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Fahrgäste stopften Loch auf desolater Schmalspurbahn

YBBSITZ. Ein Bautrupp, aber keiner von den ÖBB, sondern hemdärmelige Fahrgäste reparierten gestern die vom Hochwasser unterspülten Geleise der Ybbstalbahn. Eine Baufirma half den Eisenbahnfreunden sogar mit einem Bagger aus.

Fahrgäste stopften Loch auf desolater Schmalspurbahn

Den ÖBB guten Willen vorgezeigt: Mit Arbeitseinsatz behoben Eisenbahnfreunde Flutschäden. Bild: feh

Am frühen Morgen rückte ein Bautrupp mit zwei Scheibtruhen, Krampen und Schaufeln aus, um das Loch am Bahndamm vor Ybbsitz zu stopfen. Auf fünf Meter Länge hingen die Geleise in der Luft, nachdem ein Hochwasser den Schotter in einen Hausgarten fortgespült hat. Peter Kimeswenger, der in seinen Berufsjahren als Schaffner auf der Westbahn fuhr, hatte den Plan im Kopf. Der ÖBB-Pensionist und Waidhofner Gemeinderat hatte Fachwissen von früheren Kollegen vom Oberbau geholt. Als am Vormittag ein Bagger eines örtlichen Bauunternehmens anrollte und ein Muldenkipper Steinblöcke ablud, war sich Peter Haibach vom Verein „Pro Bahn“ sicher, es den ÖBB zu zeigen, dass die Strecke mit gutem Willen an einem Tag befahrbar gemacht werden kann: „Wir wehren uns, dass die Bahnlinie einfach durch Nichtstun lahmgelegt wird“. Am Freitag soll es eine Probefahrt auf der Schmalspurstrecke geben, auf der laut ÖBB-Fahrplan nur noch ein Zug am Tag verkehrt.

ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif kann nur mitteilen, dass in zwei Wochen der Zug wieder fahren werde. Wie sehr die Hilfsaktion der 15 Eisenbahnfreunde in Warnwesten nützlich war, werde man bei einer Begehung feststellen. Seif erinnerte an das Verbot für jedermann, die Gleisanlagen zu betreten: „Das gilt auch während ein Schienenersatzverkehr fährt“. Bewusst habe man nicht die Polizei gerufen und – wissend dass es sich gestern um eine Protestaktion gehandelt hat – würden die ÖBB auch von einer Besitzstörungsklage absehen: „Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Haibach hat unterdessen eine Sachverhaltsdarstellung an die Eisenbahnbehörde gesandt mit dem Vorwurf, dass die ÖBB ihrer Streckenerhaltungspflicht nicht nachgekommen seien.

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Artikel Von Hannes Fehringer 09. Juli 2009 - 00:04 Uhr
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