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Franz Draber, der aus Todeszelle der Nazis floh, „erhält“ eine Straße

STEYR. Eine neue Straße vor Schrebergärten erinnert an einen Häftling, der aus der Todeszelle der Nazis entflohen ist. Mit der Namensgebung für Franz Draber bewahrt die Stadt einen weiteren Widerstandskämpfer gegen Hitler und das Hakenkreuz im Gedächtnis.

Franz Draber, der aus Todeszelle der Nazis floh, „erhält“ eine Straße

Das andere Gesicht Steyrs in der Nazi-Zeit: Neben Franz Draber wurden weitere Widerstandskämpfer auf Straßen verewigt. Bild: OÖN-Archiv

Das „Verbrechen“ des Arbeiters war, für die Angehörigen von KZ-Häftlingen Geld zu sammeln und in der Fabrik Gegner der Braunhemden zu vereinigen. Franz Draber, Jahrgang 1913, wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ im Mai 1944 verhaftet und zum Tod verurteilt. „Hier ist noch keiner rausgekommen“, raunte ihm ein Scherge im Zuchthaus Stadelheim bei München zu, wo der Steyrer hingerichtet werden sollte. Als er zum Wasserholen eingeteilt war, sprintete der gute Langstreckenläufer im Gefängnishof los und entwischte durch ein kleines Eisentor. Draber schüttelte die Wachen ab. Auf seiner Flucht gab eine Hausfrau in Bayern dem ausgehungerten Flüchtling, der die Winternacht unter einem Reisighaufen geschlafen hatte, eine warme Suppe und einen Semmelknödel zu essen. Draber irrte weiter in der Fremde herum, lernte in einem Gasthof eine Landkarte auswendig. Nach Tagen riskierte er mit wunden Füßen sein Leben, schlich zu einem Bahnhof und stieg in einen Zug. Obwohl die Nazis an jedes Gemeindeamt seinen Steckbrief verteilten, schaffte es Draber bis nach Kriegsende auf einer Alm in Hinterstoder unerkannt als Schafhirte zu überleben. Seinen Einsatz für andere setzte der Kommunist bis an sein Lebensende im Jahr 1996 fort.

Mit Straßenbenennungen nach Draber, Anton Ulram und Franz Zehetner setzt die Stadt die Gedenkarbeit an mutige Männer und Frauen, die dem Verbrecherregime der Nazis trotzten, fort. „Es ist wichtig, dass das Beispiel dieser Menschen in Erinnerung bleibt und als Vorbild gewürdigt wird“, sagt Stadtrat Walter Oppl (SP). Während Ulram seinen Widerstand mit dem Leben bezahlte und kurz nach seinem 23. Geburtstag hingerichtet wurde, war Zehetner 1934 als Arbeiterbetriebsrat in den Steyr-Werken nach den Februarkämpfen vor dem Dollfuß-Regime nach Tschechien geflohen. Nach seiner Heimkehr nach Steyr war Zehetner von 1949 bis 1952 Stadtrat. Im Stadtteil Münichholz hat die Stadt bereits NS-Opfern wie Herta Schweiger, Bertl Konrad, Karl Punzer oder Erwin Puschmann, die für Anstand und menschliche Gesinnung den Kopf hingehalten haben, Straßenzüge gewidmet.

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Artikel Hannes Fehringer 04. März 2011 - 00:04 Uhr
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