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"Natur steht immer an der ersten Stelle"

REICHRAMING. Der Nationalpark Kalkalpen forscht an einem effektiven Borkenkäfermanagement.

"Natur steht immer an der ersten Stelle"

Volkhard Maier Bild:

Bei einer Tour durch die zum Welterbe erhobenen Buchenwälder im Nationalpark Kalkalpen erläuterte der neue Nationalparkdirektor Volkhard Maier, der seit Jänner im Amt ist, seine Pläne.

 

Steyrer Zeitung: Was sind die grundsätzlichen Aufgaben beziehungsweise Schwerpunkte eines Nationalparks?

Volkhard Maier: Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf vier wesentliche Säulen. Das übergeordnete Ziel ist der Naturschutz. Außerdem spielen die Themenbereiche Bildung, Erholung und Forschung eine immens wichtige Rolle.

Wie wird Forschung und Bildung konkret betrieben?

Bei der Forschung geht es darum, natürliche Prozesse ohne menschlichen Einfluss verstehen zu lernen. Dabei werden Fragestellungen wie etwa die Entwicklung von Tieren und Pflanzen und den darauf Einfluss nehmenden Anteil von Totholz behandelt. Außerdem haben wir herausgefunden, dass wir weniger Wildverbiss zu verzeichnen haben als Vergleichsflächen in Wirtschaftswäldern, obwohl bei uns weniger Jagd stattfindet. Die Gründe dafür sind uns bis jetzt noch unbekannt, diese gilt es herauszufinden. Was immer wichtiger wird, ist die Entwicklung eines effektiven Borkenkäfermanagements, um dieser Problematik in Zukunft besser entgegenwirken zu können. Im Zuge von Bildung soll Natur vermittelt werden. Beispielsweise durch Schaufütterungen, Führungen oder Informationsveranstaltungen. Wir wollen die Natur in ihrer ganzen Vielfalt nach außen tragen.

Es gibt eine starke Kooperation zwischen den Bundesforsten (ÖBF) und dem Nationalpark. Wie funktioniert diese?

Die Achse zwischen den ÖBF und dem Nationalpark ist enorm wichtig. Wir pachten die Flächen von den ÖBF. Fallen technische Maßnahmen an, werden diese von den ÖBF durchgeführt. Wir verstehen uns als gleichwertige Partner, was eine sehr gute und unabdingbare Vertrauensbasis schafft.

Welche Projekte werden momentan durchgeführt?

Derzeit arbeiten wir an einem neuen Managementplan, in dem künftige Herausforderungen besser dargestellt werden. Außerdem gibt es noch Potenzial zum Ausbau von Nächtigungen in der Region. Momentan wird gerade ein Themenweg auf der Ebenforstalm sowie die Baustelle bei der Großen Klause, dem Aushängeschild des Parks, fertiggestellt. Wichtig zu betonen ist, dass bei allen Maßnahmen der Naturschutz immer an erster Stelle zu stehen hat. Natürlich gäbe es Möglichkeiten, finanzielle Aspekte stärker auszubauen, doch dies würde gleichzeitig mehr Belastung für die Umwelt bedeuten.

Hans Kammleitner, die Betreiber der "Großen Klaushütte" Karoline und Johann Kopf, Volkhard Maier (Bild: Haijes)

Information statt Resignation

Zwei Buchenwälder standen auf dem Besichtigungsprogramm einer geplanten E-Bike-Tour durch den Nationalpark Kalkalpen, zu dem Nationalpark und die österreichischen Bundesforste nach Reichraming geladen hatten.

Die E-Bike-Tour fiel zwar dem Wetter zum Opfer, Hans Kammleitner, zuständiger Förter der österreichischen Bundesforste im Nationalpark, konnte die beiden Buchenwälder auf verschiedenen Standorten dennoch präsentieren. Dabei ging er auf Unterschiede bezüglich Nährstoffe, Licht und daraus folgend dem Baumverhalten ein. Ein Teil der Buchenwälder wurde – wie berichtet – sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt, wovon es in Österreich nur zwei gibt.

Des Weiteren wurde der Hintergebirgsradweg in den Vordergrund gestellt, da es sich dabei um "das Juwel des Ennstals handelt", sagte Kammleitner. Dieser zeichnet sich durch äußerst geringe Steigungen aus, was sportliche Möglichkeiten für die ganze Familie bietet und etwa zu einem Besuch der Großen Klaushütte verleitet.

Diese dient seit der Sanierung als Verpflegungsstelle und Ausflugsziel für Wanderer, Radfahrer und Reiter.

 

Waldmeister-Buchenwald auf nährstoffreichem Standort (Bild: Haijes)

Mit E-Bikes die Natur entdecken

Der Geschäftsführer von "E-Mobility", Rainer Aichinger, vermietet E-Bikes an acht verschiedenen Standorten in Ober- und Niederösterreich. Zusätzlich bietet er geführte Radtouren, Fahrsicherheits- sowie Fahrtechniktrainings an. Durch seinen Hintergrund als Produktentwickler und Marketingverantwortlicher in einem großen Unternehmen erkannte er den Trend schon vor zehn Jahren.

"Die Leute haben mir gesagt, frühestens in ein paar Jahrzehnten könnte ich mit dieser Geschäftsidee erfolgreich sein, heute steigt die Nachfrage von Tag zu Tag", sagt Aichinger.

Das ausgewiesene Europaschutzgebiet Nationalpark Kalkalpen (Bild: Haijes)

Die Kalkalpen: Knapp 21.000 Hektar umfasst die Wildnis des Nationalparks Kalkalpen, rund 90 Prozent der Fläche werden von den Bundesforsten eingebracht. Es gibt rund 30 Säugetiere, 80 Brutvogel- und 1500 Schmetterlingsarten. Außerdem wurden gut 200 Kilometer Wander- und Radwege angelegt.

 

 

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Artikel Florian Sattlberger 13. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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