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Urnen von Nazi-Opfern lagerten auf dem Friedhof unter einem Gehweg

STEYR. Unter einem Gehweg auf dem Friedhof wurde eine Gruft mit 1000 Urnen von KZ-Häftlingen entdeckt. Möglicherweise birgt eine der Blechbüchsen die Asche des berühmten Geografen Viktor Ormicki der Jagellonen-Universität Krakau, den die Nazis 1941 im KZ Gusen ermordet haben.

Urnen von Nazi-Opfern lagerten auf dem Friedhof unter einem Gehweg

Nazi-Opfer Viktor Ormicki Bild: privat

Mit seinem breitkrempigen Hut und seinem Lederrock erinnerte er ein wenig an den Filmhelden Indiana Jones: Viktor Ormicki war eines der Aushängeschilder der Jagellonen-Universität Krakau und einer der bekanntesten Wissenschafter seiner Zeit in Polen. Ormicki war 41 Jahre alt, als ihn im November 1939 die Nazis festnahmen und ins KZ einkerkerten. 1941 starb der Geograf im KZ Gusen, wo er von den Nazi-Schergen im Steinbruch zu Tode geschunden wurde. In Polen ist der Forscher und tapfere Mann des Widerstandes gegen das NS-Verbrecherregime bis heute unvergessen. Jetzt tut sich die Hoffnung auf, dass die Nachfahren seine Asche in der Heimat bestatten können. Die Spur von Ormickis sterblichen Überresten führt nach Steyr und wird nun auch über die Botschaft von offizieller polnischer Seite verfolgt.

Auf dem Steyrer Friedhof wurde unter dem Asphalt eines Gehweges eine Gruft entdeckt. In der Mauernische lagerten rund 1000 Urnen ehemaliger KZ-Häftlinge, deren Namen in die Blechdeckel eigens eingestanzt sind. „Das ist ein höchst ungewöhnlicher Fund“, sagt Karl Ramsmaier vom Steyrer Mauthausen-Komitee, das sich seit Jahrzehnten dem Gedenken an die Opfer widmet, „normalerweise haben die Nazis die Toten verbrennen und die Asche der Ermordeten wie Abfall in Gruben verscharren lassen“. Warum die gewissenlosen Völkermörder, für die Menschenleben keinen Pfifferling zählten, den Aufwand betrieben, die Blechurnen in einem Schuppen neben dem Krematorium aufzubewahren, dafür gibt es kaum eine schlüssige Erklärung. Wie auch immer: Zeitzeugen wussten, dass die sterblichen Überreste von Ormicki nach Steyr kamen. Der Wissenschafter starb im KZ Gusen, die Leichen wurden in Kisten nach Steyr zum Krematorium gebracht. Damalige Leidensgenossen konnten sich erinnern, die Urne Ormickis gesehen zu haben, der ja zu Lebzeiten ein bekannter Mann gewesen ist. Ormickis Enkel Marek bemüht sich nun, die Asche seines Großvaters nach Polen zu überführen. Die Urne soll einen Ehrenplatz in der Universität bekommen.

Noch aber ist nicht absolut gewiss, dass Ormicki tatsächlich in Steyr bestattet wurde. Die 1000 Urnen müssen erst gesichtet werden. Derzeit wurde die Krypta auf Geheiß des Innenministeriums mit schweren, unverrückbaren Steinplatten abgedeckt. „Wir wollen nicht, dass rechtsextremistische Grabschänder angezogen werden“, sagt Ramsmaier.

 

1000 Urnen werden nun begutachtet und erfasst

Jahrzehntelang lagerten über 1000 Blechbüchsen vergessen unter dem Asphalt eines Gehweges auf dem Steyrer Friedhof. Das Mauthausen-Komitee Steyr stieß auf Dokumente, dass es diese Lagerstätte geben muss. Im März des vergangenen Jahres wurde die Urnengruft gefunden. Um keine rechtsextremen Grabschänder anzuziehen, wurde der Fund bislang geheim gehalten. Im Frühjahr werden die Büchsen, in denen jeweils eine Nummer und der Name des ermordeten KZ-Häftlings eingestanzt wurde, katalogisiert. In der Zwischenzeit wurde die Bodenkammer auf Anweisung des Innenministeriums mit schweren Steinplatten verschlossen. Nach der Auflistung der Namen soll ein Gedenktext in den Granit geritzt werden.

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Artikel Hannes Fehringer 26. Januar 2012 - 00:04 Uhr
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