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Preisverleihung im Hinterzimmer

SANKT VALENTIN. Die St. Valentiner Stadtpolitik schwänzte die Ehrung der "Freunde des Raader Waldes" mit dem "Hans-Czettel-Umweltpreis". Denn der Eichenwald soll ein Betriebsgebiet werden..

Preisverleihung im Hinterzimmer

Landesrat Androsch (SP) überreichte im Rasthaus „Landzeit“ den Czettel-Preis. Bild: feh

Das "Landzeit"-Rasthaus neben der Westautobahn kennt man als Treffpunkt für Geschäftstermine auf halber Strecke. Landesrat Maurice Androsch (SP) überreichte gestern in einem Hinterzimmer des Hotels die Plexiglastrophäe das "Hans-Czettel-Preises", trank im Vorbeigehen schnell einen Kaffee beim im Gang aufgebauten Brötchenbuffet und verschwand wieder, als hätte er mit der Sache nichts zu tun. Hatte er aber als Obmann des Fördervereins: "Die Jury hat unabhängig ihre Entscheidung getroffen und ich bin nicht als Mitglied der Landesregierung hier."

Normalerweise hätte das Rathaus einen Fotografen geschickt, Bürgermeisterin Kerstin Suchan (SP) und mindestens zwei Stadträte hätten sich aufs Bild gesellt, wenn Gemeindebürger mit dem Preis unter dem Ehrenschutz des einstigen SP-Landeshauptmannstellvertreters bedacht worden wären. Auch eine Vorausmeldung über die Preisverleihung an die "Freunde des Raader Waldes" war das Amtsblatt keine Zeile wert. Die Einladung an die Lokalpresse zu der Überreichung schickten die "Freunde des Raader Waldes", die für eine vollständige Auflistung aller vorkommenden Tier- und Pflanzenarten ausgezeichnet wurden, auch selber aus.

Mit der Akribie, mit der die Bürgerinitiative und die bei ihr ehrenamtlich tätigen Biologen und Ökologen jede Gottesanbeterin, jede Äskulapnatter und jede Mopsfledermaus aufgezeichnet haben, die in dem Wald neben dem OMV-Tanklager leben, hat sie sich nicht nur Freunde gemacht.

Hoffnung auf Naturdenkmal

Vergangenes Jahr verkündete Landtagsabgeordnete und Aufsichtsrätin Michaela Hinterholzer (VP), dass die Landesbetriebsansiedlungsgesellschaft "Eco Plus" 48 Hektar Brachland von der OMV und damit den größten Teil des Raader Waldes um 16,5 Millionen Euro kaufen werde. Dann sollten die Westwinkelgemeinden St. Valentin, Ennsdorf, St. Pantaleon, Ernsthofen und Strengberg Anteile an einem Betriebsansiedlungsgebiet erwerben. Als zu Jahresbeginn die Harvester in den Forst fuhren und die ersten Eichen gefällt wurden, erwirkte die Bürgerinitiative gemeinsam mit dem NÖ. Umweltanwalt Tom Hansmann einen Baustopp. Die Betreiber hatten keine Rodungsbewilligung. Jetzt prüft die Behörde einen Antrag, den Wald zum "flächigen Naturdenkmal" auszurufen. "Der Hans-Czettel-Preis kann für eine Unterschutzstellung förderlich sein", freut sich Norbert Steinwendner von den Waldfreunden.

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Artikel Hannes Fehringer 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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