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Der leise Abgang eines Alleinunterhalters

Von Friedrich Müller 18. November 2019 00:04 Uhr

Der leise Abgang eines Alleinunterhalters  Karl Haider (1935–2019) Aus Wels Von Friedrich M. Müller
So haben ihn die Welser gekannt, die „Quetschn“ war Karl Haiders ständiger Begleiter.

Ganz Wels sang und lachte mit ihm, schwang das Tanzbein zu seiner "Quetschn-Musi" und amüsierte sich über seine legendären Gedichte: Karl Haider.

"Da Karli" war jahrzehntelang beliebter und geschätzter Unterhalter, Sänger und Dichter – ob privat, beim Welser Volksfest oder beim Heurigen. Nun ist seine Stimme verstummt. Er verstarb am 3. November mit 84 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.

Der gebürtige Welser verbrachte den Lebensabend mit seiner Frau Helga – sie waren 60 Jahren verheiratet – in einem Seniorenzentrum in Villach, dem Wohnort seiner geliebten Tochter Ulla.

Haiders Eltern führten seinerzeit in der Welser Innenstadt eine kleine Obst- und Gemüsehandlung. Selbstredend, dass Sohn Karl auch Kaufmann wurde und das Geschäft an der Ecke Fabrikstraße/Körnerstraße übernahm. Doch bald wechselte er als Prokurist in den ehemaligen Super-Point-Großmarkt in Wels-Nord und später an die Pädagogische Akademie in Linz, wo er bis zur Pensionierung als Verwalter arbeitete.

Die Quetschn immer dabei

Seine wahre Leidenschaft galt aber dem Musizieren, Singen und Dichten. Schon als Bub spielte er auf der Ziehharmonika. "Ohne Quetschn ging der Papa nicht aus dem Haus", erinnert sich seine Tochter.

Mit 40 erfüllt sich Haider dann einen Lebenstraum: Die Geschäftsräume seiner Eltern in der Fabrikstraße baute er zu einem urigen Heurigen um, der schnell stadtbekannt und sehr beliebt wurde. "Er fuhr von Bauer zu Bauer und schleppte alte Holztramen nach Hause, um sie einzubauen", erinnert sich Ulla.

In der "Haider Stub’n" unterhielt er seine Gäste – wie sie es von seinen Volksfestauftritten gewohnt waren. Nach einigen Jahren zog "da Karli" aber aus gesundheitlichen Gründen die Notbremse und verpachtete sein Lokal.

Seiner Berufung zum Alleinunterhalter blieb er dennoch treu – allerdings nur noch auf privaten Festen und beim legendären Heurigen der Brüder Neumayr in der Hafergasse. Dort sang er mit seinem Freund Horst und unterhielt die Gäste. Mit ihren Interpretationen von "Da g’schupfte Ferdl" und "Mamma schau owa" wurden sie stadtbekannt. "Da Karli" brachte auch mit seinen Gedichten viele Menschen herzhaft zum Lachen.

Ein positiv eingestellter Mensch

Haider war ein Menschenfreund durch und durch: "Er hat über niemanden schlecht geredet, immer wieder das Positive gesehen. Dadurch ist er für mich ein großes Vorbild", sagt Ulla, die als freie TV-Journalistin arbeitet. Das musikalische Talent hat er Sohn Friedrich vererbt, der als Dirigent in aller Welt auf den Bühnen steht.

Vor drei Jahren kehrte das Ehepaar Haider der Stadt Wels den Rücken und zog nach Villach. Karl betreute liebevoll seine demente Frau Helga. Nun hat sein Herz zu schlagen aufgehört, aber bei den Welsern wird "da Karli" in bester Erinnerung bleiben.

Die Verabschiedung findet am Freitag, 22. November, um 15.30 Uhr in der Wallfahrtskirche Schauersberg in Thalheim statt.

Artikel von

Friedrich Müller

Lokalredakteur Wels

Friedrich Müller
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