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Ruhe nach dem Sturm: Christkindl wird nach dem Advent wieder zum Kraftplatz

STEYR. Die Kunstschätze von Steyrs kleinster Pfarre locken in der Weihnachtszeit rund 15.000 angemeldete Besucher und viele Tausende spontane Gäste an. Das will erst verkraftet werden.

Ruhe nach dem Sturm: Christkindl wird nach dem Advent wieder zum Kraftplatz

Der kleine Wallfahrtsort Christkindl lockt alljährlich zur Weihnachtszeit Tausende Besucher an. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt. Bild:

Ein Besuch des Wallfahrtsortes Christkindl gehört zur Vorweihnachtszeit wie die vier Kerzen am Adventkranz: Tausende machen sich regelmäßig auf den Weg. Ein Ansturm, der für die kleine Pfarre mit 1200 Katholiken nur schwer verdaubar ist. Er bedarf eines wochenlangen Kraftaktes von bis zu 70 ehrenamtlichen Helfern. Erst danach kann der Ort wieder zu jenem Kraftplatz werden, der Gläubige von weit her anlockt. Sissy Kamptner ist seit dem Jahr 2004 Pfarrleiterin in Christkindl.

 

Steyrer Zeitung: Die Hochsaison ist vorbei. Sind Sie erleichtert?

Der Advent ist eine wunderbare Zeit, aber jetzt habe ich wieder Zeit für die normalen Dinge. Da geht es nicht nur mir so, sondern allen, die in Christkindl mithelfen, damit alles funktioniert. Am 6. Jänner, wenn abends abgeschlossen ist, versammelt sich daher alljährlich der engste Kreis beim Christkindlwirt, um alles Revue passieren zu lassen. Und Anfang Februar folgt das Treffen mit allen Mitarbeitern.

Der Andrang während der Weihnachtszeit ist enorm.

Diese Zeit, die Mitte November beginnt, betrifft unsere Pfarre natürlich. Es sind etwa 20.000 angemeldete Besucher im Jahr. Wir schätzen, dass es allein rund um Weihnachten 15.000 sind, die mit Bussen und in Gruppen kommen. Und dann gibt es noch all jene, die spontan nach Christkindl fahren. Kaum kommt der Advent, fängt der Trubel so richtig an. Was wäre Steyr ohne Christkindl?

Den Oldtimer-Postbus nicht mitgerechnet: Wie viele Busse kommen täglich?

Am 8. Dezember waren es locker zehn Busse, mit Gruppen kommen bis zu 600 Gäste täglich. Das Interesse an einem Besuch von Christkindl ist ungebrochen.

Wie verkraftet das Steyrs kleinste Pfarre?

Ohne diese funktionierende Pfarrgemeinde mit vielen ehrenamtlichen Helfern wäre das unmöglich. Und es ist natürlich eine organisatorische Meisterleistung unserer Pfarrsekretärin Judith Greindl.

Welche Aufgaben haben diese vielen Helfer?

Sie müssen die Besucherströme lenken, in unserem kleinen Laden Souvenirs verkaufen, Führungen in der Kirche und unseren Krippen machen oder an der Kassa helfen. Natürlich muss das Wissen über den Wallfahrtsort und die vielen Kunstschätze vorhanden sein, um auch die gewünschten Informationen geben zu können.

Wie alt sind diese Freiwilligen?

Anna Stigler ist mit elf Jahren unsere Jüngste, Gernot Schedlberger mit 89 der Älteste.

Hat die Pfarre keine Probleme, genügend Helfer zu finden?

Diese dörfliche Struktur hier am Stadtrand ist faszinierend. Auch wenn wir gewisse Probleme sehen und spüren. Dennoch haben wir genügend Ministranten, Freiwillige für die Sternsingergruppen und auch Helfer für den Advent. Unsere Pfarrgemeinde ist ein wesentlicher Beitrag für mehr Solidarität.

Besteht trotz dieses Adventtrubels überhaupt noch die Chance auf Ruhe und Einkehr?

Ja, und ich finde es schön, dass wir hier die Möglichkeit bieten, mit dem Geheimnis von Weihnachten und mit Gott in Berührung zu kommen. Die Geschichte in Christkindl ist historisch belegt, am Beginn des Wallfahrtsortes stand eine Heilung. Es ist ein Kraftplatz. Obwohl die Menschen immer weniger Zeit haben: unwahrscheinlich, was Busunternehmen alles an Terminen in so eine Reise packen.

Worüber staunen die Besucher?

Die Leute schauen immer wieder, wie klein und überschaubar hier alles ist. Wallfahrtskirche, die mechanische und die Pöttmesser Krippe sowie das Christkindl-Postamt locken natürlich. Ich bin froh, dass wir der Versuchung widerstanden haben, hier auch einen Adventmarkt hinzustellen. Von denen gibt es viele, aber wir sind ein Original, ohne dass man sich durch viele Marktstandln kämpfen muss. Das gibt es nur bei uns.

Die Anliegen der TV- und Radio-Stationen muss Christkindl zusätzlich bewältigen.

Der Auftritt von Elina Garanca hat heuer besonderes Aufsehen erzielt. Und das taiwanesische Staatsfernsehen hat kürzlich aus der Krippe berichtet. Hoffentlich bauen die aber nicht gleich wieder alles nach.

Kehrt in der Pfarre jetzt Ruhe ein?

Nur zum Teil. All diese Gebäude und Kunstschätze müssen ja erhalten werden, das ist eine Hypothek für unsere kleine Pfarre. Es ist einfach unglaublich, was unser Finanzausschussobmann Adelbert Milz in den vergangenen Jahren alles geleistet hat. Und für heuer steht bereits das nächste Projekt, die Innenrenovierung der Kirche, an.

Wie lange werden Sie noch mit dieser enormen Kraft und Begeisterung die Pfarre leiten?

Ich bin jetzt 62 Jahre alt. Ich werde den Job noch drei Jahre lang ausüben, mit Leidenschaft und Freude. Und das, obwohl die Stellung der Frau in der Kirche ja immer noch ein Skandal ist.

Ruhe nach dem Sturm: Christkindl wird nach dem Advent wieder zum Kraftplatz

Sissy Kamptner vor dem Altar in der Wallfahrtskirche Christkindl

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Artikel Gerald Winterleitner 11. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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