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Oberösterreich

"Ruhig bleiben und vorsichtig sein"

Von Ulrike Griessl  11. März 2020 00:04 Uhr

"Ruhig bleiben und vorsichtig sein"
Psychiater Werner Schöny rät zur Besonnenheit.

Der Psychiater Werner Schöny rät, das Thema Corona im Kopf nicht zu groß werden zu lassen.

Seit Jahrzehnten schaut Psychiater Werner Schöny in die Seele der Oberösterreicher. Im OÖNachrichten-Interview zum Thema Corona zeigt sich der frühere Leiter des Neuromed Campus zuversichtlich.

OÖNachrichten: Wie belastend ist die derzeitige Situation für die Menschen durch die Coronakrise?

Werner Schöny: Wenn die Bundesregierung aus verständlichen Gründen die Empfehlung ausspricht, dass man seine sozialen Kontakte massiv einschränken soll, dann beunruhigt das die Menschen natürlich sehr. Angst ist grundsätzlich keine falsche Reaktion, wir brauchen sie, um uns im Alltag nicht in allzu große Gefahr zu begeben, um uns also vernünftig zu verhalten. Schwierig wird es, wenn Menschen mit Panik reagieren, also mit übertriebener Angst. In dieser unkontrollierbaren Gefühlslage kann man nicht mehr rational denken und reagieren.

Was soll man tun, wenn jemand im Familienkreis übertriebene Angst hat?

Wichtig ist, selbst Ruhe zu bewahren und die Vernunft einzusetzen. Menschen, denen dies nicht gelingt, sollte man mitteilen, dass die persönliche Gefahr nicht so groß ist, wie es scheint. Die Verhaltensempfehlungen der Regierung sind schließlich nur Vorsichtsmaßnahmen, damit sich die Krankheit nicht zu stark weiterverbreitet. Und selbst wenn man infiziert wird, ist damit zu rechnen, dass die Krankheit unauffällig verläuft. Wir haben alle schon Viruserkrankungen durchgemacht, die wir gut überstanden haben. Es heißt also, ruhig zu bleiben und Vorsichtsmaßnahmen in sinnvollem Ausmaß einzuhalten. Durch Panik verbessert sich die Situation auf keinen Fall.

Der Angstpegel in der Gesellschaft ist durch Klimaerwärmung und "Flüchtlingswellen" ohnehin hoch. Was macht es mit der Psyche, wenn jetzt auch noch das Coronavirus dazukommt?

Ja, der Angstpegel ist aus den genannten Gründen wirklich hoch. Menschen, die grundsätzlich zur Angst neigen, können in derartigen Krisen, wie wir sie derzeit erleben, eine Angstkrankheit entwickeln. Sie leben in ständiger Panik, das ist natürlich furchtbar. Gefährdete Personen sollten sich unbedingt rechtzeitig Hilfe holen.

Wie lang hält die Gesellschaft einen Alarmzustand, wie wir ihn derzeit haben, durch?

Schwer zu sagen. So eine Ausnahmesituation hatten wir in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wir wissen aus Erfahrung, dass Menschen in Kriegssituationen relativ stark sind. Man sieht das derzeit am Beispiel des Syrienkriegs. Er dauert neun Jahre, und die Leute halten durch – natürlich mit individuellen Unterschieden. Es bleibt ihnen ja nichts anderes übrig. Ich gehe davon aus, dass die Maßnahmen, die das Coronavirus betreffen, bei weitem nicht so lang dauern werden. Das zeigt die Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen. Nach einigen Wochen wird die Sache vorüber sein.

Was raten Sie konkret im Umgang mit Corona?

Ich rate, sich an die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen zu halten, aber nicht die Nerven zu verlieren, sondern immer pragmatisch und rational nachzudenken: Was kann ich tun, um das Risiko möglichst gering zu halten und einen guten Alltag zu haben?

Hilft es, sich jetzt bewusst auch mit anderen Themen zu beschäftigen?

Ja, ganz sicher. Natürlich soll man sich über den aktuellen Stand informieren, aber ich würde mich bewusst auch mit angenehmen Dingen beschäftigen. Zum Beispiel ein Buch lesen, das keine negativen Gefühle hervorruft.

Wie gehen Sie persönlich mit der Gefahr um?

Ich fühle mich nicht gefährdet, weil ich die Vorsichtsmaßnahmen einhalte.

Werner Schöny zu Gast bei OÖN-TV

Verunsicherung nicht zur Panik werden lassen, dazu mahnt der renommierte Linzer Psychiater Werner Schöny am Dienstag im OÖN-TV Gespräch. Die aktuellen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus betreffen den Alltag und das öffentliche Leben. Ob es jetzt zu Hamsterkäufen kommt und wie wir mit Menschen in unserem Umfeld umgehen sollen, die jetzt panisch werden, beantwortet er in diesem Interview.

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Artikel von

Ulrike Griessl

Redakteurin Leben und Gesundheit

Ulrike Griessl
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