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Neuer Landesjägerchef will "Ruhezonen schaffen, um die Wälder zu schützen"

Von Luise Walchshofer und Philipp Hirsch   25.April 2019

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Neuer Landesjägerchef will "Ruhezonen schaffen, um die Wälder zu schützen"
Hofübergabe: Landesjägermeister Sieghartsleitner (re.) und sein Vorgänger Sepp Brandmayr

Herbert Sieghartsleitner

Oberösterreich hat einen neuen Landesjägermeister: Bei der Sitzung des Landesjagdausschusses wurde Herbert Sieghartsleitner in dieses Amt gewählt. Der Land- und Forstwirt aus Molln galt schon länger als Favorit (die OÖN berichteten). Er folgt Sepp Brandmayr (68) nach, der sich nach zwölf Jahren an der Spitze des Verbandes entschloss, nicht mehr zu kandidieren. Der nunmehrige Ehrenlandesjägermeister gratulierte seinem Nachfolger und betonte, seine Aufgabe stets mit Begeisterung erfüllt zu haben.

Sieghartsleitner wurde mit knapp 82 Prozent der Stimmen gewählt. "Ich freue mich über das Ergebnis. Es war eine demokratische und harmonische Wahl", sagte der 54-Jährige. Die Jagd stehe derzeit vor zahlreichen Herausforderungen wie dem Klimawandel und der wildökologischen Raumplanung.

Letztere ist Sieghartsleitner ein großes Anliegen. "Das heißt, dass es eine Raumordnung mit Rücksicht auf den Lebensraum der Tiere braucht", erklärte er. "Der Druck auf Naturräume steigt, weil sie von viel mehr Menschen genutzt werden als früher. Die Natur aber vermehrt sich nicht." Als Beispiel nannte er touristisch intensiv beanspruchte Gebiete. "Es wird nicht ohne Einschränkungen gehen. Wir müssen die Anströme kanalisieren, um schwere Schäden zu vermeiden."

"Natur muss sich erholen"

Das könne so weit gehen, dass Ruhezonen verordnet werden, also dass gewisse Gebiete für eine bestimmte Zeit gesperrt werden, damit sich die Natur dort erholen könne. Es gehe nicht darum, der Jagd ein exklusives Nutzungsrecht für manche Räume zu verschaffen, betonte Sieghartsleitner. "Auch wir werden uns aus gewissen Bereichen zurückziehen müssen. Wir brauchen eine vernünftige Lösung für alle Nutzergruppen, um die Natur nicht so sehr zu beanspruchen, dass sie an den Rand des Kollapses gerät."

In anderen Bundesländern gebe es bereits Modelle, an denen man sich orientieren könne. Ein Beispiel ist die Initiative "Respektiere deine Grenzen", die es unter anderem in Vorarlberg gibt. Dabei sind auf eigenen Landkarten derartige Ruhezonen markiert, die Freizeitsportler nicht betreten sollten.

Der Amtsantritt des Landesjägerchefs im OÖN-TV-Beitrag:

 

Eine klare Position vertritt der 54-Jährige auch, wenn es um die Wölfe geht. Zwar sei es nicht allein an den Jägern zu entscheiden, welches Wildtier in Österreich Platz habe, aber nach Ansicht des Jagdverbandes müsse es definierte Bereiche geben, wo Wölfe leben dürfen. "Überall im Land wird es aufgrund des Konfliktpotenzials mit den Menschen nicht gehen."

In Oberösterreich sehe er wenig Chancen für ein Rudel. Zudem seien Wölfe mit rund 20.000 Tieren in Europa und Vorderasien keine gefährdete Art mehr, sagte Sieghartsleitner: "Daher sollte man ihren hohen Schutzstatus überdenken."

Ein Porträt von Herbert Sieghartsleitner finden Sie in der Rubrik "Mensch des Tages"

Die Wahl

Der Landesjagdausschuss wählte Herbert Sieghartsleitner mit 81,8 Prozent der Stimmen zum neuen Landesjägermeister. Der 54-Jährige war der einzige Wahlvorschlag.

Zu seinen Stellvertretern wurden Volkmar Angermeier, Bezirksjägermeister aus Eferding, der dieses Amt schon bisher innehatte, und Andreas Gasselsberger, Bezirksjägermeister aus Ried, gewählt. Für die Wahl hatte es drei Vorschläge gegeben.

 


Herbert Sieghartsleitner
privat

„Druck auf Naturräume ist stark gestiegen“

Der neue Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner über Themen, die er für besonders wichtig erachtet.

Vor welchen großen Herausforderungen steht die Jagd Ihrer Ansicht nach derzeit?

Sieghartsleitner: Ein Kernprojekt ist die wildökologische Raumplanung, also eine Raumordnung, die Rücksicht auf die Lebensräume von Wildtieren nimmt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Nutzergruppen in den Wäldern stark gestiegen, ein Beispiel sind Freizeitsportler. Die Natur vermehrt sich dagegen nicht. Dadurch steigt der Druck auf Naturräume, das spüren auch die Wildtiere deutlich, insbesondere Kulturflüchter wie Gamswild oder Raufußhühner. Daher braucht es eine zeitliche und räumliche Regelung für die Nutzung von Naturräumen.

Wie könnte das bewerkstelligt werden? In Form von Zutrittsbeschränkungen?

Es wird nicht ohne die Verordnung von Ruhezonen gehen. Wir brauchen Verständnis dafür, dass ein Verzicht nötig ist, um die Natur zu schützen. Vor eine weitere Herausforderung stellt uns die Klimaveränderung.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Österreichs Wälder aus?

Gewisse arrivierte Baumarten wie die Fichte werden verschwinden, man muss also die Wälder zum Teil umbauen. Weil aber neue Bäume wie Tannen für Wild sehr schmackhaft und daher verbissgefährdet sind, braucht es Schutzmaßnahmen.

Gibt es ein zentrales Ziel Ihrer Amtszeit?

Die Jäger sollen wieder an Akzeptanz und Ansehen in der Bevölkerung gewinnen.

 

Der Wald ist für jeden da

Etwa die Hälfte der österreichischen Staatsfläche (48 Prozent) ist bewaldet. Wer den Wald betreten darf, ist im Forstgesetz geregelt.

Das Gesetz aus dem Jahr 1975 hält klar fest, dass der Wald grundsätzlich von jedermann zu Erholungszwecken betreten werden darf. In Ausnahmefällen sind aber Sperren des Waldes zulässig: „Bei befristeten Sperren kann es sich beispielsweise um Baustellen, Gefährdungsbereiche der Holzfällung, Windwurf- oder -bruchflächen oder um Waldflächen, auf denen Forstschädlinge bekämpft werden, handeln“, heißt es vom Umweltministerium.

 

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26. Juni 2019