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Salzkammergut

Wirtin wegen "Verhetzung" angezeigt

Von Edmund Brandner   15. Januar 2016 03:26 Uhr

Wirtin wegen "Verhetzung" angezeigt Stadtpolitiker wollen die Wogen glätten
Außerhalb von Charly’s Bar werden Flüchtlinge in Bad Ischl herzlich aufgenommen. Hier ein Bild aus dem Gymnasium.

BAD ISCHL. Lokalverbot für Flüchtlinge und seine Begründung erregen international Aufmerksamkeit.

Normalerweise kämpft die Tourismusmetropole Bad Ischl um mediale Aufmerksamkeit, doch was diese Woche passierte, war so nicht geplant. Die Entscheidung der Lokalbetreiberin Karin Siebrecht-Janisch (Charly’s Bar), keine Flüchtlinge mehr in ihr Lokal zu lassen, weil diese dort Frauen sexuell belästigt haben sollen, ließ die Wogen hochgehen. Vor allem die Mitteilung der Wirtin auf Facebook ("Wir sind asylantenfrei") erregte Aufsehen. Deutsche und schweizerische Zeitungen glauben, ein neues Köln gefunden zu haben, die bürgerliche "Presse" berichtet aus dem Nachtleben Bad Ischls, und auf Facebook hyperventilierten Sendungsbewusste noch mehr als sonst.

In Bad Ischl selbst wird indessen immer noch über die Fakten gestritten. Karin Siebrecht-Janisch widerspricht der Darstellung von SP-Sozialstadträtin Ines Schiller, die erklärt hat, bei einer Gegenüberstellung mit Flüchtlingen in der Sarsteinstiftung hätte die Wirtin keinen Täter wiedererkennen können. "Wir haben sehr wohl einige identifizieren können", so Siebrecht-Janisch. Am Mittwoch hat auch eine Kellnerin, die sexuell belästigt wurde, Anzeige erstattet.

Doch auch die Wirtin Karin Siebrecht-Janisch muss sich mit einer Anzeige herumschlagen. Wegen ihres umstrittenen Faceboot-Eintrags wurde sie vom Linzer Kriminalbeamten und Datenforensiker Uwe Sailer wegen "Verhetzung" angezeigt.

Auch Freiheitliche kalmieren

Die Verantwortlichen in der Stadt bemühen sich um Beruhigung. Sie weisen darauf hin, dass die Lokalszene rund um den Schröpferplatz schon immer ein nächtlicher Unruheherd war – inklusive sexueller Belästigungen in einschlägigen Lokalen. Laut Polizei verursachten die Flüchtlinge in Bad Ischl bisher überhaupt keine Schwierigkeiten, wohl aber andere Gäste in "Charly’s Bar".

Auch FP-Vizebürgermeister Anton Fuchs kalmiert. "Wenn es Probleme gibt, müssen wir gemeinsam versuchen, sie mit Hausverstand zu lösen", sagt er. Die Bad Ischler Freiheitlichen waren nicht begeistert darüber, dass Bad Ischl 120 Flüchtlinge aufnahm – und damit mehr als die meisten anderen Gemeinden im Bezirk. Aber sie machen keine Stimmung gegen die Asylwerber. "So, wie es läuft, passt es auch", sagt Fuchs. "Wir müssen nur aufpassen, dass die Stimmung in der Bevölkerung nicht kippt. Und wir dürfen die Menschen in Bad Ischl nicht überfordern."

Auch SP-Bürgermeister Hannes Heide hofft auf Beruhigung. "Die Menschen in unserer Stadt leisten extrem viel, um den Flüchtlingen zu helfen", sagt er. "Es ist schade, dass ein einziger ungeschickter Facebook-Eintrag das jetzt alles überstrahlt."

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