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Steyr

Diese Luftballons helfen erinnern

Von Kurt Daucher   21. Juli 2015

Diese Luftballons helfen erinnern
Zunächst begab sich der Erinnerungszug vom Museum Arbeitswelt zum Friedhof auf dem Tabor. Dort erfolgte der Ballonstart.

STEYR. Mit der Aktion wurde jener KZ-Opfer gedacht, deren Urnen in Steyr falsch gelagert sind.

1000 schwarze Luftballons steigen nahe dem Taborturm in den Sommerhimmel hinauf. Ihre Mission: Sie sollen erinnern helfen an das, was nie mehr wieder passieren soll – und an jene 1000 KZ-Opfer, deren Urnen vor vier Jahren in einer versteckten Gruft auf dem Steyrer Friedhof gefunden wurden. 40 Jugendliche schauen den Ballons, an denen Kärtchen mit QR-Codes hängen, hinterher. Sie – die jungen Leute aus Steyr und Hannover – haben das außergewöhnliche Spektakel vorbereitet. Auch interessiertes Publikum nimmt an der Aktion teil ...

Am vergangenen Freitag war das. Mit dem Ballonstart wurde ein dreitägiges Projekt abgeschlossen, zu dem sich im Museum Arbeitswelt zusammengefunden hatten. Dabei wurden Vorschläge zum weiteren Umgang mit dem Urnengrab erarbeitet.

Dass etwas passieren muss mit der Ruhestätte, die so lange Zeit versteckt war: Darauf pocht auch Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr. "Wir reden jetzt schon seit vier Jahren herum", sagt er im Gespräch mit der Steyrer Zeitung. Wichtig sei, dass die Urnen in einer neuen Gruft beigesetzt werden, und dass es einen entsprechenden Hinweis darauf gibt, eine Gedenktafel oder ähnliches.

Eine Umbettung der Urnen, so Ramsmaier, sei auch aus rechtlichen Gründen notwendig. Einem Gesetzt zufolge, dürfe nicht über Gräber gegangen werden. In Steyr sei das aber der Fall. "Die Gruft ist zunächst außerhalb des Friedhofs gelegen. Der ist dann erweitert worden. Und über die Abdeckung der Gruft ist einfach drüber-asphaltiert worden."

Innenministerium ist zuständig

Weil sie der Kategorie Kriegsgräber zuzuordnen ist, fällt die Gruft in die Zuständigkeit des Innenministeriums. "Von dort gibt es auch positive Signale", so Ramsmaier, der auch um die Größe des Projekts weiß: Zunächst muss jede Urne erfasst und katalogisiert werden. Um die Gestaltung der neue Gruft bzw. der Gedenktafel wird sich ein Künstler kümmern müssen. Für den Bau und die Vorarbeiten muss freilich auch Geld zur Verfügung gestellt werden. "Ich hoffe trotzdem, dass das alles zeitnah geschieht."

Das einzigartige an der Gruft: Es scheint, dass in allen Urnen die Namen der jeweiligen Opfer eingraviert sind. Diese stammen aus fast ganz Europa. Der Großteil von ihnen dürfte im KZ Mauthausen umgebracht worden sein. Aber auch solche aus Gusen wurden, wie man weiß, nach Steyr gebracht.

Bei ihrem Projekt im Museum Arbeitswelt haben die Oberstufenschüler auch einen Kurzfilm erstellt, den man unter dem Titel "Würden Sie über Leichen gehen?" im Internet findet. "Wir wissen dass so ein Titel provokant ist, wir haben auch lange darüber diskutiert", erzählt Dilara Hecht von der Integrierten Gesamtschule Roda-bruch, Hannover. Man wollte aber so Aufmerksamkeit für ein Thema erregen, das zu lange unter den Teppich gekehrt worden ist.

Über die QR-Codes, die mit den schwarzen Luftballons verschickt wurden, wird man direkt mit dem Film verlinkt, auch über die Homepage des Museums Arbeitswelt ist er einsehbar.

Diese Luftballons helfen erinnern
Schülerin Dilara Hecht hat den Ballonstart mit dem Handy fotografiert.

Schülerin Dilara Hecht hat den Ballonstart mit dem Handy fotografiert

 

Projekt

Der Geschichtskurs an der Hannoveraner Gesamtschule Rodabruch hat bereits voriges Jahr in Steyr geforscht.

Beim Projekt heuer wurden nebst anderem die Biografien von 13 KZ-Häftlingen erstellt, deren Urnen man als Stichproben aus dem 2011 entdeckten Urnengrab entnommen hatte.

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