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Oberösterreich

Schwere Vorwürfe gegen Ennser Gesundheitszentrum

Von René Laglstorfer 03. August 2019 00:04 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen Ennser Gesundheitszentrum
Die erste Primärversorgungseinrichtung des Landes öffnete 2017.

ENNS. Patienten der Primärversorgungseinrichtung Enns sollen falsch behandelt bzw. gefährdet worden sein.

13 Primärversorgungseinrichtungen (PVE), die als Zukunftsmodell der ärztlichen Versorgung gelten, soll es bis zum Jahr 2021 in Oberösterreich geben – derzeit sind es vier. In Vorbereitung sind laut Gebietskrankenkasse (GKK) die neuen PVE-Standorte Linz, Wels und Traun. Nach dem Streit in der PVE Neuzeug-Sierning, bei dem drei von sechs Ärzte ausgetreten sind und den Geschäftsführer angezeigt haben – die OÖN berichteten am 29. April –, wurden die Ermittlungen eingestellt. Doch nun erheben Ex-Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen die PVE Gesundheitszentrum Enns (jedoch nicht gegen die dort eingemieteten Fachärzte, Anm.), die vom selben Geschäftsführer geleitet wird.

Mehrere Ex-Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen, berichten nach gemeinsamen Recherchen der OÖNachrichten und des Fachmagazins "Medical Tribune" übereinstimmend von fahrlässiger Patientengefährdung und falschen Behandlungen, die von medizinisch nicht befugtem Personal im Jahr 2017 durchgeführt worden sein sollen, darunter Infusionen, Impfungen und das Einstellen von Blutverdünnungsmedikamenten. Beispielsweise soll eine Ordinationsassistentin ein Medikament, das unter die Haut gespritzt werden muss, ohne Rückfrage intravenös als Infusion verabreicht haben. "Wir haben das dem Geschäftsführer und einem Arzt gesagt. Das hat niemanden interessiert: ‚Es ist ja eh nichts passiert’, hat es geheißen", sagt ein Ex-Mitarbeiter.

Tatsächlich dürfen Ordinationsassistenten laut dem Medizinischen Assistenzberufe-Gesetz nur Blutabnahmen, aber keine Infusionen oder Behandlungen durchführen. Warum es dennoch dazu kam? "Das Credo des Geschäftsführers ist: Jeder soll alles machen. Er hat selbst Infusionsnadeln aus mehreren Patienten gezogen, bis sich darüber immer mehr beschwert haben", sagen zwei Ex-Mitarbeiter.

Wegen der hohen Personalfluktuation hat die GKK im Herbst 2017 die PVE Enns evaluiert und stundenlange Gespräche mit mehreren Ex-Mitarbeitern geführt. Viele glaubhafte Vorwürfe wurden dokumentiert, personelle Konsequenzen gab es jedoch nicht. Ein GKK-Sprecher sagte auf Anfrage, dass "berufsrechtliche Befugnisse der verschiedenen Gesundheitsberufe jedenfalls einzuhalten" seien und "PVE-Pilotmodelle regelmäßig und umfassend evaluiert" würden. Die nächste "umfassende Evaluation" stehe "spätestens zum Ende der Pilotphase" an, also 2021.

Doch eine Patientin, die seit 15 Jahren an einer Autoimmunerkrankung und an einem drohenden Darmverschluss leidet, wirft dem PVE Enns aktuell vor, ihr eine Woche lang die Behandlung und dringend benötigte Medikamente verweigert zu haben. "Eine Sprechstundenhilfe hat mir gesagt, dass sie einen Darmverschluss lustig findet und ich sowie selbst schuld sei", sagt die schwerkranke Frau. Über allen – selbst den Ärzten – stehe der PVE-Geschäftsführer, der sich offen in Patientenbelange einmische.

"Keine Nadeln selbst gezogen"

Dieser kann sich auf Anfrage an keine Patientengefährdung erinnern. Ausschließen könne er sie jedoch nicht, weil er kein Arzt sei und das nicht beurteilen könne. Sein Credo, dass jeder alles können müsse, beziehe sich lediglich auf die EDV-Dokumentation. Infusionsnadeln aus Patienten habe der Geschäftsführer nicht entfernt.

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