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Ein Bürgermeister mit Ecken und Kanten

Von Bert Brandstetter  16. November 2020 00:04 Uhr

Selbst wenn in der Gemeindestube manchmal die Fetzen flogen und der Kopf des Herrn Bürgermeisters knallrot angelaufen war – Manfred Weber konnte seinen Kontrahenten nach den harten Diskussionen immer in die Augen schauen.

So erlebte es der amtierende Bürgermeister Leopold Steindler. Die beiden standen lange Jahre gemeinsam an der Spitze der Gemeinde: Weber als ÖVP-Bürgermeister, Steindler als sein Vize von der SPÖ.

Weber stand von 1973 an nebenberuflich im Dienste der Gemeindepolitik, von 1985 bis 1991 als Vize, bis 2003 als Bürgermeister. "Er hat seine Anliegen sehr zielgerecht und konsequent verfolgt", sagt Steindler und nennt einige Projekte: Die Ennsbrücke, der Bauhof, das Amtshaus, die Kabelfernsehanlage, das ASZ oder das Museumsdorf Ternberg-Trattenbach.

"Eine gewisse Portion Sturheit war beim Fred nicht von der Hand zu weisen." Freunde habe er sich damit vor allem in Linz nicht gemacht, aber das habe Fred durchgestanden. Sogar Parteifreunde taten sich mitunter schwer mit ihm und hatten manche Sträuße auszufechten. "Er war einfach ein visionärer Vorprescher", sagt Peter Sporn. "Diskutiert haben wir vieles auf dem Hochstand so lange, bis ich ihn daran erinnerte, dass wir auch noch Hasen sehen möchten". Die Jagd war fast 40 Jahre Webers Steckenpferd.

Aufgewachsen ist Weber in Weyer mit einem Zwillingsbruder und einer älteren Schwester. Nach der HTL in Linz trat er 1969 in die Ennskraftwerke ein, heiratete Erna Walcher und bekam mit ihr zwei Söhne. Erna starb mit 41 Jahren an Leukämie.

Zu seinem Glück fand er in der Arbeitskollegin Margarete eine neue Partnerin, mit der er 1982 Hochzeit feierte. Mit ihr lebte er seine Wanderlust in den Bergen aus und verbrachte viel Zeit in ihrem Haus in der Ramsau. Ganz wichtig war Manfred Weber das Rote Kreuz. Fast 20 Jahre lang besetzte er wichtige Funktionen in der Ortsstelle und auf Bezirksebene. Das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, wird Weber auch hier als großer Verdienst zugeschrieben. "Sicher hätte Fred die Bürgermeisterwahl noch einmal gewonnen", sagt der jetzige Vizebürgermeister Jürgen Felberbauer, er hat aber aus Altersgründen aufgehört.

Dass ihn die Gemeinde zum Ehrenbürger ernannte, krönte sein politisches Lebenswerk. In letzter Zeit wurde Weber müde und ein wenig vergesslich. Als seine Frau nach ihm schaute, lag er tot im Bett, ohne lang gelitten zu haben.

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Bert Brandstetter

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