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Willi Orthofer: Willis „Röhre“ verstummt

LINZ. Damals, Anfang der 1970er-Jahre, waren die Ausnahme-Musiker der Linzer Sinfonic-Rockband Eela Craig für uns so etwas wie „Rock-Götter“. Saxofonist, Schlagzeuger und Sänger Willi „Wil“ Orthofer war einer davon. Vorgestern Abend erlag er im Alter von sechzig Jahren unerwartet einem Herzversagen.

Willis „Röhre“ ist verstummt

Wil Orthofers letztes Konzert am 22.4. auf der Linzer LiDo (Scheucher) Bild: Manfred Scheuche

„Ich kam noch in den Genuss von original Hausmusik mit Vater, Mutter und Bruder, bevor ich meine eigene Spiritualität der Musik entdeckte. Seither rann viel Wasser die Donau runter und ein Leben ohne aktiv Musik zu machen, ist für mich nicht vorstellbar.“ Das erzählte mir der aus St. Valentin stammende Willi „Wil“ Orthofer dereinst in seinem Linzer Stammcafé, dem Traxlmayr.

Mit dem für ihn so typischen charmanten Schalk, der jede auch noch so schlechte Laune wegschmelzen konnte, schilderte er seinen Werdegang. Garniert mit vielen treffenden „Sagern“, denn Orthofer war auch ein Meister der Wortakrobatik. Nicht umsonst hatten viele Werbefirmen den kreativen Texter unter Vertrag. Auch an seinem aktuellen Arbeitsplatz, der Marketing-Abteilung im E-Werk-Wels war er – wie sein Chef Johann Reifeneder erzählt – beliebt und wurde wegen seiner großen fachlichen Kompetenz geschätzt: „Wir alle sind sehr, sehr traurig. Ich persönlich verliere einen sehr guten Freund, der für immer einen Platz in meinem Herzen hat.“

Begonnen hatte Willi als „kleiner Trommler“ in der St. Valentiner Ortsmusik. Kurz darauf ging’s weiter mit der eigenen Band, den PopCorns, in der er wie auch im OrSon Wels music club (mit „Sandy“ Horst Sonntagbauer) bis zu seinem Tod starke Rhythmen in die Gehörgänge fegte.

Es war 1970, als Orthofer unter anderem mit dem „elektronischen Oberförster“ Hubert Bognermayr die Rockband „Eela Craig“ gründete. Orthofers „Röhre“ – eine ungemein wandlungsfähige Stimme, die vom Reibeisen- bis zum Schmeichelsound alle Register ziehen konnte – war ein wesentliches Element für den raschen internationalen Erfolg des Ensembles, das auch – damals absolut ungewohnt – mit Klassik-Orchestern in Konzerthäusern Furore machte. Als Retroband, der auch Rudy Pfann angehört, sollte es 2011 beim Lentos aufspielen.

„Ich danke all meinen Wegbegleitern – es war nicht immer einfach – aber Hauptsache es hat gegroovt.“ – hat Willi Orthofer, der seit zwei Jahren mit der Französin Nathalie Estarellas verheiratet war, als Schlusssatz auf seiner Homepage stehen. Der Groove war sein Akku. Ein Energiespender, der noch immer weit über sein eigenes Leben hinauswirkt.

Verabschiedung: Donnerstag, 20. Mai, 14 Uhr, Urnenhain Linz-Urfahr.

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Artikel Nachruf von Irene Gunnesch 18. Mai 2010 - 00:04 Uhr
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