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Steyrer Traditionscafé schließt nach 80 Jahren

STEYR. Der 49-jährige Konditormeister verzweifelte zuletzt bei seiner Suche nach Personal. Vor zehn Jahren hatte er gemeinsam mit seiner Gattin Anita den Familienbetrieb übernommen.

Traditionscafé schließt nach 80 Jahren: Peter Brückner sucht einen Nachfolger

„Aus organisatorischen Gründen vorübergehend geschlossen“ – das ist seit wenigen Tagen an der Eingangstür der Café-Konditorei Brückner zu lesen. Dabei könnte es sich auch um das Ende des Traditionsbetriebes handeln. Denn Chef Peter Brückner ist auf der intensiven Suche nach einem Nachfolger. Bild: Baischer

Generationen von Gymnasiasten haben hier nach der Schule ihr tägliches Eis geschleckt, für viele Steyrer waren die Krapfen aus der Brückner-Backstube die besten weit und breit, Stammgäste genossen im alten Gewölbe an der Haratzmüllerstraße bei erstklassigen Mehlspeisen traditionelle Kaffeehauskultur. Doch nun ist alles anders: Konditormeister Peter Brückner, der vor zehn Jahren gemeinsam mit Gattin Anita in dritter Generation den Traditionsbetrieb übernommen hatte, wird vermutlich nie wieder aufsperren. Nachdem er seit August erstmals seit Jahren urlaubsbedingt längere Zeit geschlossen hatte, ist seit wenigen Tagen eine andere Information auf der Eingangstüre zu lesen: "Aus organisatorischen Gründen vorübergehend geschlossen" lautet nun die Auskunft.

"Mir blutet das Herz. Ich kann ja nicht so einfach eine 80-jährige Familientradition ablegen", sagt Peter Brückner. Im Jahr 1938 hatte Großvater Franz die Konditorei unmittelbar gegenüber dem Hotel Minichmayr gegründet, danach führte Vater Peter senior den Betrieb bis zum gesundheitsbedingten Aus vor zehn Jahren.

"Eigentlich möchte ich nicht zusperren", sagt Brückner, der seit 33 Jahren in der Konditorei tätig ist, "seit drei Jahren habe ich die Erzeugung in der Backstube komplett alleine gemacht, aber jetzt finden wir zudem kein Personal mehr im Service. Und zu zweit lässt sich das Café nicht betreiben. Das würde auf Kosten unserer Gesundheit gehen." Eine der beiden Mitarbeiterinnen sei seit August im Mutterschutz, die zweite wollte aufgrund privater Verpflichtungen ihre Arbeitszeit reduzieren.

"Seither arbeite ich gemeinsam mit einem Makler daran, einen Nachfolger für die Konditorei zu finden", sagt Brückner. Leider hätten sich erste Kontakte mit einem Linzer Traditionsbetrieb wieder zerschlagen. Momentan sei er im Gespräch mit Unternehmern aus dem Raum Linz und Steyr.

"Es hat einen Interessenten aus der Region gegeben, der die Konditorei übernommen hätte", sagt Brückner. Allerdings nur unter der Auflage, dass er und seine Gattin weiterhin im Betrieb gearbeitet und die Produkte aus fremder Backstube verkauft hätten: "Aber das wäre ein Qualitätsverlust gewesen, den habe ich nicht gewollt. Da könnte ich den Betrieb auch selbst weiterführen."

Einen Seitenhieb auf die Bürokratie will und kann sich Peter Brückner jedoch nicht verkneifen: "Für uns kleinen Betriebe wird es aufgrund der Auflagen, Vorschriften und Lohnnebenkosten immer schwieriger. Und selbst darfst du keinen Tag krank sein, der Gegenwind wird aber immer heftiger."

Einzig kleiner Trost seien derzeit die Rückmeldungen der Stammgäste: "Ich werde täglich angesprochen. Viele finden es sehr schade, dass nun geschlossen ist."

Leo Jindrak: „Derzeit trau ich mich da nicht drüber“

Gerüchte, wonach sich der Linzer Traditionskonditor Leo Jindrak III in Steyr niederlassen will, halten sich schon lange. Auch als Nachfolger von Peter Brückner wurde er ins Spiel gebracht.

„Ich habe mir alles angeschaut, trau mich derzeit da aber alleine nicht drüber“, sagt Jindrak, der aktuell im Großraum Linz neun Standorte betreibt. Für so ein Projekt weitab vom Stammhaus brauche es erstens gutes Personal, zudem müsste erst eine funktionierende Belieferung aufgebaut werden. „Das Lokal ist wirklich nett, die Qualität von Brückner hat ja ebenso gepasst“, sagt der Linzer, „und Steyr ist eine tolle Stadt mit guter Entwicklung.“ Er sei seit längerem auch mit Robert Hartlauer in Kontakt, fix sei aber noch nichts.

 

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Artikel Gerald Winterleitner 12. September 2018 - 03:31 Uhr
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