Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Mittwoch, 20. März 2019, 02:30 Uhr

Linz: 4°C Ort wählen »
 
Mittwoch, 20. März 2019, 02:30 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich  > Nachrufe

Mit der Geige durch das "braune" Linz

Seine Geige begleitete ihn von Kindheit an: 15 Jahre lang im Linzer Kammerorchester, im Linzer Barockensemble, wo er Konzertmeister war, und zuletzt im Orchester der Johannes Kepler Universität.

Mit der Geige durch das "braune" Linz Von Karin Schütze

Herwig Strobl Bild: privat

Aber auch auf seinen "Musik-Rundgängen", auf denen Herwig Strobl Menschen durch das jüdische und "braune" Linz führte.

Die Aufarbeitung der NS-Zeit war ihm, der zwei Tanten durch das NS-Euthanasieprogramm verloren hatte, ein Bedürfnis. Als Anti-Atom-Aktivist kämpfte er gegen das AKW Zwentendorf. Auch als 1996 das Kraftwerk Lambach besetzt wurde, war er dabei.

In eine Musiker- und Lehrerfamilie in Oberneukirchen hineingeboren, wurde Herwig Strobl die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt. Als Lehrer in St. Georgen an der Gusen, später als Musikschuldirektor in Kremsmünster gab er seine Leidenschaft weiter. Bis er sich 1982 entschied, als freischaffender Musiker, Autor und Komponist zu leben. Besonders der jüdischen Musik hatte er sich verschrieben, 1982 gründete er mit dem Gitarristen Ivo Truhlar das Ensemble "10 saiten 1 bogen", mit dem ihn 1400 Konzerte in 14 Länder führten.

Mit seinen drei Söhnen im Familienensemble "Frischluft" bereiste er Europa, "mit dem VW-Bus, wie die Kelly-Family". Er liebte fremde Kulturen – Polen, Südosteuropa, den Balkan, Irland – und seine Musik. Offenen Ohres war er stets auf der Suche nach neuen Klängen – ob keltischen mit dem Ensemble "Over the hills", im Harfenduo "Harp amor", mit Angela Stummer oder als Duo "schlagSaite" mit Sänger Michael Korth.

Auf seiner "Bracciolina d’amore", einer fünfsaitigen Geige, spielte er eine Solo-CD ein. Mit dem ehemaligen Landestheater-Schauspieler Gerhard Brössner entstanden 138 erotische Sonette – auch die Worte hatten es ihm angetan, in seinen "Herzgedichten", 2003 erschien sein Buch "LINZ und zurück – 15 wanderbare Wege". In den vergangenen Jahren bereitete dem 78-Jährigen immer wieder sein Herz Probleme. Auch am vergangenen Dienstagabend, als Herwig Strobl ein Konzert der Reihe "Dienstags-Kammermusik in Linz" in der Landesgalerie besuchte. Dessen Ende sollte er nicht mehr erleben. Die Musik hat den passionierten Geiger bis zuletzt begleitet.

Kommentare anzeigen »
Artikel Karin Schütze 16. März 2019 - 00:04 Uhr
Mehr Nachrufe

Mit Kraft, Ausdauer und Zähigkeit

Mit Ernst Hutterer hat die Fröling Heizkessel- und Behälterbau GmbH nicht nur ihren ehemaligen ...

Der Sir im Welser Frisiersalon

Kamm und Schere in der Hand, korrekt gekleidet und nobel zurückhaltend – so trat Walter Hohmann stets ...

Stiller Visionär

Dass der kleine Franz ein schlaues Bürscherl war, bemerkten nicht nur die Eltern in St.

Heinz Hofmann: Trauer um Linzer Meisterbäcker

Linz trauert um den früheren Gemeinderat und Bäcker Heinz Hofmann, der am 21. Februar im 73.

Kämpfer für die Umwelt und mehr Gerechtigkeit

"Lernst halt lesen, dann brauchst mich nicht immerzu fragen!" Diesem Ratschlag einer Nachbarin folgte der ...
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS