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Kaiser und Kühe - alle fuhren damit: 175 Jahre Traunseeschifffahrt

GMUNDEN. Am 15. Mai 1839 nahm mit dem Raddampfer Sophie die kommerzielle Traunseeschifffahrt ihren Betrieb auf und beendete die Isolation des Salzkammerguts.

Traunsee Gisela Raddampfer

Beinahe wäre sie vor 30 Jahren verschrottet worden: Heute ist die Gisela das Flaggschiff am Traunsee und sein Wahrzeichen. Bild: Weihbold

Ebensee und Gmunden trennen Welten – vor allem aber der Traunsee. 1877 wurde die Bahnlinie gebaut, 1861 eine Uferstraße. Zuvor aber war von Norden her der Schiffsweg über den Traunsee der einzige Zugang zum Salzkammergut.

In dieser Zeit nutzten zwei Engländer den Siegeszug der Dampfmaschine, um eine Schiffslinie am Traunsee zu gründen: Investor John Andrews und Schiffbaumeister Joseph John Ruston erwarben 1836 die kaiserliche Konzession zur Ausübung der Dampfschifffahrt auf fünf Salzkammergut-Seen, darunter auch auf dem Traunsee. Nach den Plänen von Ruston wurde ein hölzerner Raddampfer namens Sophie gebaut. Er ging am 15. Mai 1839 in Betrieb.

Monopolstellung am Traunsee

Nach dem Tod Andrews’ 1847 übernahm Ruston das Ruder und baute das Geschäft stetig aus. Seine Traunseeflotte trug wesentlich dazu bei, die Isolation des Kammergutes aufzuweichen. Alles traf sich auf den Schiffen: Die kaiserliche Familie reiste (unter Deck) zur Sommerfrische an, Ebenseer Kühe wurden (über Deck) zum Markt nach Gmunden verfrachtet.

Ruston stellte weitere Schiffe in Dienst. Und während er sich bei der Namensgebung konservativ gab (Sophie, Elisabeth und Gisela hießen so wie die Kaisertöchter), ging er technisch mit der Zeit. Mit der Elisabeth wurde 1858 das erste Stahlschiff der Flotte in Betrieb genommen, ihr Schwesterschiff Gisela (1872) besaß eine Dampfmaschine aus Prag, die Maschinenbauern noch heute das Wasser in die Augen treibt.

Als Straßen und Schienen die Monopolstellung der Traunseeschiffe beendeten, war diese plötzlich auf ihre touristische Rolle zurückgestutzt. Nach dem Ausscheiden der Familie Ruston (1916) übernahm zunächst der Ebenseer Technikpionier Rudolf Ippisch (Elektroschiffe) die Flotte. 1977 verkaufte er sie schließlich an die Gmundner Familie Eder.

Die unwirtschaftlichen Dampfschiffe der ersten Jahrzehnte wurden in diesen Jahrzehnten nach und nach ausgeschieden. 1969 wurde die Elisabeth verschrottet. Das gleiche Schicksal sollte Anfang der Achtzigerjahre die Gisela ereilen. Eine Bürgerinitiative in Gmunden konnte das (mit Unterstützung einer OÖN-Kampagne) zum Glück verhindern.

Heute ist die Traunseeschifffahrt Karl-Heinz Eder GmbH ein touristischer Leitbetrieb und ebenso wenig vom Traunsee wegzudenken wie ihr ehrwürdiges Flaggschiff Gisela. Das Unternehmen steht für Ausflugsfahrten ebenso wie für Eventveranstaltungen. Kaum etwas erinnert noch an den alten Transport zwischen Ebensee und Gmunden. Als Bindeglied zwischen den beiden Welten funktioniert die Traunseeschifffahrt aber nach wie vor. Jetzt allerdings touristisch.

Fest am Samstag

Am Gmundner Rathausplatz geht am Samstag, ab 9 Uhr, ein Festakt mit Landeshauptmann Josef Pühringer über die Bühne. Am Nachmittag lädt die Traunseeschifffahrt zu Gratisfahrten ein, die Anmeldung dazu ist bei allen Gemeindeämtern der Traunseegemeinden möglich. Aber auch die anderen fünf Schiffe der Traunseeschifffahrt werden im Einsatz sein. Beim Fest wird zudem eine Sonderbriefmarke präsentiert, sowie ein Puzzlespiel mit der Gisela. Im Gmundner K-Hof-Museum findet ab Freitag eine Sonderausstellung über die Geschichte der Schifffahrt am Traunsee statt.

Im Rahmen der Salzkammergut-Festwochen wird es im Sommer eine Lesung von Otto Brusati, bei den Filmtagen werden historische Filme zur Schifffahrt präsentiert. Im November schließlich wird am Traunsee das Internationale Binnenschifffahrtstreffen stattfinden.

 

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Artikel Edmund Brandner 15. Mai 2014 - 00:04 Uhr
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