Wagner aus Amstetten gastiert in der Heimat. Die OÖN haben ihn zum Interview getroffen.

"Was heute Hitzewelle heißt, werden wir bald einfach nur ,Sommer‘ nennen"

Klimaexperte Gernot Wagner, ein gebürtiger Amstettner Bild: Zarl

Gernot Wagner ist international anerkannter Klimaexperte. Der gebürtige Amstettner ist in den USA an der Harvard University tätig. Nun kehrt er für einen Vortrag zurück in seine alte Heimat. Unter dem Motto "Klimawandel geht uns alle an" diskutiert er am Dienstag in der Pfarre Herz Jesu, in der sein Vater Joachim als Pfarrgemeinderat aktiv ist.

 

OÖN: Beeinflusst Ihre Herkunft Ihr Denken und Ihre wissenschaftliche Arbeit über Klima?

Gernot Wagner: Ich kann mich noch gut an meine Zeit am BG Amstetten erinnern, wo ich mich bereits mit dem Thema Umwelt und Klima befasst habe, von den Waldjugendspielen bis zur Fachbereichsarbeit als Teil der Matura.

Nach der Hitzewelle scheint der Klimawandel in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein. Worauf müssen wir uns künftig einstellen?

Heute nennen wir es Hitzewelle. In ein paar Jahrzehnten werden wir es einfach nur "Sommer" nennen.

Sie sprechen davon, dass nur "radikale wirtschaftspolitische Maßnahmen" den Klimawandel stoppen können. Welche?

"Radikal" liegt im Auge des Betrachters. Um weiteren Klimawandel zu stoppen, müsste die Weltwirtschaft dekarbonisiert, also CO2-Emissionen in den nächsten Jahrzehnten praktisch auf Null gesetzt werden. Das ist tatsächlich radikal, andererseits notwendig und auch – noch – machbar.

Welche zumutbaren, kurzfristigen Maßnahmen fordern Sie ein?

Das wirkliche Problem beim Klimawandel ist, dass es ein Problem ist, das Systemdenken und einer Systemlösung bedarf. Das bedeutet, die richtigen politischen Impulse zu setzen, auf städtischer, Landes- und internationaler Ebene. Einzelaktionen sind nicht genug, vielleicht sogar ein Schritt rückwärts. Ich bin selbst Vegetarier und habe keinen Führerschein. Wird das eine oder andere das Klima retten? Nein. Natürlich sollten wir alle moralisch handeln, aber da ist die Gefahr groß, dass das eigene, wenn auch noch so moralische Handeln vom Ziel ablenkt.

Hat die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus im wissenschaftlichen und im politischen Bereich Nachhall gefunden?

Die Laudato Si hat ein wichtiges Zeichen gesetzt. Die Tatsache, dass der Vatikan ganze wissenschaftliche Konferenzen zum Thema abgehalten hat, stärkt sie nochmals. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Was sie noch viel mächtiger macht, ist die Tatsache, dass mittlerweile aus den unterschiedlichsten Kreisen wichtige Stimmen lauter werden, vom Papst über 5-Sterne-Generäle zu CEOs von Großunternehmen bis hin zu Hollywoodstars.

Was fordern Sie konkret von Christen ein?

Dasselbe wie von Nicht-Christen: selbst moralisch zu handeln und sich für systemische Veränderungen auf jeder Ebene einzusetzen.

Die Menschheit hat so viel geschafft und erfunden. Kann die Forschung eine Trendwende bringen?

Es bedarf in dieser Frage tatsächlich neuer Technologien, aber das nimmt die Politik nicht aus der Verantwortung. Neue Technologien sind gut, aber sie alleine bedeuten selbst auch oft mehr Emissionen.

Gibt es noch Grund zur Hoffnung oder gehören künftig Wetterkastrophen zum Alltag?

Sowohl als auch. Für Pessimissmus ist es zu spät.

 

Gernot Wagner

Klimaexperte Gernot Wagner ist gebürtiger Amstettner und ein Sohn der Pfarre Herz Jesu. Er lehrt und forscht an der Harvard University in den USA. Wagner ist Mitautor des laut Financial Times besten Wirtschaftsbuches 2015: "Klimaschock: Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels". Zuletzt befasste sich Wagner mit Geoengineering, also dem bewussten Eingriff in Naturabläufe.

"Klimawandel geht uns alle an": Vortrag von Gernot Wagner auf Einladung der Katholischen Bildungswerks am Dienstag, 18. September, ab 19 Uhr im Pfarrsaal. Eintritt: 8 Euro, Lehrlinge, Schüler und Studenten gratis.

 

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Artikel 14. September 2018 - 00:04 Uhr
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