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Salzkammergut

Attersee: Mehr Zweitwohnsitze als Einwohner

23. Juni 2016 00:04 Uhr

"Nebenwohnsitze belasten Budget"
Walter Kastinger, Hannes Heide und Egon Höll fordern eine Zweitwohnsitzabgabe. Abgeordnete Sabine Promberger bringt einen Landtagsantrag ein.

SALZKAMMERGUT, LINZ. In vielen Gemeinden im Salzkammergut steigt die Zahl der Zweitwohnsitze rapide an.

Besonders dramatisch ist die Lage in Nußdorf am Attersee: Hier gibt es 509 Haushalte mit Hauptwohnsitz, aber gleich 682 Nebenwohnsitze. Auch in der Gemeinde Attersee haben die Personen mit Zweitwohnsitz bereits knapp die Nase vorn: Es steht 1611 zu 1603.

Der hohe Zweitwohnsitz-Anteil wächst sich für viele Gemeinden zu einem veritablen Problem aus: Denn eine im Hauptwohnsitz gemeldete Person bringt nach Berechnungen der Kommunalkredite einer Gemeinde im Durchschnitt in Oberösterreich 802 Euro aus dem Finanzausgleich. Eine Person mit Nebenwohnsitz dagegen keinen Cent. Die kostenintensive Infrastruktur muss die Gemeinde trotzdem zur Verfügung stellen. Immer mehr Bürgermeister fordern daher das Recht, eine Steuer für Zweitwohnsitze einheben zu dürfen. Nebenwohnsitze belasten das Budget, sagt Walter Kastinger, Ortschef von Attersee: "Es gibt eine Schieflage im Finanzausgleich. Wir erhalten für unsere Arbeit keine entsprechende Abgeltung." Die hohe Dichte an Zweitwohnsitzen treibt aber die Immobilienpreise nach oben: "Das führt zu einem Abgang an jungen Familien, die sich diese Preise nicht mehr leisten können."

Die Kosten für Infrastruktur müssten ausschließlich die Bürger mit Hauptwohnsitz tragen, sagt Bürgermeister Egon Höll aus Obertraun: "Es wäre fair, wenn auch die Zweitwohnsitzinhaber einen Beitrag leisten würden." In Bad Ischl gebe es Straßenzüge, in denen zwei von drei Häusern kaum noch bewohnt werden. "Das ist ein Problem für die Entwicklung der Stadt und der gesamten Region."

Unterstützt werden die drei SP-Bürgermeister von Landtagsabgeordneter Sabine Promberger. Sie bringt in der nächsten Landtagssitzung einen Antrag ein: "Wir wollen, dass die Gemeinden ermächtigt werden, bei Bedarf eine Zweitwohnsitzabgabe einzuheben."

650 Euro pro Jahr und Wohnung

Diese Steuer soll nach Vorstellungen der SP 650 Euro pro Jahr und Wohnung betragen. "Das ist leistbar", sagt Promberger. Sechs Städte und Gemeinden, darunter auch VP-geführte, hätten sich schon früher mit derartigen Petitionen an das Land gewendet: Linz, Traunkirchen, Nußdorf, Obertraun, Gmunden und Attersee

Neu ist die Idee übrigens nicht: Steiermark, Kärnten und Vorarlberg haben diese Steuer bereits eingeführt, in Salzburg wird darüber debattiert. (hes)

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