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Nachruf: Trauer um Klaus Wallinger

Von Edmund Brandner  30. Dezember 2020 20:15 Uhr

Klaus Wallinger

EBENSEE. Der Mitbegründer des Kulturvereins Kino Ebensee erlag am Dienstag im 62. Lebensjahr einer Krebserkrankung.

Für Ebenseer Verhältnisse wuchs er in sehr bürgerlichen Verhältnissen auf, aber irgendetwas muss dabei gründlich schiefgelaufen sein. Denn Klaus Wallinger hatte ein Faible für das Subversive. Und die Region muss dafür dankbar sein. Sein Lebenswerk, der Kulturverein Kino Ebensee, öffnete ganzen Generationen von Jugendlichen Augen und Ohren und den Horizont mit dazu.

Wallinger begann selbst als Akteur auf der Musikbühne. Er war Sänger der legendären Band GESMBH – vor 40 Jahren die Visitenkarte des Salzkammerguts in Sachen Rock ’n’ Roll. Später organisierte er mit Freunden die ebenso legendären Holzstock-Festivals, bevor die Truppe 1986 den Kulturverein Kino Ebensee ins Leben rief.

Urbane Subkultur in der Provinz

Mit Klaus Wallinger als Sprachrohr bewies der Verein, dass urbane Jugendkultur auch in der Provinz gedeihen kann. Das Lichtspieltheater aus den Fünfzigerjahren wurde unter der Ägide Wallingers zu einer Anlaufstelle für ein Publikum, dem Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz ein Bedürfnis sind.

Der Erfolg des Kinos resultiert vor allem aus seinem hohen künstlerischen Qualitätsanspruch. In der internationalen Musikszene sprach sich der Schauplatz Ebensee rasch herum. Das Who’s who der alternativen Rockszene gibt sich hier die Klinke in die Hand. Bands wie Calexico, 16 Horsepower oder Attwenger pilgerten an den Traunsee und wollten danach stets wiederkommen. Viele internationale Bands machen auf ihren Touren zweimal Station in Österreich: einmal in Wien und das andere Mal in Ebensee.

Wallingers eloquent-launige Bühnenansagen waren Kult und fixer Bestandteil jedes Konzerts. Ebenso die kompromisslos demokratische Haltung, die er mit Nachdruck an den Tag legte. Indem er sein großes Herz mit hoher Intelligenz, brillanter Rhetorik und viel Schalk im Nacken verband, war er die perfekte Rampensau. Und dieser Ausdruck hätte ihm jetzt gefallen.

Wallinger war Vorsitzender der Kulturplattform KUPF, über Jahre hinweg Kulturbeauftragter der SPÖ Oberösterreich und Gemeinderat in Ebensee. Er verfasste das Kulturleitbild des Ortes, war Vorstandsmitglied der Salzkammergut Festwochen und Strippenzieher bei vielen Festivals und Kulturinitiativen. Wallinger wäre der Träger der Kulturmedaille der Marktgemeinde Ebensee gewesen. Wenn er sie nicht verloren hätte. Als die Landesregierung ihn zum Konsulenten ernannte, amüsierte ihn das diebisch.

Jetzt verlor Klaus Wallinger seinen Kampf gegen eine lange Krankheit. Am Dienstag verstarb er im Kreise seiner Angehörigen. Er hinterlässt seine trauernde Frau Brigitte und zwei Stiefsöhne. Die Lücke, die er im Kulturleben des Salzkammerguts hinterlässt, ist nicht zu schließen.

Artikel von

Edmund Brandner

Lokalredakteur Salzkammergut

Edmund Brandner
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