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Oberösterreich

Oberösterreichs Mediziner sehen System bis an die Grenze belastet

Von nachrichen.at/apa   09. November 2020 15:15 Uhr

Bernd Lamprecht

LINZ. Es ist nicht mehr möglich, eine ungestörte Routineversorgung zu leisten und daneben die Covid-19-Patienten zu versorgen, warnten Experten.

Es ist jetzt absehbar, dass das System bis an die Grenze belastet wird. Das sagten Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) und Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin ebendort, am Montag in einem JKU-Corona-Update mit Rektor Meinhard Lukas.

"Größte Herausforderung seit dem Krieg"

Lamprecht sprach von der größten Herausforderung für das Gesundheitswesen seit dem Krieg. Im Frühjahr habe es am KUK ein bis zwei Stationen für Covid-19-Patienten gegeben, jetzt seien es sieben. Zwei Intensivstationen seien ganz, eine dritte zur Hälfte gefüllt, so Meier, der betonte, dass Spezialisten nicht unbeschränkt verfügbar seien. "Es gab schon Engpässe in Krankenhäusern, die Patienten werden über das Land verteilt." Man behelfe sich mit interdisziplinären Ärzteteams, die Herausforderung für die Pflege sei enorm. Meier ging davon aus, dass 100 zusätzliche Intensivbetten kommen.

Die Einschnitte seien beachtlich, aber noch seien dringende und onkologische Eingriffe durchführbar, planbare Eingriffe wurden schon quer durch alle Abteilungen verschoben. "Jetzt ist absehbar, dass das System bis an die Grenze belastet wird", sagte Meier. Lamprecht gab zu, sich vieles gar nicht vorstellen zu wollen und pochte darauf, dass "sehr einfache Maßnahmen wie Abstand halten, Hygiene und Mund-Nasenschutz tragen die Ausbreitung des Virus verhindern". "Es ist notwendig, mit weniger Personen und schlechterer technischer Ausstattung mehr Patienten zu versorgen", erklärte Meier. Von einer "beinharten Triage aus der Katastrophenmedizin" sei man noch weit entfernt, man wolle diese "mit zusätzlichen Betten und einer Spreizung der Leistung vermeiden, ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das verhindern können, wenn die Maßnahmen aus dem Lockdown nicht greifen". Diese seien zum Schutz des Gesundheitssystems notwendig.

Hohe Mortalitätsraten 

Der Großteil der Patienten sei jenseits der 60, "aber wir sehen die gesamte Breite, es gibt auch Schwererkrankte mit Mitte 20", sagte Lamprecht. Auf der Intensivstation würden auch Menschen von Mitte 30 bis Mitte 70 behandelt. "Mehr als die Hälfte überlebt die Intensivstation, das sind aber hohe Mortalitätsraten", so Meier. Bei der Medikation habe sich "Remdesivir durchgesetzt, wir erzielen den besten Effekt, wenn es frühzeitig eingesetzt wird", so Lamprecht. In der zweiten Phase der Erkrankung hätte sich ein Cortison-Präparat bewährt. Die Ergebnisse aus der klinischen Studie mit dem vom österreichischen Genetiker Josef Penninger mitentwickelten Wirkstoff stünden noch aus. Die am KUK damit behandelten Patienten konnten das Krankenhaus wieder verlassen.

Intensivmediziner: Derzeit keine Triage notwendig 

In Oberösterreich seien trotz der hohen Corona-Zahlen derzeit keine Triage-Maßnahmen notwendig. Das betonte Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Linzer Kepler Universitätsklinikum, am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme. Es gebe allerdings Fälle, in denen auf eine intensivmedizinische Behandlung verzichtet werde, wenn eine palliative Behandlung sinnvoller sei.

"Es ist mir wichtig festzuhalten, dass im Moment noch ausreichend intensivmedizinische Kapazitäten vorhanden sind", so Meier, der die Koordinierung der Intensivbetten im Bundesland innehat. Im Moment seien oberösterreichweit knapp 100 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, derzeit würden 150 Betten für diese zur Verfügung stehen. Diese Anzahl könne noch erhöht werden. Durch ein bundesland-weites Intensivbettenmanagement sei zudem gewährleistet, dass auch regionale Engpässe abgefedert werden können. Er wolle aber darauf hinweisen, dass "nicht bei allen Patientinnen und Patienten in jeder Situation eine ausgedehnte Intensivtherapie erfolgen muss". In Abhängigkeit von der medizinischen Indikation und dem Willen des Patienten könne auch auf eine Intensivtherapie verzichtet werden, etwa wenn eine palliativmedizinische Behandlung sinnvoller sei. "Dies ist aber keine Triage im eigentlichen Sinne" und entspreche "dem normalen Vorgehen".

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