Drogenprozesse in Steyr: Mehrjährige Haftstrafen

Von Gerald Winterleitner   15.November 2017

"Mit Repression alleine lässt sich dieses Drogenproblem nicht in den Griff bekommen", sagt ein Ermittler der Steyrer Exekutive, "Prävention ist für uns daher ganz wichtig." Doch hier stößt die Polizei aufgrund der angespannten Personalsituation längst an die Grenzen des Leistbaren.

Die Drogenszene ist in der Region nach wie vor höchst aktiv. Ein Blick ins Landesgericht Steyr zeigt dies deutlich. Erst im September waren bei Prozessen wieder mehrjährige Haftstrafen wegen Suchtmittelmissbrauchs ausgesprochen worden.

10.000 Tabletten

Ein 37-jähriger Libanese wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis, sein Neffe (20) zu drei und seine Lebensgefährtin (29), eine Österreicherin, zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Frau konnte dabei der Import von 10.000 Ecstasytabletten im Wert von rund 100.000 Euro nachgewiesen werden. Das Trio soll zudem mit Heroin und Cannabis gehandelt haben, der Libanese dürfte darüber hinaus mit Gewaltexzessen gedroht haben.

Nur drei Wochen zuvor wurde ein 18-jähriger Dealer aus Nigeria zu 20 Monaten Haftstrafe verurteilt. Im März hatten neun Dealer auf der Anklagebank Platz genommen, die mehr als 70 Kilogramm Cannabis im Gegenwert von rund 700.000 Euro aus Tschechien importiert hatten. Sie fassten Haftstrafen im Ausmaß von drei Jahren bis zu zehn Jahren und neun Monate aus. Und im Dezember muss sich ein junger Steyrer wegen Cannabis- und Heroinhandels am Landesgericht verantworten.

Wie schwierig sich der Kampf von Polizei und Justiz gegen die Drogenkriminalität gestaltet, weiß Richter Christoph Mayer, Vizepräsident und Mediensprecher am Landesgericht Steyr: "Hinter diesen Erfolgen steht oftmals monatelange Ermittlungsarbeit der Polizei", sagt Mayer, "und sobald ein Dealer festgenommen und verurteilt ist, poppt bereits an anderer Stelle ein neuer auf." Der Markt sei vorhanden, die Szene flexibel.

Wie groß die Drogenszene in der Region tatsächlich ist, lässt sich nur sehr schwer abschätzen. Alleine in Steyr befinden sich aktuell rund 160 bis 200 Süchtige in Substitutionstherapie. Zumindest doppelt so hoch dürfte die Zahl jener sein, die Opiate konsumieren. Wie viele Steyrer nach Aufputschmitteln wie Crystal Meth süchtig sind, lässt sich nicht abschätzen.

"Wir registrieren aber, dass der Markt hier ein wenig zurückgeht, Cannabis aber weiterhin ein sehr großes Thema ist und bei Ecstasy verzeichnen wir eine Schwemme", sagt Mayer. Auch Heroin und Kokain seien wieder im Kommen.

Nahezu ungebremst floriert der Drogenhandel auch im sogenannten "Darknet". Erst vor einem Jahr war die Exekutive einem 45-jährigen Koch aus dem Raum Steyr auf die Schliche gekommen, der bequem via Post mehr als 350 Abnehmer beliefert hatte.

"Das Unrechtsbewusstsein der Drogen-Konsumenten ist leider nicht sehr ausgeprägt", sagt ein Ermittler. Die Meinung, dass Anbau und Eigenkonsum von Drogen erlaubt sind, sei weit verbreitet.