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Oberösterreich

Schöneben: "Hohe Förderung, aber kein wirtschaftlicher Erfolg für die Gemeinde"

22. Mai 2019 00:04 Uhr

Schöneben: "Hohe Förderung, aber kein wirtschaftlicher Erfolg für die Gemeinde"
Das Projekt an der tschechischen Grenze

ULRICHSBERG. Scharfe Rechnungshof-Kritik an Tourismusprojekt: Gemeinde Ulrichsberg schloss laut Prüfbericht einen für sie unwirtschaftlichen Vertrag mit einem privatem Hotelbetreiber.

Es sollte ein Touristenanziehungspunkt im Norden unseres Bundeslandes werden: 2009 investierte die Gemeinde Ulrichsberg in ein "Waldkompetenz- und Langlaufzentrum Böhmerwald" in Schöneben samt 2300 m2 großem Gebäude.

Von den ursprünglich 5,8 Millionen Euro Aufwendungen für das Projekt flossen alleine 4,2 Millionen Euro aus Förderungen der EU, des Bundes und des Landes, wie der Landesrechnungshof (LRH) in einem aktuellen Bericht feststellt. Der Rest des Geldes kam von der Gemeinde bzw. der gemeindeeigene Betriebs-GmbH, die – finanztechnisch ungünstig – dafür einen Kontokorrentkredit in der Höhe von 1,7 Millionen Euro aufnahm.

Hotel "Inns Holz" in Schöneben

Vorteilhaft ist: Das Projekt habe "positive Auswirkungen auf die Nächtigungszahlen oder die Einnahmen aus den Langlaufloipen", so der LRH. Negativ ist: "Diese Effekte wurden aber vor allem durch die Förderung der öffentlichen Hand ermöglicht", so der LRH. Zu einem wirtschaftlichen Erfolg für die Gemeinde habe sich das Projekt nie entwickelt.

Was laut Rechnungshof auch an einem für die Gemeinde "unwirtschaftlichen Pacht- und Kaufvertrag" mit einem Hotelbetreiber aus der Region liege, der jetzt in Schöneben das Hotel "Inns Holz" betreibt.

Doch zum Beginn der Geschichte: Die Einnahmen aus der ursprünglichen Verpachtung der Gastronomie (an einen anderen Betreiber) ließen schon in den Anfangsjahren zu wünschen übrig. Bereits Ende 2010 suchte die gemeindeeigene Betriebs-GmbH nach Varianten, wie man das Gebäude zumindest kostendeckend weiter betreiben könne.

Zu niedriger Kaufpreis?

Da kam der Hotelier aus Aigen ins Spiel. Er bot an, in Schöneben weiteres Geld zu investieren und das ursprünglich nur auf Tagesgäste ausgelegte Projekt zu einem Hotel mit Chalets auszubauen. "Mangels Alternativen schloss die GmbH mit jenem privaten Hotelbetrieb unwirtschaftliche Pacht-, Options- und Kaufverträge", sagt LRH-Direktor Friedrich Pammer.

So könne der Hotelier das Hauptgebäude samt 14.200 m2 großem Grundstück Ende 2030 um 1,45 Millionen Euro erwerben – davon werden alle bis dahin geleisteten Pachtzahlungen (60.000 Euro pro Jahr) abgezogen. "Dies stellt aus Sicht des LRH einen ungewöhnlich niedrigen Wert dar", halten die Prüfer fest. Bei einem solchen Verkauf könnte die Gemeinde sogar auf Bankverbindlichkeiten in der Höhe von 400.000 Euro oder noch höher sitzen bleiben, kritisiert der Rechnungshof.

Die Hotelbetreiber weisen in einer Stellungnahme darauf hin, dass das Hauptgebäude nicht nach ihren Bedürfnissen geplant sei. Das sei bei der Beurteilung eines angemessenen Kaufpreises zu beachten.

Weiterer Kritikpunkt der Prüfer aus Linz: Das Projekt habe sich von der Ursprungs- Idee des Waldkompetenz- und Langlaufzentrums mittlerweile ein gehöriges Stück entfernt. Für Tagesgast-Sportler gebe es zwar kleine Garderoben und zwei Duschkabinen im Hauptgebäude, jedoch keinen Hinweis auf die öffentliche Zugänglichkeit. Zudem seien für Sport gewidmeten Räume reduziert worden und stünden nur noch zeitlich eingeschränkt zur Verfügung. Auch die Museumsfläche des Waldkompetenzzentrums sei "zugunsten des Hotelbetriebs verringert worden", kritisiert der LRH.

Wirtschafts- und Sportlandesrat Markus Achleitner (VP) nannte die LRH-Empfehlungen "wertvoll". Er verwies darauf, dass das Land bereits neue Sportförderrichtlinien umgesetzt habe. Zugleich betonte er, dass das Projekt der Region "wichtige touristische und sportliche Impulse" gebracht habe. (mst)

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