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Münichholz: Geplant waren 4500 Wohnungen

STEYR. Etwas verspätet hat die unter der Kurzbezeichnung WAG bekannte Wohnungs-Anlagen-Gesellschaft einen kleinen Teil ihrer Festausstellung zum 75-jährigen Bestandsjubiläum vom Architekturforum Linz nach Steyr gebracht.

Bild: Locicnik

Noch bis morgen, Donnerstag, 3. Oktober, können sich Interessierte im Gasthaus Zöchling ein Bild von der Entwicklung der ehemaligen Wohnungs-Aktiengesellschaft machen, die ab 1938 mit der Planung und Ausführung der Großsiedlung Münichholz das größte zusammenhängende Wohnbauprojekt der NS-Zeit in Österreich in die Wege leitete.

Gegründet am 9. Juni 1938 in Linz, verliefen die Interessen der WAG in den Anfangsjahren in der Landeshauptstadt nahezu gleich mit jenen in Steyr. Der Unterschied bestand lediglich darin, dass die Bautätigkeit in Linz auf mehrere Stadtteile verteilt wurde und in Steyr an einem einzigen Standort. In Münichholz, wo eine infrastrukturell völlig autarke Großsiedlung mit 4500 Wohnungen errichtet werden sollte. Realisiert wurden letztendlich bis 1944 2311 Wohnungen in einer Form, die alle städtebaulichen Varianten, von der dichten Wohnblockverbauung bis zur aufgelockerten Reihenhaussiedlung, beinhaltete und damit zum Vorzeigeprojekt im gesamten Deutschen Reich avancierten.

Obwohl der planende Architekt Herbert Rimpl nicht in der ersten Reihe der Planer stand, gelang es ihm, mit dem Rückgriff auf die Gartenstadtarchitektur der Vorkriegszeit und einem gut durchdachten Typenbau Architekturgeschichte zu schreiben. Als Makel blieb ihm allerdings zeitlebens die Involvierung in das NS-Herrschaftssystem erhalten.

Vorzeigeprojekt und Problemfall

Für die WAG, die Stadt Steyr und das Land Oberösterreich wurde das Vorzeigeprojekt Münichholz nach Kriegsende ein Problemfall und sollte es lange bleiben. Durch den Untergang des Dritten Reiches lagen plötzlich die Eigentumsverhältnisse der WAG völlig im Unklaren. Für das Land begann der zermürbende Kampf um den Verbleib des von Niederösterreich annektierten Siedlungsgebietes bei Steyr. Mit Abschluss des Staatsvertrages und der Übernahme der WAG durch die Republik konnte 1955 zumindest ein wesentliches Problem beseitigt werden. Der Streit mit dem Land Niederösterreich ließ sich hingegen erst 1958 beilegen und kostete dem Land und der Stadt eine erkleckliche Summe.

Kaum durchgeatmet, schneite der WAG das nächste Ungemach ins Haus. Viele der Häuser waren nicht bezugsfertig, unzählige beschädigt und reparaturbedürftig und die Kreditfähigkeit der Gesellschaft gleich null. Scheinbar blieb nur ein Weg: eine Mietzinserhöhung. Diese Überlegung trieb natürlich die Bewohner auf die Barrikaden und rief die Politik auf den Plan.

Kurzum: Ab diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen WAG und Mietern lange Jahre mehr als gespalten. Einerseits wünschten viele Münichholzer Verbesserungen und Modernisierungen, andererseits fürchtete man um die günstigen Mieten. Dazu kam, in diesem rein aus „Zugezogenen“ bestehenden Stadtteil, die generelle Angst, die lieb gewonnene kleine Welt der materiellen, sozialen und emotionalen Errungenschaften zu verlieren.

Eder-Erbhof musste weichen

Während sich in Linz die WAG zunehmend zu einem der größten, innovativen gemeinnützigen Wohnungsunternehmen des Landes entwickelte, blieb in Steyr die Neubautätigkeit eher gering und die Verwaltung des Bestandes im Vordergrund. Als Ende der 1970er-Jahre die Grünfläche an der Sebekstraße verbaut werden sollte und wenig später der uralte und kulturhistorisch wertvolle Eder-Erbhof der Spitzhacke zum Opfer fiel, sahen zahlreiche Ur-Münichholzer das Ende der Beschaulichkeit gekommen. Proteste und Unterschriftenaktionen folgten, und bei jedem Baum, der gefällt wurde, flatterten den Zeitungen empörte Leserbriefe ins Haus.

Mit der Bebauung der Baulücken kamen in den letzten vier Jahrzehnten immer mehr Jungmieter nach Münichholz. Mit ihnen wurde auch das Interesse an einer Komplettrenovierung der Gebäude forciert. Ob dabei Eingriffe wie Vollwärmedämmung, Fenstertausch und Parkflächenvergrößerung dem Stadtteil mehr Lebens- und Erlebensqualität bringen, wird erst die Zukunft zeigen.

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Artikel Raimund Locicnik 02. Oktober 2013 - 00:04 Uhr
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