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Steyr

Steyr: keiner kommt auf die Idee, das Hitler-Wohnhaus abzureißen

Von Kurt Daucher   21. Oktober 2016 00:04 Uhr

In Steyr kommt keiner auf die Idee, das einstige Hitler-Wohnhaus abzureißen
So hat Turnlehrer Alois Lebeda das Haus gezeichnet, in dem sein früherer Schüler Adolf Hitler in Steyr zu Hause war. Hier ist die Ansicht das Gebäudes zum Ennskai hin zu sehen. Hitlers Zimmer lag im ersten Stock.

STEYR. Wo kein Mythos ist, ist kein Entgegenwirken nötig, sagt Zeitgeschichte-Experte Ramsmaier.

Wie umgehen mit einem Haus, in dem Adolf Hitler gewohnt hat? "Abreißen ist wohl keine gute Lösung", sagt man sich in Steyr, wo – wie in Braunau – ein "Hitler-Gebäude" steht. Genauer gesagt sind es sogar deren zwei.

In Jugendjahren war der spätere deutsche Reichskanzler und oberste Nazi-Verbrecher in Steyr zur Schule gegangen, wenn auch nur ein Schuljahr lang. Aus der einstigen Realschule ist das heute BRG Michaelerplatz geworden. Gewohnt hat der junge Hitler in einem Haus am Grünmarkt.

"Das Hitler-Geburtshaus in Braunau ist ein Mythos", sagt Karl Ramsmaier, der sich als Vorsitzender der Steyrer Mauthausen-Komitees um die Dokumentation und Aufarbeitung jener Verbrechen annimmt, die die Nazis etwa der jüdischen Bevölkerung Steyrs angetan haben. In Braunau müsse daher etwas getan werden. Eine weitere Nutzung als "Haus der Verantwortung" oder eine soziale Nutzung würde diesem Mythos entgegenwirken. Mit Abreißen könne man ihn hingegen nicht aus der Welt schaffen.

Anders als in Braunau

Der Unterschied zum Steyrer Haus, in dem Hitler als Jugendlicher gewohnt hat? "Hier bei uns ist das kein Thema", so Ramsmaier, "es kommen auch keine Touristen, die das Gebäude als Hitler-Haus wahrnehmen." Am Grünmarkt sei folglich gar nichts zu tun. Im BRG Michaelerplatz habe man richtig gehandelt, als man dort mit einer Tafel jenen neun jüdischen Schülern gedenkt, die später im Konzentrationslager umgebracht wurden. Einer dieser Schüler, Josef Sommer, war sogar Klassenkamerad Hitlers.

Damit, dass Häuser abgerissen werden, weil sie von Unmenschen wie Hitler bewohnt wurden, kann sich auch Stadtarchivar Raimund Locicnik nicht anfreunden. "Was kann das Haus dafür?" so die Kritik des studierten Kunstwissenschafters auf den Punkt gebracht. Konsequenterweise wäre es dann mit dem Abriss des Geburtshauses wohl nicht getan. "Und was, wenn Hitler nicht in einem Privathaus, sondern im Krankenhaus auf die Welt gekommen wäre? Müsste man dann ein ganzes Spital dem Erdboden gleichmachen?"

Bedenklich findet Locicnik viel eher, dass das Grünmarkt-Haus, in dem Hitler gewohnt hat, von den Nazis unter Denkmalschutz gestellt wurde – und zwar nur wegen seines einstigen Bewohners. "Ein Dekret, das aus diesem Grund ausgestellt wurde, gehört natürlich für nichtig erklärt."

Auch Bürgermeister Gerald Hackl zeigt sich froh darüber, dass in Steyr kein Platz ist, der von Rechtsextremen als Hitler-Gedenkstätte missbraucht wird. "Es ist ja auch bezeichnend, dass Hitler hier in der Schule gescheitert ist."

 

Hitler in Steyr

Adolf Hitler war im Schuljahr 1904/05 Schüler der Realschule in Steyr, vierte Klasse. Gewohnt hat er zu dieser Zeit im Haus des Kaufmannes Ignaz Kammerhofer (damals Grünmarkt 19). Das Fenster seines Zimmers war ennskai-seitig gelegen.

Die schulischen Leistungen
Hitlers in Steyr waren äußerst
bescheiden. Sein Zeugnis ist im Original zwar nicht mehr erhalten. Aus einer Abschrift geht aber hervor, dass er gleich mehrfach mit Nicht Genügend beurteilt wurde – im ersten Semester in Deutsch, Französisch und Mathematik, im zweiten Semester in Geometrischem Zeichnen. Lediglich in Turnen bekam er zwei Mal ein Vorzüglich zuerkannt. Sein Turnlehrer Alois Lebeda hat das „Hitler-Haus“ später in mehreren Zeichnungen festgehalten.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich 1938 wurden diese auf dem Steyrer Stadtplatz mit Jubel empfangen. Auf eine Rückkehr Hitlers in dessen Kurzzeit-Wohnort warteten die begeisterten Massen aber vergeblich.

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