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110-kV-Leitung: "Wir bleiben eisern bis zum Schluss“

VORCHDORF. In den kommenden Monaten droht jenen Anrainern der geplanten Hochspannungsleitung, die ihre Zustimmung bisher verweigerten, die Zwangsenteignung.

110-kV-Leitung: Enteignungen drohen - "Wir bleiben

Wolf und Sabine Kronegger in Vorchdorf lassen es darauf ankommen: Sie wollen die Hochspannungsleitung über ihrem Grund verhindern. Bild: ebra

Der Konflikt um die umstrittene Hochspannungsleitung von Vorchdorf nach Kirchdorf geht in die entscheidende Phase. Die betroffenen Grundstückseigentümer erhalten in den kommenden Tagen noch ein letztes Angebot von der Netz Oberösterreich GmbH, einer 100-Prozent-Tochter der Energie AG. Sollten sie sich weiterhin weigern, einen Dienstbarkeitsvertrag zu unterschreiben, kommt es zur Zwangsenteignung, heißt es bei der Energie AG. Die betroffenen Grundstücksbesitzer würden dann deutlich weniger Entschädigungsgeld erhalten, als ihnen ursprünglich angeboten wurde.

Wie viele der 138 betroffenen Anrainer bereits unterschrieben haben, will niemand verraten. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen noch mehr als die Hälfte Widerstand leisten.

Einer davon ist der Vorchdorfer Wolf Kronegger. Der 39-jährige Pferdewirtschaftsmeister und seine 35-jährige Frau Sabine leben auf einem Bauernhof im Ortsteil Moos. Sie wollen ihn zu einem Zuchtbetrieb ausbauen. Kronegger war Dressur-Landesmeister und unterrichtet am Agrarbildungszentrum Lambach Pferdewirtschaft. Sein Ziel ist es, hochkarätige Warmblutpferde zu züchten und zu Dressurpferden auszubilden. Für diesen Traum gaben er und seine Eltern 2006 ihr gesamtes Erspartes aus, um den Bauernhof "Amaiskogerl" samt 13,5 Hektar Grund im Vorchdorfer Hinterland zu kaufen.

"Existenzgefährdend für uns"

Doch dann wurden die Baupläne der Energie AG publik. Deren 110-kV-Leitung soll direkt vor dem Hof über die Weide des Amaiskogerl-Hofs verlaufen. "Das ist existenzgefährdend für uns", sagt Kronegger. "Pferde reagieren extrem empfindlich auf Strahlungen, die von Hochspannungsleitungen ausgehen. Der Zuchterfolg würde mit Sicherheit darunter leiden. Nicht zuletzt, weil die Erfolgsrate bei den Befruchtungen sinkt."

Wolf Kronegger und seine Frau Sabine erwarten im Mai ihr zweites Kind und fürchten um ihre Zukunft. Die beiden halten sich nicht für Querulanten. "Ich verstehe, dass unser Land eine funktionierende Infrastruktur braucht, und ich habe nichts gegen Elektrizität", sagt der junge Landwirt. "Aber ich habe kein Verständnis dafür, dass die Energie AG zur Gewinnmaximierung eine möglichst billige Leitung baut und damit einzelne Familien belastet. Die sollen mehr Geld in die Hand nehmen und ein Erdkabel verlegen."

Die Energie AG bot Kronegger ursprünglich 1,40 Euro pro Quadratmeter Grundfläche unter der Leitungstrasse an. Sollte es in den kommenden Monaten zu einer Zwangsenteignung kommen, wird die Entschädigung um einiges geringer ausfallen. "Wir bleiben trotzdem eisern bis zum Schluss", sagt der Vorchdorfer. "Und wenn es sein muss, geben wir auch unseren letzten Euro für den Rechtsanwalt aus."

Alternative Erdkabel

Die Gegner der Freileitung fordern ein Erdkabel als Alternative. Laut einem Gutachten der Universität Graz würde es mit 45 Millionen Euro bei der Errichtung rund dreimal so viel kosten wie eine Freileitung. Auf die Stromrechnung aller Oberösterreicher heruntergerechnet würde das jeden Kunden nur um 1,52 Euro pro Jahr mehr belasten.
Allerdings wären laut Energie AG die Leitungsverluste deutlich höher und die Lebensdauer nur halb so hoch. Es gehe auch um den Gleichheitsgrundsatz: Würden die Almtaler ihre Sonderwünsche durchsetzen, wären alle anderen Leitungsanrainer im Land die Dummen.

Drei Fragen an Michael Frostel

Der Sprecher des Netzbetreibers Energie AG erklärt, warum die Erdkabelvariante aus Sicht seines Konzerns nicht sinnvoll ist.

Das Erdkabel würde jeden Stromkunden 1,52 Euro pro Jahr kosten. Ist das zu viel?

So einfach ist das nicht. Das Erdkabel kostet nicht nur dreimal so viel, es hätte auch nur die halbe Lebensdauer. Selbst wenn wir das in Kauf nehmen: Die E-Control als behördlicher Regulator würde das nicht akzeptieren.

Aber das Kabel wäre auch landschaftsschonender, sagen die Kritiker.

Nein, weil die Erdkabeltrasse viel länger wäre. Außerdem haben Erdkabel viel größere Verluste. Freileitungen sind effizienter im Sinne der Umwelt.

Verstehen Sie die Ängste der betroffenen Grundstücksbesitzer?

Wir nehmen das sehr ernst, aber es ist nicht immer einfach gegen Bauchgefühle zu argumentieren. Was die Angst des Vorchdorfer Pferdezüchters betrifft: Unter unseren Hochspannungsleitungen in Oberösterreich gibt es viele Pferdezuchten. Wir haben noch nie von Problemen gehört.

 

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Artikel Edmund Brandner 21. Februar 2014 - 00:04 Uhr
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